«Achtung, Coronabetrüger»: Kriminelle nutzen die Krise, um Geld von Senioren zu ergaunern

Die derzeitige Krise wird von Betrügern genutzt, um als Helfer getarnt an Geld zu kommen.

Ines Biedenkapp und Lea Köppel
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Die vermeintlichen Betrüger geben an, für Senioren einkaufen zu wollen. Dabei haben sie es nur auf das Geld abgesehen.

Die vermeintlichen Betrüger geben an, für Senioren einkaufen zu wollen. Dabei haben sie es nur auf das Geld abgesehen.

Symbolbild: PD

«Achtung, Coronabetrüger»: So beginnt ein Facebook-Beitrag eines St.Galler Stadtpolizisten. Denn derzeit haben es Kriminelle gezielt auf Personen abgesehen, die sich in einer Risikogruppe befinden oder aufgrund anderweitiger Unsicherheiten auf Hilfe angewiesen sind. In dem Beitrag heisst es:

«Die Betrüger verlangen den Einkaufszettel und das Bargeld, lassen sich dann aber nie wieder blicken.»

Einen konkreten Fall habe es in der Stadt St.Gallen allerdings noch nicht gegeben, heisst es auf Anfrage.

Momentan steht das öffentliche Leben fast vollkommen still. Da sich das neuartige Coronavirus rasant ausbreitet, rät das Bundesamt für Gesundheit der Bevölkerung, möglichst zu ­Hause zu bleiben. Das trifft vor allem ältere Menschen, weil diese von der ausgelösten Lungenkrankheit besonders betroffen sind. In der gegenwärtig aussergewöhnlichen Lage gibt es dann immer wieder Menschen, die die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schamlos ausnutzen.

Mit Mundschutz vor der Tür

So klingeln Betrüger mit Mundschutz an der Tür und geben an, sie seien vom Gesundheitsamt und müssten dringend die Wohnung desinfizieren. Auch sind immer wieder falsche E-Mails im Umlauf, um gezielt Verunsicherung auszulösen.

Warnung vor Betrug

Bereits seit Freitag, 13. März, nutzen Cyberkriminelle die Lage um das Coronavirus aus, um Bürger mit gefälschten E-Mails zu verunsichern. Wie die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) mitteilt, geben sich die Betrüger als Vertreter des Bundesamts für Gesundheit aus, um Malwareprogramme zu verbreiten. Werden Anhänge geöffnet oder Links angeklickt, ermöglichen sie den Angreifern den Fernzugriff auf den Computer. Solche E-Mails sind umgehend zu löschen. (lek)

Eine beliebte Masche sei, sich als Helfer auszugeben, nach einem Einkaufszettel und Geld zu fragen, um damit abzuhauen, bestätigt die Kantonspolizei Zürich in einem Communiqué den aktuellen Trend.

Fälle wie diese sind auch in der Ostschweiz bekannt. In der Gemeinde Jonschwil kontaktierten etwa Unbekannte diverse Senioren über das Telefon und gaben an, sie seien von der Hilfsorganisation Helfende Hand. Das sei jedoch falsch. Stefan Frei, Gemeindepräsident, sagt: «Die Freiwilligenorganisation Helfende Hand hat uns versichert, dass sie keine solchen telefonischen Kontakte durchführen. Demzufolge vermuten wir, dass sich die Betrüger als Vertreter der Helfenden Hand ausgeben.»

Stefan Frei, Gemeindepräsident von Jonschwil.

Stefan Frei, Gemeindepräsident von Jonschwil.

Bild: pd

Die angeblichen Freiwilligen versuchen dadurch, mit den Senioren in Kontakt zu treten. Wie die mutmasslichen Betrüger dann weiter vorgingen, sei allerdings unklar.

In einem Fall ging es gut

Auch bei der Kantonspolizei St.Gallen warnt man vor solchen Maschen. «Es ist leider so, dass Krisen immer wieder ausgenutzt werden», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. «Die Coronakrise wird daher auch ein Feld für Kriminelle aufmachen.» Er rät daher, immer eine gewisse Portion Misstrauen gegenüber angeblichen Helfern zu haben.

«Man sollte vorsichtig sein und fragen, von welcher Organisation die vermeintlichen Helfer kommen.»

So gebe es die Möglichkeit, bei den Organisationen anzurufen und sich die Person als Helfer bestätigen zu lassen.

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher Kantonspolizei St.Gallen.

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher Kantonspolizei St.Gallen.

Bild. pd

«Wir wissen aber von einem Fall, in dem der Vertrauensvorschuss gutging», sagt Krüsi. «Dort hat ein Rentner einer ihm unbekannten Person das ganze Portemonnaie überlassen. Diese ist dann tatsächlich einkaufen gegangen und hat im Anschluss alles wieder zurückgebracht.»

Rund 100 Anrufe pro Tag

Das Vermitteln der Nachbarschaftshilfe der Region Wil ust durch den Zivilschutz organisiert. Dieser hat derzeit alle Hände voll zu tun. Viele wollen helfen und immer mehr würden diese Hilfe auch in Anspruch nehmen. So bearbeiten die Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe rund 60 bis 100 eingehende Anrufe pro Tag, «ausgehende nicht mitgezählt», sagt Thomas Widmer, Kommandant des Zivilschutzes. Um Betrug zu minimieren, werden die Helfer geprüft. «Ausserdem informieren wir die Hilfesuchenden im Voraus darüber, wer zu ihnen kommt», sagt Widmer. Das sei zwar ein Aufwand, den man allerdings gerne auf sich nehme.

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