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Abschied eines Ausnahmejuristen

Ende Monat hält Ulrich Cavelti an der Universität St. Gallen seine Abschiedsvorlesung. Der langjährige Präsident des St. Galler Verwaltungsgerichts gilt schweizweit als erste Adresse für Fragen des Finanz- und Steuerrechts.
Richard Clavadetscher
Ulrich Cavelti zu Hause im Garten neben einer Skulptur des St. Gallers Hans Thomann. (Bild: Coralie Wenger)

Ulrich Cavelti zu Hause im Garten neben einer Skulptur des St. Gallers Hans Thomann. (Bild: Coralie Wenger)

ST. GALLEN. Auf das, was er im Laufe seines Berufslebens geleistet hat, dürfte er sich schon etwas einbilden – doch nichts liegt ihm ferner: Ulrich Cavelti ist von unkomplizierter Herzlichkeit; es ist einfach, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Sein immer wieder aufblitzender Humor macht die Begegnung kurzweilig.

Bis zu seiner Pensionierung Ende vergangenes Jahr war Ulrich Cavelti während 21 Jahren Präsident des St. Galler Verwaltungsgerichts, zudem nebenamtlicher Bundesrichter. Darüber hinaus berät er die Finanzdirektorenkonferenz seit vielen Jahren in finanz- und steuerrechtlichen Fragen; er tut dies auch noch über die Pensionierung hinaus. Seit 2005 lehrt er zudem öffentliches Recht an der Universität St. Gallen. Der 30. April, das Datum seiner Abschiedsvorlesung («Steuerföderalismus im interkantonalen und internationalen Focus»), ist weit über die Universität hinaus vorgemerkt.

«Ein brillanter Jurist und ein unabhängiger Geist» sei Cavelti, ist aus all diesen Institutionen zu hören. Neben seiner überragenden Intelligenz und seiner raschen Auffassungsgabe zeichne ihn eine «enorme Sachkompetenz und effiziente Arbeitsweise» aus. Der St. Galler Regierungspräsident Martin Gehrer, ein persönlicher Freund, sagt, man könne sich glücklich schätzen, einen Mann wie Cavelti in der Ostschweiz, in St. Gallen, zu haben.

Der so Gelobte wiegelt ab. Er sei da einfach «hineingewachsen» über all die Jahre.

Wurzeln im Bündnerland

Ulrich Cavelti bezeichnet sich selber lachend als «heruntergekommener Bündner», was cum grano salis zu verstehen ist. Denn zwar ist Caveltis Bürgerort das bündnerische Sagogn, allerdings kam nicht er selber, sondern bereits sein Urgrossvater «herunter». So ist Urenkel Ulrich als zweites von sechs Kindern in Gossau geboren, wo der Vater die bis heute existierende Buchdruckerei betrieb und den «Fürstenländer» herausgab.

Aufgewachsen ist der lebhafte Bub im dortigen katholischen Milieu. Eine Leseratte sei er – schon damals – gewesen, sagt Cavelti über sich. Er habe von seinem Taschengeld fast ausnahmslos Bücher gekauft. Vor allem Historisches habe ihn interessiert. Die Liebe zum Buch ist über all die Jahre geblieben. Besucher berichten ehrfürchtig von der «imposanten Bibliothek» im Haus Cavelti.

Ausgezeichneter Schüler, der er war, besuchte Ulrich erst das Gymnasium Friedberg. Nachhaltig geprägt hat den Heranwachsenden allerdings der an den Friedberg anschliessende Besuch des Kollegiums Engelberg. Den dortigen Lehrern, ausser im Turnen damals alles Patres, ist er bis heute dankbar: Ihnen sei es gelungen, in ihm das Interesse für Philosophie und Geschichte zu wecken. Dass er Jahre später, nach dem Rechtsstudium an der Universität Freiburg, mit einem rechtsphilosophischen Thema dissertierte, sei massgeblich auf den Einfluss der Engelberger Patres zurückzuführen.

Gymnasium Friedberg, Kollegium Engelberg, Universität Freiburg – es ist dies der typische Werdegang eines intelligenten Katholiken aus dem Fürstenland. Wie hat es Ulrich Cavelti denn mit dem Katholizismus? Er sei sehr wohl katholisch, sagt Cavelti, er schätze die Geborgenheit, welche die Kirche vermittle, darüber hinaus auch die katholische Soziallehre. Zu Rom sei er allerdings «in kritischer Distanz».

Der junge Ulrich Cavelti brauchte nie einen Berufsberater. Er wusste «schon immer», dass er Recht studieren wollte. «Sehen, wie Recht wirkt», sei ihm Antrieb gewesen. Dass er dann allerdings gerade «bei den Finanzen landete», war eher Zufall: Als junger Jurist hätte Cavelti in eine angesehene Kanzlei eintreten können. Er zögerte, war sich nicht sicher, «ob dies für mich das Richtige ist». Stattdessen entschied er sich, die Stelle als Leiter des Rechtsdienstes und bald schon als Departementssekretär (heute: Generalsekretär) im Finanzdepartement des Kantons St. Gallen anzunehmen.

«Ein loyaler Mensch»

«Es war ein Sprung ins kalte Wasser», erinnert er sich. Einmal freigeschwommen und im Hinblick auf sein späteres Amt als Präsident des Verwaltungsgerichts arbeitete Ulrich Cavelti an einem idealen Ort: Weil Regierungsgeschäfte am Ende immer auch einen finanziellen Aspekt haben, gingen alle Dossiers auch über seinen Schreibtisch – kaum ein besserer Ort vorstellbar, um Einblick in die Regierungs- und Verwaltungstätigkeit zu bekommen.

Ulrich Cavelti sei ein loyaler Mensch, sagen jene, die durch die Jahre mit ihm zu tun hatten. Allerdings wollen sie das richtig verstanden wissen: «Es ist eine kritische Loyalität.» Darauf angesprochen, sagt Cavelti, dies sei ihm in der Tat stets wichtig gewesen, wenn sein juristischer Rat gefragt gewesen sei. «Ich bestand immer auf einem unabhängigen Mandat.» So habe er zum Beispiel als juristischer Berater der Finanzdirektorenkonferenz stets seine persönliche Meinung vertreten – «und nicht einfach jene der Finanzdirektoren juristisch unterfüttert».

Per Ende Jahr ist Ulrich Cavelti als Verwaltungsgerichtspräsident in den Ruhestand getreten; Ende Monat hält er seine Abschiedsvorlesung an der Universität. Auch wenn er die Finanzdirektoren weiterhin berät, bisher fast übliche sehr lange Arbeitstage wird es nun nicht mehr häufig geben. Es bleibt mehr Zeit für Musse – auch für den gelegentlichen Morgenspaziergang mit Gattin Susanna, die als Jugendanwältin ebenfalls vor der Pensionierung steht.

Ganz Abstand nehmen von seinem Beruf, der ihm auch Berufung war, kann Ulrich Cavelti indes auch im Ruhestand nicht: Er habe da «so eine Idee für eine Publikation», sagt er schmunzelnd, «etwas Rechtsphilosophisches, das den Bogen zu den Steuern spannt».

So ganz lässt die Katze das Mausen eben nicht.

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