Abbruchprämien für Altbauten

ST.GALLEN. In Niederhelfenschwil wird künftig der Abbruch von leerstehenden Gebäuden mit Prämien bis zu 20'000 Franken unterstützt. Die Gemeinde könnte eine Vorreiterrolle spielen: St.Margrethen will die Abrissprämie kopieren.

Andreas Kneubühler
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Die alte Weberei in Zuckenriet gehört zu jenen Häusern, die aufgrund der Prämie abgerissen werden. (Bild: Reto Martin)

Die alte Weberei in Zuckenriet gehört zu jenen Häusern, die aufgrund der Prämie abgerissen werden. (Bild: Reto Martin)

Man kennt sie beispielsweise aus Deutschland: Abwrackprämien, die fällig werden, wenn man sein altes Auto verschrotten lässt und dafür ein neues kauft, das weniger CO2-Emissionen verursacht. Eher ungewohnt ist, dass auch Abwrackprämien für Gebäude gezahlt werden. Lanciert wurde diese Variante in der Gemeinde Niederhelfenschwil. Vergangene Woche stimmte die Bürgerversammlung dem Budget und damit auch der Abrissprämie ohne Diskussionen zu. 150 000 Franken werden dafür aus den Grundstückgewinnsteuern abgezweigt.

Dampf machen bei Altlasten

Konkret übernimmt die Gemeinde in den kommenden fünf Jahren die Hälfte oder höchstens 20 000 Franken der Kosten für den Abbruch eines alten Gebäudes auf dem Gemeindegebiet. Die Massnahme zielt auf unbewohnte Häuser, nicht mehr benutzte Scheunen oder leerstehende Garagen, die auf Bauland stehen, das besser genutzt werden könnte. Mindestens 16 solcher Objekte hat der Gemeinderat gezählt.

Es gibt bereits erste Kandidaten für die Prämie: Eines der Abbruchhäuser ist bereits weg, momentan laufen die Arbeiten am Aushub für einen Neubau. Als nächstes werde das Gebäude einer ehemaligen Weberei im Ortsteil Zuckenriet abgerissen, weiss Gemeindepräsident Lucas Keel.

Bestehende Flächen nutzen

Um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat der Gemeinderat in fünf Fällen vorgerechnet, dass die Ausgaben für die Abrissprämie finanzielle Vorteile bringt.

Das beginne bei höheren Anschlussbeiträgen an die Infrastruktur, die nach dem Wert des Gebäudes berechnet werden, erklärt Keel. Weiter erhofft man sich höhere Steuererträge.

Die Massnahme ergänze aber vor allem die Politik des Gemeinderats, der in letzter Zeit Neueinzonungen nur noch sehr zurückhaltend bewilligt habe. Das Ergebnis sei, dass nun vermehrt Projekte in der Nähe des Dorfkerns realisiert wurden, freut sich Keel.

Er ist überzeugt, dass die Ausnutzung bestehender Bauflächen auch in anderen Gemeinden ein Thema sein müsste. Und verweist dabei auf die Initiative der Stiftung Landschaftsschutz, die – wie auch die geplante Revision des Raumplanungsgesetzes – eine Plafonierung der Bauzonen verlangt. Die Idee könnte Schule machen. In Niederhelfenschwil meldeten sich bereits Gemeindepräsidenten aus der ganzen Ostschweiz. Konkret ist das Interesse in St. Margrethen. Gemeindepräsident Reto Friedauer möchte die Prämien ebenfalls einführen.

Er arbeite bereits am Entwurf für ein Reglement, das er dem Gemeinderat bald vorlegen will. 120 000 Franken an Rückstellung seien dafür eingeplant, erklärt Friedauer. Die Stossrichtung sei die gleiche wie in Niederhelfenschwil. Allerdings habe St. Margrethen eine andere Ausgangslage, erklärt er.

St. Margrethen will mitziehen

Die Abrissprämie ist Teil eines Massnahmenpakets, mit dem in der Rheintaler Gemeinde das Angebot an «qualitativ hochstehendem Wohnraum» vergrössert werden soll.

Dazu gehört etwa die Zentrumsüberbauung Europuls mit Wohnungen und Gewerberäumen auf dem 70 000 Quadratmeter grossen Altfeld-Areal. Dazu zählt die Förderung von energetischen Gebäudesanierungen im Rahmen der Rheintaler Energie-Initiative. Ziel sei es, die gegenwärtige Bevölkerungsstruktur in St. Margrethen mit einem Ausländeranteil von 44 Prozent zu verändern, erklärt Friedauer.

Den Grund dafür ortet er beim grossen Angebot an billigem Wohnraum in Liegenschaften, die seit langem nicht mehr saniert worden seien. Sie gehörten oft Auswärtigen, die bisher kein Interesse hatten, an diesem Zustand etwas zu ändern. Man verfolge allerdings keine eingleisige Strategie, betont der Gemeindepräsident und verweist auf das Integrationsprogramm «Zusammenleben im ländlichen Raum», das die Gemeinde zusammen mit dem Bund als Pilotprojekt umsetzt.