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ABHOLZUNG: Steinach zeigt Baumfäller an

In Steinach hat ein Anwohner eigenmächtig drei Bäume der Gemeinde fällen lassen. Seine Erklärung: Er habe zuvor mehrfach um das Zurückschneiden gebeten – vergeblich. Die Gemeinde verlangt jetzt Schadenersatz und erstattet Strafanzeige.
Marcel Elsener
Nach dem Kahlschlag: Baumstumpf auf dem Steinacher Quartierplatz, wo bis vor kurzem zwei Buchen und eine Eiche standen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Nach dem Kahlschlag: Baumstumpf auf dem Steinacher Quartierplatz, wo bis vor kurzem zwei Buchen und eine Eiche standen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Eine rabiate Baumfällung in der St. Galler Bodenseegemeinde Steinach hat in den vergangenen Tagen überregional Aufregung verursacht: Ein Anwohner hatte zwei Buchen und eine Eiche auf dem öffentlichen Kehrplatz vor seinem Grundstück im Quartier Böllentretter von einer Firma kurzerhand umlegen lassen. Dem empörten Teil des Publikums erklärte der Mann daraufhin in einem offenen Brief in unserer Zeitung sein widerrechtliches Vorgehen:Er habe die Gemeindeverwaltung mehrfach um das Zurückschneiden der Bäume gebeten, aber zuletzt nicht einmal mehr eine Antwort erhalten. Diese Erklärungen stiessen bei einem Teil des Publikums auf Verständnis: Der Anwohner – es handelt sich um den preisgekrönten Käser Norbert Eberle – erhielt gar Beifall, weil er sich gegen arrogante, ignorante oder «schlampende» Behörden gewehrt habe, wie es in Kommentaren hiess.

Dem Baumfäller droht doppelte Bestrafung
Die Behörden, am 18. März noch während der Fällaktion von Nachbarn informiert, konnten die Bäume nicht mehr retten. Von Anfang an zeigten sie «null Verständnis», wie Gemeindepräsident Roland Brändli (FDP) in einer ersten Reaktion sagte und eine Anzeige erwog. Diese wird nun Tatsache: Der Gemeinderat hat am Montag entschieden, Strafanzeige gegen den Auftraggeber und das Unternehmen, welches die Fällung vornahm, zu erstatten, wie er gestern Abend an der Bürgerversammlung mitteilte. Die strafrechtliche Beurteilung obliegt der Staatsanwaltschaft. Dazu will die Gemeinde den entstandenen Schaden beheben und die Kosten dem Verursacher übertragen. Der Rat habe die Aktion «vertieft diskutiert»; man bedauere «die Vorkommnisse und die öffentliche Auseinandersetzung in den Medien», wie es in der Mitteilung heisst. Die von Eberle erhobenen Vorwürfe gegen die Verwaltung könnten nicht bestätigt werden. Bei den drei Bäumen handle es sich um eine korrekte Bepflanzung aus dem Jahr 1982, die weder Personen, privates Eigentum noch Verkehr gefährdete und mit Grenzabständen von 7, 9 und 15 Metern zur Nachbarparzelle die gesetzlichen Vorgaben (6 Meter) jederzeit einhielt. Der Entscheid, vorläufig auf das Zurückschneiden zu verzichten, sei dem betroffenen Grundeigentümer mündlich mitgeteilt worden, heisst es weiter. Der Rat zeigt zwar Verständnis «für eine aufkommende Enttäuschung, wenn einem Anliegen nicht wie gewünscht entsprochen wird oder Verzögerungen bei der Bearbeitung entstehen». Jedoch stehe es Betroffenen in einem solchen Fall offen, die nächst höhere Instanz anzurufen – hier den Gemeinderat. «Ein solcher Einspruch ist bis heute nicht eingegangen.» Der Gemeinderat stimme mit der Bauverwaltung überein, «dass sich das Zurückschneiden der Bäume nicht rechtfertigte bzw. auch in rechtlicher Hinsicht nicht gefordert werden kann»; die Verwaltung habe die Situation korrekt beurteilt. Gemeindepräsident Brändli ist sich bewusst, dass Bäume ein «emotionales Thema» sind; dies habe sich in Steinach bei Nachbarkonflikten gezeigt. Eine ähnliche illegale Fällung habe es aber noch nie gegeben. Umso entschiedener müsse die Gemeinde dagegen vorgehen: «Was wäre das für ein Signal, wenn wir nichts tun würden?», sagt Brändli und verweist auf Anzeigen (gegen Unbekannt) bei Einbrüchen im Hafen. Den geforderten Schadenersatz kann er nicht beziffern, das hänge vom Durchmesser der Stämme ab und könne von einigen Tausend Franken bis «fast unbezahlbar» reichen.

«Nachbarschaft hätte das Problem innert Kürze lösen können»
«Die Bäume waren im Quartier sehr beliebt», schreibt der Gemeinderat. Tatsächlich schmückten sie ein Plätzchen, das auch für Quartierfeste genutzt wird. Unter den Anwohnern finden sich langjährig engagierte Steinacher wie der frühere CVP-Schulratspräsident Anton Betschart und der ehemalige SP-Gemeinderat Roland Heule. «Ich kenne keinen zweiten Nachbarn, den die Bäume störten», sagt Heule. «Wenn Eberle mit uns Nachbarn geredet hätte, hätte das Problem innert Kürze gelöst werden können.» So aber sei der Baumfäller «dem Quartier in den Rücken gefallen», ärgert sich Heule. Hingegen behauptet Eberle, dass er «nicht der Einzige» gewesen sei, «der mit der Gemeindeverwaltung wegen der zu hohen Bäume und der Untätigkeit im Herbst das Gespräch suchte».
Mit dem politischen Zwist im Dorf – der umstrittene Gemeindepräsident wurde bei der Wiederwahl bereits zweimal herausgefordert – hat die Fällung anscheinend nichts zu tun. Jedenfalls sei Eberle bislang nie öffentlich als Brändli-Kritiker aufgetreten, wissen informierte Steinacher.

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