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Adrenalin-Junkies mit Leasingvertrag

Seit einigen Jahren breitet sich die Raserszene auch in der Ostschweiz wieder aus. Die Raser suchen nicht nur den Rausch der Geschwindigkeit. Mit Videos in sozialen Medien spornen sie sich gegenseitig an.
Kaspar Enz, Barbara Inglin
Raserfahrten und illegale Rennen finden vor allem nachts statt. (Bild: Getty)

Raserfahrten und illegale Rennen finden vor allem nachts statt. (Bild: Getty)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Mit mehr als 200 Sachen über die Autobahn zu brettern, ist gefährlich. Dummdreist ist es, dabei ein Polizeiauto zu überholen. Das tat ein Rumäne im November 2016 im Kanton Zürich. Damit brachte er die Polizei auf die Spur von weiteren Rasern. Anfang dieser Woche nahmen Polizisten in den Kantonen St. Gallen, Zürich und Thurgau 21 junge Männer fest.

Zunahme seit 2015

Die Raserszene wächst auch in der Ostschweiz. «Raserfälle und illegale Autorennen kommen seit einigen Jahren stärker auf», sagt Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. Vor allem seit 2015 nähmen sie zu. Es gehe um Dutzende von Delikten. Vor allem auf Autobahnen und ausserorts finden Rennen statt.

Die Ermittlungen seien zum Teil kompliziert. Oft seien mehrere Täter beteiligt, die mehrmals befragt werden müssen. Spezialisten müssen die oft aufgemotzten Autos gründlich untersuchen, Handys und Computer auswerten. «Diese Verfahren können Monate dauern», sagt Graf. Ein Aufwand, der sich aber lohne: «Solche Autofahrer müssen zwingend aus dem Verkehr gezogen werden.» Je höher die Geschwindigkeit, desto grösser ist auch die Gefahr für schwere Unfälle.

Auf der Suche nach dem Adrenalin-Kick

Meist sind es junge Männer, die aufs Gas drücken. Wie der 23-jährige Kosovare mit St. Galler Nummer, der letzten Sommer durch den Thurgau Richtung Zürich donnerte, bis er bei Effretikon verunfallte. Im Dezember erfassten mehrere Blitzgeräte in St. Gallen einen 21-jährigen Serben. Er raste mit bis zu 135 durch die Stadt, ohne Führerausweis. Solche Fälle sind keine Seltenheit. Sie suchten den «Adrenalin-Kick» geben die Täter in Befragungen oft an, sagt Graf.

Geleaste Pferdestärken

Der Kick ist leicht zu haben. Das Auto als Symbol für Status, Freiheit und Geschwindigkeit sei nicht neu, sagt Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. «Früher gab es Szenen um Autos wie Opel Manta oder Alfa Romeo.» Aber mit Leasingverträgen sei es heute leicht, an schnelle Autos zu kommen. Dem Reiz, diese zu testen, könnten nicht alle widerstehen. «Und über soziale Medien kann man sich mit Raserfahrten brüsten», sagt er. Ein wichtiger Faktor. Auch Matthias Graf sieht in der Digitalisierung einen Treiber der Szene: Die Raser filmen ihre Taten und teilen die Videos über Whatsapp.

Videos helfen bei Ermittlungen

Das kann der Polizei auch nützen. Zum vorliegenden Fall will der Zürcher Staatsanwalt Jürg Boll nichts Konkretes sagen. Aber immer häufiger basierten auch im Kanton Zürich Anzeigen und Strafverfahren auf Videos, die von Lenkern oder Mitfahrern gemacht wurden. Meistens gehe es dabei um Raserfahrten oder Rennen. «Diese Videos werden dann im Kollegenkreis verbreitet», sagt Boll. Auf welchen Wegen die Polizei auf diese Videos stösst, will Boll nicht sagen.

Die illegalen Rennen seien mal geplant, mal kommen sie spontan zustande, sagt Boll. «Hupzeichen oder Blinker dienen als Signal.» In einem krassen Fall hätten zwei Raser auf der Autobahn angehalten und auf 200 Stundenkilometer beschleunigt. Als Rennbahnen dienen Autobahnen oder Überlandstrecken. «Meistens finden sie in der Nacht statt. Das ist besonders gefährlich.»

Spritztouren nach Deutschland

Oft gehen Ostschweizer Raser über die Grenzen. 38 Meldungen von vermuteten Rennen gab es 2018 im Gebiet des Polizeipräsidiums Konstanz. In 21 Fällen waren Autos mit Schweizer Nummern beteiligt, sagt Karina Urbat, Sprecherin der Konstanzer Polizei. Die «Singener Poserszene» bestand zur Hälfte aus Schweizern. Doch diese sei unterdessen weitgehend aufgelöst. Seit 2014 geht die Polizei gezielt gegen die Raser vor. Beliebte Autobahnabschnitte werden vermehrt kontrolliert, Strafen verschärft. Auf Abschnitten der A81 wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt.

Seit 2013 drohen in der Schweiz Fahrern, die die Geschwindigkeitsbegrenzungen krass verletzen, Gefängnis, Entzug des Ausweises und Verlust des Fahrzeugs. Das zeige Wirkung, sagt Jürg Boll. So verschwinden viele rücksichtslose Autofahrer von den Strassen. «Die Raserunfälle haben stark abgenommen.»

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