Der «Brief vom Himmel» ist selbst Abtreibungsgegnern zu drastisch

Sie würden im Unterricht nicht mit «Schreckensbildern» arbeiten, sagen Vertreter von Schweizer Lebensschutzorganisationen. Sie haben ihre eigenen Vorstellungen davon, wie Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht über Abtreibungen sprechen sollten.

Katharina Brenner
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Im Unterricht sollte Religiöses von Biologischem getrennt werden, findet Dominik Müggler von der «Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind». (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Im Unterricht sollte Religiöses von Biologischem getrennt werden, findet Dominik Müggler von der «Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind». (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Wer sich bei Schweizer Lebensschutzorganisationen umhört, erfährt: Den «Brief vom Himmel», in dem ein fiktiver Fötus seiner Mutter von seinem grausamen Tod berichtet, kennen sie nicht. Auch nicht das Blatt mit den Vergleichen zum Naziregime, das eine Lehrerin an der Oberstufe Blumenau zum Thema Abtreibung verwendet hat.

Samuel Nufer, Leiter Pro Life Ostschweiz, sagt: Würde der Verein Unterrichtsmaterialien planen, wäre der Ansatz ein positiver. «Wir würden keine Schreckensbilder verbreiten, sondern zum Beispiel über das Leben berichten, das ein junger Mann führt, weil er nicht abgetrieben wurde.» Pro Life bietet Krankenkassenlösungen an, die auf Abtreibungen verzichten. In der Ostschweiz zählt der Verein 10000 Mitglieder, schweizweit 60000.

Ein umstrittenes Lehrmittel für Sexualkunde

Bei Ralph Toscan von der Stiftung Zukunft CH tönt es ähnlich: «Wir arbeiten generell nicht mit Schreckensbildern, auch wenn diese der Wahrheit entsprechen können.» Die Stiftung ziehe eine «wissenschaftliche und möglichst empathische» Kommunikation vor. Die christkonservative Organisation engagiert sich beim «Marsch fürs Läbe» gegen Abtreibungen. Und sie bietet ein Lehrmittel für Sexualkunde für 10- bis 13-Jährige an. Der Dachverband Sexuelle Gesundheit Schweiz zeigte sich besorgt: Das Lehrmittel widerspreche der «menschenrechtsbasierten Sexualaufklärung», zitierte der «Tagesanzeiger» im Herbst. Wie viele Ostschweizer Schulen das Lehrmittel bestellt haben, weiss Toscan nicht.

Dominik Müggler, Präsident der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind, sagt:

«Wenn man Abtreibung im Unterricht thematisiert, soll man nicht verschweigen, was Abtreibung in Wirklichkeit ist: Sie tötet immer ein ungeborenes Kind, sie ist blutig und grausam.»

Wenn die Schüler dafür zu jung sind, solle man noch zuwarten. Es sei ganz wichtig, dass die Lehrperson diesen Unterricht mit der Schulleitung abspricht; Religiöses und Biologisches trennt Müggler klar. Als Absolvent der Uni St.Gallen gründete er vor 20 Jahren die Stiftung. Sie geriet unter anderem für ihre Anti-Abtreibungskampagne auf Instagram in die Kritik.

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