ÄRGER: Donnergrollen über dem Bodensee

Die Stimmung zwischen den Unternehmen der Weissen Flotte ist getrübt, seit die Konstanzer eine Gebühr fürs Anlegen der Schiffe verlangen. Die Schweizer kämen ihnen ins Gehege, kritisieren die Deutschen.

Ida Sandl
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Gewitterwolken über dem Bodensee. Deutsche und Schweizer Schiffsbetriebe sind nicht gut aufeinander zu sprechen. (Bild: Benjamin Manser)

Gewitterwolken über dem Bodensee. Deutsche und Schweizer Schiffsbetriebe sind nicht gut aufeinander zu sprechen. (Bild: Benjamin Manser)

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Dicke Luft in der Kajüte: Die Liebe zwischen den deutschen und den Schweizer Schiffsbetrieben ist abgekühlt. Der Grund: Das Anlegen in deutschen Häfen kostet jetzt Geld. Künftig würden sie Gebühren verlangen, haben die Konstanzer ihren Freunden von der Weissen Flotte bei der letzten Verbandskonferenz eröffnet. Auf Schweizer Seite hegt man den Verdacht, dass damit die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt (SBS) abgestraft werden soll. Die hat sich nämlich in dieser Saison in deutsches Territorium vorgewagt. Die Kursschiffe aus Romanshorn legen erstmals in Konstanz an. Der Hafen Konstanz stehe schon seit Jahren ganz oben auf der Wunschliste der Passagiere, sagt Erich Hefti, Oberkapitän der SBS.

Doch in Konstanz kommt keine rechte Freude auf über den ungebetenen Besuch aus dem Nachbarland. Hefti sagt: «Wir hatten den Eindruck, man will uns nicht.» Norbert Reuter, Chef der Stadtwerke Konstanz, zu denen die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) gehören, dementiert. «Selbstverständlich sind uns unsere Schweizer Nachbarn uneingeschränkt und jederzeit herzlich willkommen.» Das Anlegen in Konstanz sei auch nicht das Thema. Aber auf der Stre- cke Konstanz–Unteruhldingen–Main­au–Meersburg würden die Schweizer Schiffe jetzt den deutschen Konkurrenz machen. «Wir können kein Interesse daran haben, wenn sie Gäste aus deutschen Häfen abwerben.»

Nur deutsche Schiffe auf der Anzeigetafel

Verbieten können die Deutschen ihren Partnern nicht, wo sie anlegen und wie sie fahren. Das sei in der internationalen Schifffahrtsordnung so geregelt. Es gibt andere Wege, seinen Unmut zu zeigen. Wer im Meersburger Hafen oder auf der Insel Mainau ein Schiff mit Halt in Konstanz sucht, sieht auf der Anzeigetafel nur die deutschen Schiffe. Romanshorn und Rorschach werden als Ziele angezeigt, nicht aber der Zwischenhalt in Konstanz, beschreibt Reuter. Im Konstanzer Hafen erscheine zwar die Abfahrt der SBS-Schiffe Richtung Romanshorn und Rorschach, nicht aber die Fahrten Richtung Unteruhldingen und Meersburg. Oberkapitän Hefti bedauert das. Es gebe auch keine Lautsprecher-durchsagen für diese Schiffe. Das führe immer wieder zu Verwirrung bei den Passagieren. «Wir haben fast täglich Reklamationen.» Das sei nicht kundenfreundlich. «Dem Gast ist doch egal, in welches Schiff er steigt.»

Hefti versteht die Aufregung ohnehin nicht. In Konstanz würden viel mehr Leute aussteigen als einsteigen. «Wir bringen Touristen, von denen Konstanz profitiert.» Zudem sei das deutsche Unternehmen durch den schwachen Euro ohnehin im Vorteil.

Weniger Komfort für Passagiere

Von den neuen Gebühren ist auch die Untersee-Rhein-Flotte (URh) betroffen. Die URh-Schiffe fahren Konstanz schon immer an. Eine Anlandung mit Hilfe deutscher Mitarbeiter würde das Unternehmen rund 30 000 Franken im Jahr kosten. «Das können wir uns nicht leisten», sagt CEO Remo Rey. Die URh hat deshalb beschlossen, in Konstanz mit eigenem Personal anzulegen. Das bedeute aber, dass sich dann niemand an der Landebrücke um die Wartenden kümmert. «Es ist für die Passagiere nicht mehr so komfortabel wie bisher», sagt Remo Rey.

Benutzt ein ausländisches Schifffahrtsunternehmen lediglich die deutsche Gangway, so koste das pro Hafen und Jahr 480 Euro plus Mehrwertsteuer, erklärt Reuter. Werden im Gegenzug jetzt auch die Schweizer Häfen eine Anlandegebühr von den deutschen und österreichischen Schiffen verlangen? Nein, so etwas mache keinen Sinn, stellt Hefti klar: «Das wäre ein totaler Rückschritt.»

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