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ABSPRUNG: Bregenz lässt die Partner im Stich

Die Landesausstellung in der Ostschweiz ist gescheitert. Nun wackelt auch das Projekt «Kulturhauptstadt 2024» im grenznahen Vorarlberg. Die Landeshauptstadt ist der Meinung, sie habe solches nicht nötig.
Silvan Lüchinger
Wahrzeichen der vier Vorarlberger Städte im Rheintal: Das Kunsthaus in Bregenz, das Lugerhaus in Dornbirn, Schloss Hohenems und die Feldkircher Schattenburg (im Uhrzeigersinn). Inzwischen ist Bregenz aus dem Projekt «Kulturhauptstadt 2024» ausgestiegen. Bilder: Keystone, Imago, Getty

Wahrzeichen der vier Vorarlberger Städte im Rheintal: Das Kunsthaus in Bregenz, das Lugerhaus in Dornbirn, Schloss Hohenems und die Feldkircher Schattenburg (im Uhrzeigersinn). Inzwischen ist Bregenz aus dem Projekt «Kulturhauptstadt 2024» ausgestiegen. Bilder: Keystone, Imago, Getty

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger

@tagblatt.ch

60 Prozent Nein im Kanton St. Gallen, 53 Prozent Nein im Thurgau. Im Sommer 2016 versenken die Ostschweizer Kantone eine Landesausstellung in ihrem Gebiet. Im benachbarten Vorarlberg reibt man sich ob so viel Zagemut die Augen. Gleichzeitig erhält ein eigenes Projekt Auftrieb. 2024 wird Österreich eine von zwei europäischen Kulturhauptstädten stellen. Begeisterungsfähige Köpfe sind sich ­einig: Sie soll im Ländle liegen – und so daher kommen wie noch keine Kulturhauptstadt bisher.

Bregenz, Dornbirn, Hohen- ems und Feldkirch wollen als ­Region an der Ausscheidung teilnehmen. Fünfter im Bund ist der Bregenzerwald. Als ländliches Gegengewicht zu den vier Städten im Vorarlberger Rheintal. Sie bilden – zusammen mit ihrem Umland – den viertgrössten Ballungsraum Österreichs. Ernsthaftester Konkurrent dürfte St. Pölten sein, die Hauptstadt des Bundeslandes Niederösterreich.

Deutsche und Schweizer Nachbarn einbeziehen

An Anfangsschwung fehlt es nicht. Im Juli 2016 bekennen sich die vier Stadtparlamente an einer gemeinsamen Sitzung zur Bewerbung. Mit Feuer und Flamme ­dabei ist auch Markus Linhart, Bürgermeister der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz. «Letztlich wird die Kulturlandschaft der gesamten Region und des ganzen Landes von dieser ­Bewerbung profitieren», zeigt er sich euphorisch. Andrea Kaufmann, Bürgermeisterin der grössten Vorarlberger Stadt Dornbirn und ebenfalls Mitglied der ÖVP, richtet den Blick über die Landesgrenzen hinaus. Sie ­erkennt im Projekt Kulturhauptstadt gar die Chance, unter Einbezug der deutschen und Schweizer Nachbarn eine grenzüberschreitende Modellregion für Europa zu schaffen. Politiker, ­Experten, Kulturschaffende, Bürgerinnen und Bürger machen sich an die Arbeit; in einer Vielzahl von Gremien und Workshops entwickeln sie Ideen und Visionen für die Kulturhauptstadt 2024, das Vorarlberger Rheintal. Über allem schwebt die Erwartung, dass sich zu gegebener Zeit auch das Land Vorarlberg mit substanziellen Finanzzusagen hinter die Kandidatur stellen wird.

Die anderen Städte reagieren pikiert

Der definitive Entscheid über eine Kandidatur wird im Juni fallen. Ob die Vorarlberger tatsächlich ins Rennen steigen, ist fraglich. Kurz vor Weihnachten hat sich Bregenz aus der Phalanx der Bewerberstädte verabschiedet. Der bisherige Prozess habe zwar grosses Potenzial für die Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden aufgezeigt, sagte Markus Linhart im Bregenzer Stadtparlament. Aber letztlich sei der Funke eben doch nicht übergesprungen, die Begeisterung auch in der Bevölkerung verhalten geblieben. Die Stadtvertretung, wie das kommunale Parlament offiziell heisst, folgte dem Bürgermeister ohne grosse Diskussion.

Die fehlende Grundwelle für das Projekt Kulturhauptstadt 2024 mag mit ein Grund sein für den Bregenzer Rückzug. Der alleinige ist es kaum. Nicht umsonst betont Linhart, im Grunde sei Bregenz mit den Festspielen, dem Kunsthaus und weiteren Einrichtungen bereits Kulturhauptstadt und müsse sich nicht neu erfinden. Diese Abgrenzung ist insbesondere auf Dornbirn gemünzt, das zwar grösser und wirtschaftsstärker ist als Bregenz, aber nicht den Nimbus der Landeshauptstadt und auch nicht die bevorzugte Lage am See hat. Kommentatoren vermuten, dass sich hinter den Kulissen ein Zweikampf um die «Bannerstadt» abgespielt hat – um jene Stadt, die der Kulturhauptstadt schliesslich den Namen gibt. Bregenz, so die Vermutung, verstand sich als gesetzt und wollte vermeiden, hier den Kürzeren zu ziehen.

Dornbirn, Hohenems und Feldkirch haben auf den Bregenzer Rückzug pikiert reagiert, wollen aber weitermachen. Ebenso bleibt der Bregenzerwald dabei. Ende Jahr hat deshalb das ­Projektbüro «Kulturperspektiven 2024» von Bregenz ins Dornbirner Rathaus gezügelt. Dieser Tage hat Projektleiterin Bettina Steindl alle Interessierten aufgerufen, sogenannte Startprojekte zum Stichwort «Grenze(n)» einzureichen.

Dass die Vorarlberger gegen St. Pölten eine Chance haben werden, ist zu bezweifeln. Die Niederösterreicher verfügen über ein Bewerbungsbudget in Millionenhöhe. In Vorarlberg gibt es hingegen wenig Anzeichen, dass sich das Land in dieser Frage ­engagieren will. Europas Kulturhauptstadt 2024 dürfte nicht am Rhein liegen.

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