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ABSTIMMUNG: Jufa-Hotel soll den Aufschwung bringen

Die österreichische Hotelkette Jufa und der Investor ITW aus Liechtenstein wollen in Wildhaus ein Erlebnishotel für 21 Millionen Franken bauen. Am Sonntag stimmt Wildhaus-Alt St. Johann über einen Investitionsbeitrag von sieben Millionen Franken ab.
Christoph Zweili
So soll die Südseite des geplanten Jufa-Hotels in Wildhaus aussehen. (Bild: Visualisierung: Jufa)

So soll die Südseite des geplanten Jufa-Hotels in Wildhaus aussehen. (Bild: Visualisierung: Jufa)

Christoph Zweili

christoph.zweili@tagblatt.ch

Die Wintersaison in Wildhaus brachte mehr Skigäste. Doch das Toggenburg, von vielen Besuchern aus urbanen Regionen noch als ein Stück heile Welt wahrgenommen, hat zu kämpfen. Die Logiernächte sind hier in den letzten zehn Jahren eingebrochen, die Hotelbetten blieben 2017 an vier von fünf Tagen kalt. Die Skifahrer sind mittlerweile weg und es ist wieder Ruhe eingekehrt im Tal. Diese ist allerdings nur vordergründig: Hinter den Kulissen läuft eine hitzige Debatte um das Jufa-Familienhotel, ein 21-Millionen-Projekt. Morgen Sonntag stimmt die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann über einen Gemeindeanteil von 7 Millionen Franken und eine Parzelle mit einer Grösse von 6700 Qua-dratmetern im Dorfteil Lisighaus ab, die sie im Baurecht für 60 Jahre abgeben will. Darüber hinaus soll der Kanton St. Gallen ein zinsloses Darlehen von 2,5 Millionen Franken gewähren.

Das Hotel soll dem Obertoggenburg zum Aufschwung verhelfen, das stärker vom Sommer- als vom Wintertourismus lebt. «Es könnte bis zu 30000 zusätzliche Logiernächte bringen», schätzt Gemeindepräsident Rolf Züllig. Und damit einen wichtigen Impuls in der höchstgelegenen und flächenmässig drittgrössten Gemeinde im Kanton St. Gallen schaffen, ausgerichtet auf Landwirtschaft, Tourismus und das örtliche Gewerbe. «Der moderne Übernachtungsgast braucht heute ein Erlebnis, damit er im Tal bleibt», sagt Züllig. Er und der Kanton St. Gallen setzen sich seit zwei Jahren für die Idee eines Jufa-Hotels ein. «Ein Ja der Stimmbürger am Sonntag wäre daher Anerkennung und Bekenntnis, dass die Gemeinde wirtschaftliche Impulse auslösen soll», sagt Züllig. «Durch unsere Struktur sind unsere Möglichkeiten begrenzt. Touristische oder kulturelle Projekte liegen da auf der Hand.» Ihm sei auch nicht bange vor der Verzinsung der Bankschulden und der Amortisationslast – über die nächsten 20 Jahre wird der Gemeindehaushalt mit etwas über 300000 Franken belastet: «Die ausgelöste Wertschöpfung, die zusätzlichen Steuererträge und die Gebühren machen das Investment der Gemeinde mehr als wett.»

Erstes Hotelprojekt, das vom Kanton unterstützt wird

Der Kanton St. Gallen hat bis heute noch nie Mittel aus der Neuen Regionalpolitik oder Impulsgelder für Hotelprojekte eingesetzt. «Im konkreten Fall ist dies aber sinnvoll, da es um das Erreichen von übergeordneten Zielen geht, die im Masterplan für die Weiterentwicklung des Tourismus im Toggenburg aufgeführt sind», sagt Regierungsrat Bruno Damann. Gleichzeitig dürften mit dem ­Jufa-Hotel «weitere Leistungsträger über indirekte Effekte von zusätzlicher Wertschöpfung profitieren».

70 Zimmer, 200 Betten und ein Restaurant sind geplant im Betrieb, den die österreichische Jufa-Hotelkette führen soll. Dazu kommen Teile mit Wellness, Bowlingbahn und Mehrzweckhalle, die auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können. Als Gegenleistung verlangt der Investor ITW aus Liechtenstein den Gemeindeanteil von 7 Millionen Franken. CEO Martin Meyer versteht das als Abgeltung für die Erlebnis-Infrastruktur, die die private Immobilienfirma der öffentlichen Hand zur Verfügung stellt.

