Abraxas – und kein Schritt weiter

Wie geht es mit dem Informatikunternehmen Abraxas weiter? Seit Herbst 2008 ist der Kanton St. Gallen auf der Suche nach einem Partner, der den bisherigen Mitbesitzer Kanton Zürich ersetzen soll. Ein Vorstoss der SP verlangt nun Auskunft.

Andreas Kneubühler
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ST. GALLEN. Ist die Suche nach einem Partner, der bei Abraxas einsteigt, viel schwieriger als erwartet? Man kann es nur vermuteten, denn Informationen gibt es dazu nicht. Im September 2008 hatte der Kanton Zürich seinen baldigen Ausstieg aus dem Informatikunternehmen bekanntgegeben. Die Abraxas AG war 1999 aus der Zusammenlegung der beiden Informatikämter der Kantone St. Gallen und Zürich entstanden, die sich seither den Aktienbesitz zu je 50 Prozent teilen.

Grund für den Ausstieg war ein Strategiewechsel in Zürich: Der Kanton wollte Informatikaufträge weiterhin im freien Wettbewerb vergeben können.

Wunschpartner: Bedag in Bern

Die St. Galler Regierung setzt hingegen auf eine Eigentümerstrategie, die für einige Ämter in Ausnahmefällen sogar freihändige Aufträge an Abraxas möglich macht.

Weiter plante die Regierung eine Zusammenarbeit mit der Bedag, einem mit Abraxas vergleichbaren Unternehmen, das dem Kanton Bern gehört. Vorgesehen war die Gründung einer Tochterfirma von Abraxas und Bedag, an die die Kantone vermehrt direkt Aufträge vergeben sollten. Hierbei wollte Zürich aber nicht mitmachen. Als neuer Wunschpartner für Abraxas galten nun aus Sicht der St. Galler Regierung der Kanton Bern und die Bedag. Dies war der Stand im September 2008.

«Kein zeitlicher Druck»

Danach wurde nicht mehr informiert. Im Herbst 2009 musste deshalb die Regierung einen Vorstoss aus dem Kantonsrat zur Zukunft von Abraxas beantworten. Die Auskunft lautete gleich wie im September 2008: Es gebe Gespräche mit anderen Kantonen, im Vordergrund stehe eine Zusammenarbeit mit der Bedag. Nachdem dann aber der Kanton Zürich über die Medien verlauten liess, er sei auf der Suche nach einem Käufer für seinen Anteil, wurde Besorgnis laut. Finanzchef Martin Gehrer beeilte sich, im Parlament die Wogen zu glätten.

Man stehe nicht unter zeitlichem Druck, Zürich warte, was die Gespräche mit der Bedag ergäben.

SP mit neuem Vorstoss

Seither herrscht wieder Schweigen im Walde. Die fehlenden Auskünfte provozierten erneut einen Vorstoss aus dem Kantonsrat. Die beiden SP-Kantonsräte Barbara Gysi und Peter Hartmann wollen wissen, welche Varianten bei der Suche nach neuen Partnern überhaupt noch zur Diskussion stünden.

Anscheinend hätten die Gespräche mit anderen Kantonen keine Ergebnisse gebracht, heisst es im Vorstoss.

Diese Aussage lässt sich zumindest für die angekündigte Zusammenarbeit mit dem Kanton Bern und der Bedag bestätigen. Das Kooperationsprojekt einer gemeinsamen Tochterfirma sei 2009 sistiert worden, erklärt Bedag-Sprecher Rudolf Steiner.

Die Bedag habe sich inzwischen anders orientiert und eine Informatikfirma gekauft, mit der sie nun den Markt für Unternehmen mit hohem Anteil an administrativen Aufgaben bearbeiten werde.