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Abgedeckte Warnlampen und defekte Hinterachsen: Die Doppelstock-Postautos im Toggenburg geben den Geist auf

Im Obertoggenburg sind 14 Jahre alte Doppelstock-Postautos mit technischen Mängeln unterwegs – ihre Ausmusterung wäre längst überfällig. Bis Ende 2019 sollen die letzten drei Fahrzeuge ersetzt werden.
Michael Genova
Walter Schwizer (rechts), Leiter von Postauto Ostschweiz, schreitet zum neuen Doppelstöcker aus Grossbritannien. Vor zwei Jahren wurden die Fahrzeuge in Engelburg präsentiert. (Bild: Gian Ehrenzeller/KY)

Walter Schwizer (rechts), Leiter von Postauto Ostschweiz, schreitet zum neuen Doppelstöcker aus Grossbritannien. Vor zwei Jahren wurden die Fahrzeuge in Engelburg präsentiert. (Bild: Gian Ehrenzeller/KY)

Eigentlich sollten sie längst nicht mehr fahren. Die drei alten Doppelstock-Postautos, die im Obertoggenburg zwischen Wattwil und Buchs verkehren. Und trotzdem sind sie noch immer im Einsatz. Für Fahrgäste ist das eine beunruhigende Nachricht. Denn in den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu massiven technischen Problemen, wie Recherchen dieser Zeitung zeigen.

Die 14 Jahre alten Doppelstöcker befinden sich gemäss mehreren Quellen in einem prekären Zustand: Warnlampen auf dem Armaturenbrett wurden mit Klebband abgedeckt, die Hinterachsen der Doppelstöcker verursachen sonderbare Geräusche, und an den Haltestellen verlieren die Busse Motorenöl.

Warnlampen spielten verrückt

Zum technischen Zustand der drei Doppelstock-Busse sagt Urs Bloch, Mediensprecher von Postauto Schweiz: «Aufgrund des fortgeschrittenen Alters dieser Fahrzeuge mussten einige Reparaturen im normalen Umfang durchgeführt werden.» Bloch äussert sich auch zu den konkreten Mängeln. In einem Fahrzeug habe die Warnlampe gebrannt, ohne dass ein technisches Problem vorgelegen habe.

«Damit das Fahrpersonal während der Fahrt nicht irritiert war, wurde diese Warnlampe bei einem Fahrzeug vorübergehend abgedeckt.»

Diese Massnahme habe «keinen sicherheitsrelevanten Einfluss» gehabt, sagt Bloch. Das Fahrzeug sei nachher zur Reparatur der Lampe ausser Betrieb genommen worden.

Mediensprecher Urs Bloch bestätigt zudem Probleme mit den Hinterachsen bei einem Postauto. Das Fahrpersonal habe die Hinterachsgeräusche erkannt und dem Verantwortlichen gemeldet.

«Daraufhin wurde das Fahrzeug zur Überprüfung in die Reparaturwerkstatt gebracht und seither nicht mehr eingesetzt.»

Und er ergänzt: Komme es zu Ölverlust, was auch bei anderen Fahrzeugen passieren könne, werde ein Fahrzeug ausser Betrieb genommen und repariert. Trotz technischer Probleme besteht gemäss Postauto Schweiz für Passagiere kein Grund zur Sorge. «Die Sicherheit der Fahrgäste ist bei Postauto ein wichtiges Anliegen», sagt Bloch. Sie sei auch in den Doppelstock-Postautos zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.

Wiederholte Probleme mit alten Doppelstöckern

Doch es ist nicht das erste Mal, dass die alten Doppelstöcker Schlagzeilen machen. Im Januar 2018 zitierte der «Werdenberger & Obertoggenburger» einen Fahrgast, der sich über ein «sehr unangenehmes Klappern, Vibrieren und Rumpeln» beklagte. Auch die Heizung in den Bussen funktioniere nicht zuverlässig. Der Passagier erwähnte zudem einen Vorfall auf der Strecke zwischen Wattwil und Grabs, als ein Doppelstöcker wegen Bremsproblemen ausgetauscht werden musste. Postauto Schweiz bestätigte damals den Sachverhalt, sprach aber von einem «kleinen Problem mit den Bremsen», weshalb man sicherheitshalber einen Fahrzeugwechsel durchgeführt habe.

In die Jahre gekommen: Noch immer sind drei Doppelstock-Postautos der früheren Generation im Toggenburg unterwegs. (Bild: Gian Ehrenzeller/KY)

In die Jahre gekommen: Noch immer sind drei Doppelstock-Postautos der früheren Generation im Toggenburg unterwegs. (Bild: Gian Ehrenzeller/KY)

Angesichts solcher Vorfälle stellt sich die Frage, warum das Unternehmen die alten Doppelstöcker nicht längst ausgemustert hat. Im Mai 2017 kündigte Postauto Schweiz die Erneuerung der bestehenden Flotte an. Mit 19 Fahrzeugen sei die Ostschweiz die «Doppelstock-Hochburg» des Unternehmens, hiess es damals. Die bisherigen Doppelstöcker seien in die Jahre gekommen und würden bis Ende 2018 schrittweise durch neue Fahrzeuge ersetzt. Als neue Lieferantin wählte Postauto die britische Firma Alexander Dennis – die alten Fahrzeuge kamen aus dem deutschen Hause Neoplan. Die ersten zwei neuen Doppelstöcker waren zunächst auf den Linien Engelburg–St. Gallen–Heiden unterwegs. Danach sollte auch das Obertoggenburg mit neuen Doppelstöckern versorgt werden. Doch bis heute sind dort keine neuen Fahrzeuge angekommen. Zur ursprünglich verbreiteten Ankündigung, die 19 alten Doppelstock-Postautos in der Ostschweiz bis Ende 2018 zu ersetzen, sagt Mediensprecher Bloch lediglich: «Diese Information war falsch und wurde zwischenzeitlich in den Medien auch bereits korrigiert.»

Bis Ende Jahr sollen neue Postautos im Einsatz sein

Die technischen Probleme kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. In den vergangenen Monaten war die Postauto-Region Ostschweiz durch Grossanlässe oder zusätzliche Aufträge besonders gefordert und war deshalb auf alle Fahrzeuge angewiesen. So fand Mitte August beispielsweise das Schwägalp-Schwinget statt. Ein Teil der über 13'000 Besucher reisten in Doppelstock-Postautos von Nesslau oder Urnäsch auf die Schwägalp. Dazu kommen weitere Sondereinsätze: Noch bis am 15. September sind die Doppelstöcker als Bahnersatzbusse auf der Strecke Wattwil-Nesslau im Einsatz. Laut Mediensprecher Bloch hatte dieser Auftrag keinen Einfluss auf den Fahrzeugersatz. «Um den Bahnersatz zu gewährleisten, wurden zusätzlich Gelenk-Postautos eingesetzt.»

Auf die Frage, wie viele Doppelstöcker wegen technischer Mängel bereits aus dem Verkehr gezogen wurden, gibt Urs Bloch keine Antwort. Die Doppelstock-Postautos hätten sehr hohe Kilometerzahlen und würden in den nächsten Monaten schrittweise ersetzt. «Die neuen Fahrzeuge sind bereits auf dem Weg in die Schweiz.» Das erste der neuen Doppelstockpostautos für das Toggenburg sei gestern in der Ostschweiz angekommen und durchlaufe nun die normale Inbetriebnahme, was einige Wochen in Anspruch nimmt. Ziel sei es, bis Ende 2019 die drei verbleibenden Doppelstock-Postautos zu ersetzen.

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