Abgenutzter Karabiner schuld an Tod von Kletterer

ST.GALLEN. Im vergangenen September riss das Seil eines 37-Jährigen im Klettergarten Magletsch, Gemeinde Wartau. Nun ist klar: Ein abgenutzter Karabinerhaken durchtrennte das Seil des Mannes, der abstürzte und auf der Stelle tot war. Eine strafrechtliche Schuld trifft niemanden.

Daniel Walt
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Reisst das Seil, endet ein Sturz am Berg oft tödlich. (Bild: Archiv/Keystone)

Reisst das Seil, endet ein Sturz am Berg oft tödlich. (Bild: Archiv/Keystone)

Selbst Fachleute rätselten zunächst, weshalb am Samstag, 22. September 2012, ein erfahrener Bergführer im Klettergarten Magletsch in den Tod gestürzt war. Er befand sich an einer überhängenden Stelle, als sein Seil plötzlich riss. Der Bündner, der sich mit einem Kollegen allein auf dem Parcours befand, fiel rund 25 Meter in die Tiefe und war sofort tot. Später äusserten Bekannte des Verunfallten den Verdacht, ein scharfkantiger Karabiner habe das Seil des Mannes durchtrennt. Nun bestätigt die St.Galler Staatsanwaltschaft, dass tatsächlich ein abgenutzter Karabinerhaken an der Wand schuld am Tod des Mannes war.

In eigener Verantwortung genutzt
"Es war ein tragischer Unfall, ein Drittverschulden liegt nicht vor", erläutert Natalie Häusler, Medienbeauftragte der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. Der Klettergarten Magletsch wurde laut Häusler nie von jemandem beziehungsweise einer Institution betrieben, er ist auch in keinem offiziellen Kletterführer verzeichnet. "Über die Jahre brachten verschiedene Personen, welche dort kletterten, immer wieder Karabinerhaken an", hält sie fest. Jeder Kletterer konnte diese in eigener Verantwortung und auf eigene Gefahr benutzen. Vor diesem Hintergrund liegt kein Drittverschulden am Tod des 37-Jährigen vor.

Einkerbungen von Auge sichtbar
Wie ist es erklärbar, dass ein erfahrener Kletterer den Karabinerhaken vor dem Gebrauch nicht überprüft hat? Auf diese Frage hat auch die Staatsanwaltschaft keine Antwort. Klar ist so viel: "Am sichergestellten Karabiner sieht man die Einkerbungen von Auge", hält Natalie Häusler fest. Als sich der 37-Jährige beim Karabiner einhängte und sich vermutlich für einen Teststurz fallen liess, riss das Seil. Weil keine Hinweise auf eine strafbare Handlung oder ein Drittverschulden vorliegen, hat die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung gegen Unbekannt eingestellt. Dieser Entscheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Klettergarten bleibt offen
Laut dem Gemeindepräsidenten von Wartau, Beat Tinner, ist der Klettergarten Magletsch weiterhin benützbar. Die Gemeinde sei für die Kletterwand nicht verantwortlich, sagte Tinner der Nachrichtenagentur sda. Es handle sich um eine anspruchsvolle Kletterwand für Profis.

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