Abenteurer Piccard am Olma-Wirtschaftsforum

ST.GALLEN. Abenteuer, Vision, «fast ein politisches Programm» - so sieht Bertrand Piccard sein Solarflugzeug-Projekt «Solar-Impulse». Am Olma-Wirtschaftsforum sprach Piccard über Krisen und den Mut, zu neuen Horizonten aufzubrechen.

Drucken
Teilen
Betrand Piccard sprach am Olma-Wirtschaftsforum über den Mut, zu neuen Horizonten aufzubrechen. (Bild: Olma/Regina Kühne)

Betrand Piccard sprach am Olma-Wirtschaftsforum über den Mut, zu neuen Horizonten aufzubrechen. (Bild: Olma/Regina Kühne)

Ohne Treibstoff, nur mit Solarstrom, will der 50-jährige Lausanner Psychiater und Ballon-Pionier in einem ultraleichten Flugzeug rund um die Erde fliegen. Piccard sucht damit nicht einfach Nervenkitzel und Publicity, wie er am Mittwoch in St.Gallen erklärte.

Das Abenteuer ist für ihn eine Lebensphilosophie, «etwas, das uns über die Grenzen unseres gewohnten Denkens und Handelns hinaus stösst, das uns zwingt, unsere Sicherheiten zu verlassen». Im 21.Jahrhundert seien die Abenteuer humanitärer, politischer oder ökologicher Art.

Kampf gegen Gewohnheiten
Mit seinem Projekt «Solar-Impulse» will Piccard zeigen, dass eine Energie-Zukunft ohne fossile Brennstoffe möglich ist. Die Technik biete viele Lösungen. Gewohnheiten und trügerische Sicherheiten behinderten den Fortschritt. «Wollen wir bis zur Krise gehen?» fragte Piccard mit Blick auf die Klimabedrohung.

Der Referent forderte von den Politikern mehr Unterstützung und Visionen in Energie- und Klimafragen. So brauche es finanzielle Anreize für die Produktion sauberer Energie.

Waadtländer Krisenmanagement
Das Olma-Wirtschaftsforum stand unter dem Thema «Von der Krise zum Management des Wachstums». Im Olma-Gastkanton Waadt haben Behörden und Politiker seit den 1990-er Jahren Erfahrung im Umgang mit Krisen, etwa rund um die Kantonalbank, wie Staatssekretär Vincent Grandjean berichtete.

Staatsrat und Volkswirstchaftsdirektor Jean-Claude Mermoud zeigte auf, wie der Kanton nach der Jahrtausendwende politisch, finanziell und wirtschaftlich aus der Krise herausfand. Der Schuldenberg wurde deutlich abgebaut und zahlreiche neue Unternehmen im Kanton angesiedelt.

Der Lausanner Universitätsprofessor und Umweltspezialist Dominique Bourg skizzierte eine Klima- und Energiesteuer nach dem Vorbild der französischen Fondation Nicolas Hulot. Das Umdenken funktioniere nur über das Portemonnaie. Neue Technologie allein löse die Energie- und Umweltprobleme nicht.

Ökologie als Marktchance
Bourgs St.Galler Kollege Rolf Wüstenhagen vom HSG-Institut für Wirtschaft und Ökologie beleuchtete die Marktchancen, die in der erneuerbaren Energie liegen, etwa in der Produktion von Solarzellen oder Windgeneratoren. Das Beispiel Deutschland zeige, dass sich Preisanreize bei der Ökostrom-Produktion lohnten.

Der HSG-Professor spannte einen Bogen von der Energie- zur aktuellen Finanzkrise: Mit den Milliardenverlusten der Bank UBS liessen sich ein Jahr lang 13 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs durch umweltfreundlichen Solarstrom decken, hat Wüstenhagen errechnet. (sda)

Aktuelle Nachrichten