Dass die Gemeinde selber so tief in die Tasche greifen soll, wird in Wildhaus-Alt St. Johann hart kritisiert. An den öffentlichen Informationsveranstaltungen gab es zwar viel Zustimmung für die ­Jufa-Idee. In den letzten Wochen aber war vor allem der Gemeindeanteil in den sozialen Medien und in Leserbriefen ein umstrittenes Thema. Die Rede ist vom «Ausverkauf der Heimat», eine Anspielung auf die österreichische Jufa-Hotelkette und die Finanzierung durch die ITW-Gruppe.

In Hotelierkreisen wird teilweise nicht verstanden, warum die «ohnehin unterbesetzten Hotels mit einem subventionierten Projekt konkurrenziert» werden sollen. Dritte stellen die regionale Wertschöpfung in Frage: Im neuen Hotel werde kein einheimisches Personal arbeiten. Da und dort wird auch eine Redimensionierung des Projekts verlangt, doch das kommt für ITW-CEO Martin Meyer «vor dem Hintergrund der angestrebten Positionierung im internationalen Wettbewerb nicht in Frage».

Auf der andern Seite werden im Tal die Parolen der örtlichen Parteien teilweise nicht verstanden. Die SVP und FDP haben sich gegen die öffentliche Mitfinanzierung ausgesprochen. Aus FDP-Kreisen wird allerdings moniert, dass der Parteivorstand die Mitglieder nicht zum Jufa-Hotel angehört habe. Die CVP hat keine öffentliche Empfehlung abgegeben. Nur die SP ist klar dafür.

«Das Toggenburg positioniert sich primär als Naherholungsgebiet und hat bei den Übernachtungen ein limitiertes Potenzial», sagt der St. Galler Tourismusprofessor Christian Laesser. Das ­Jufa-Millionen-Vorhaben – «mit 70 Zimmern und Wellnessbereich ein günstiges Projekt» – habe zwar ein gewisses Potenzial: «Diese regionale Wertschöpfung würde ich aber nicht überschätzen, gerade auch mit Blick auf die Arbeitsplatzqualität.» Dass es damit gelänge, ein ganzes Tal aus seiner Strukturschwäche zu holen, sei fraglich.

Dass sich die Gemeinde aber mit Steuergeldern am privaten Projekt beteilige, hält Laesser «für rational nachvollziehbar». Er verweist auf ähnliche Finanzierungen bei Jugendherberge-Projekten in Saas-Fee oder Laax. In Wildhaus-Alt St. Johann müsse der Stimmbürger nun abwägen, ob ihm die öffentlich zugängliche Infrastruktur die 7 Millionen Franken wert sei oder nicht. «Moralisch nicht zu vertreten wäre, wenn das Hotel später mit der öffentlichen Unterstützung einen Riesengewinn machen würde.»

Letzte noch Jufa-freie Zone im deutschsprachigen Markt

HSG-Professor Christian Laesser wäre beim Wildhauser Projekt noch skeptischer, wenn nicht eine Hotelkette wie die Jufa dahinterstünde: «Die wissen, wie man sich im Business der Familienferien bewegt und sie wissen auch, dass das Toggenburg bei ihren Gästen wohl nicht zuoberst auf der Bookingliste stehen wird.» In der heutigen Zeit werde es immer schwieriger, ein Geschäftsmodell ausserhalb der grossen Zentren zu finanzieren.

Die Schweiz sei im deutschsprachigen Ferienmarkt die letzte noch «Jufa-freie Zone». So hat sie Jufa-Geschäftsführer Gerhard Wendl vor Wochen bezeichnet. Er legt seine Absichten klar offen: «Wir wollen mit dem Markteintritt in die Schweiz unsere Bekanntheit weiter stärken. In den letzten 25 Jahren haben wir uns zu einer Marke mit 57 Hotels in Österreich, Deutschland, Ungarn und zuletzt Liechtenstein entwickelt. Aktuell verzeichnen wir rund 1,4 Millionen Logiernächte pro Jahr und beschäftigen 1300 Mitarbeiter.»

Die Investorin ITW und die Betreiberin Jufa sagen klar: «Bei einem Nein zum Gemeindebeitrag am Sonntag ist das Projekt in Wildhaus vom Tisch.» Dann werde man sich nach einem anderen Standort in der Ostschweiz umsehen. Bereits bekannt ist, dass auch die Region Graubünden mit dem Jufa-Projekt liebäugelt, wie aus Medienberichten in den letzten Wochen hervorgeht.

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