Adventskalender

Gegen Social Distancing: Der St.Galler Soziolender inspiriert Menschen zu je 24 Kontaktaufnahmen

Die St.Galler Familie Eggenberger macht jedes Jahr die Türchen im Soziolender auf. Der soziale Adventskalender gibt Tipps, wie neue Kontakte geknüpft oder alte wiederhergestellt werden können.

Theepan Ratneswaran
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Frau Schmied erzählt gerade dem Nachbarn Max Fröhlich ihre Lebensgeschichte.

Frau Schmied erzählt gerade dem Nachbarn Max Fröhlich ihre Lebensgeschichte.

Bild: PD/Soziolender.ch

«Grüezi Frau Schmied, ich bin es, Ihr Nachbar Max Fröhlich – wie geht es Ihnen?» So oder so ähnlich hat es am ersten Dezember in einigen Haushalten geklungen. Im Rahmen vom Türchen mit der Nummer 1 des Soziolenders waren alle eingeladen, ältere Menschen aus dem Umfeld zu kontaktieren.

Der Soziolender ist ein «sozialer Adventskalender» der «berührenden» Art. Menschen brauchen Berührung, sagt der Initiator Roger Jud Eggenberger. Berührung bedeute jedoch nicht nur Körperkontakt, sondern auch ein Näherkommen auf der emotionalen Ebene.

«Verbundenheit ist neben dem Wachstum eines der beiden Grundbedürfnisse von uns Menschen.»

Social Distancing führt zu Isolation

Die Coronakrise hat die Menschen dieses Jahr in die Isolation getrieben. Die Kinder erhielten im Frühjahr Fernunterricht, die Erwachsenen arbeiten im Homeoffice – teils auch jetzt. Die Senioren durften ihre Enkel nicht hüten.

Die alltäglichen Kontakte auf der Strasse, im Café an der Ecke oder beim Brötchenholen seien nicht mehr da, sagt Barbara Eggenberger, die Mitinitiatorin des Soziolenders. Durch die Angst vor dem Virus zögen sich viele Menschen vermehrt zurück.

«Auch durch ihre Lebensumstände, wie den Aufenthalt in einem Pflegeheim, sind einige von der Einsamkeit heimgesucht worden.»
Roger Jud Eggenberger und Barbara Eggenberger, die Initiatoren des Soziolenders.

Roger Jud Eggenberger und Barbara Eggenberger, die Initiatoren des Soziolenders.

Bild: PD

Der Soziolender möchte nun ihren Teil beitragen, die Hürden des Social Distancing zu überwinden, sagt Roger Jud Eggenberger. Und das gelingt.

«Ich finde eure Aktion einfach grossartig», schreibt Anne auf der Soziolender-Website. Es sei der perfekte Abschluss eines herausfordernden Jahres, speziell was die sozialen Kontakte angehe. Sie kenne viele, die nun mitmachten, so Anne.

Den Draht finden

Die Adventszeit ist eine besondere Zeit der Verbundenheit. Zusammen mit den Kindern pflegen die Eggenbergers deshalb jedes Jahr den Kontakt zu 24 Menschen, sagt Barbara Eggenberger. Oft seien es aber Menschen, zu denen der Draht in letzter Zeit etwas verloren ging.

Haben sich Bekannte aus den Augen verloren? Mit dem «sozialen Adventskalender» gibt es nun Impulse für einen erneuten persönlichen Kontakt. Die tägliche Inspiration für die emotionale Annäherung startet online um 8 Uhr auf soziolender.ch, wenn das Türchen aufgeht.

Am Mittwoch, am zweiten Tag etwa, geht es darum, berufliche Gemeinsamkeiten von früher wieder aufleben zu lassen: Alle, die mitmachen, sind eingeladen, frühere Teamkolleginnen und Teamkollegen zu kontaktieren. Vielleicht war die Beziehung nicht so harmonisch? So könne man das Türchen 2 dazu nutzen, die ehemalige geschäftliche Beziehung im Guten abzuschliessen, sagt Roger Jud Eggenberger.

«Und wer weiss, vielleicht entsteht ja auch etwas Neues.»