Ab jetzt noch vier Stunden Schlaf

Als die Kelly Family in Frauenfeld auftrat, sass Andrea Läderach mit ihrer Tochter auf einer Wolldecke vor der Bühne. Heute ist die Frauenfelder Geschäftsfrau OK-Mitglied des grössten Hip-Hop-Festivals Europas.

Mathias Frei
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«Mit einer solchen Kiste muss man natürlich Geld verdienen»: Die Frauenfelder Open-Air-Veranstalterin Andrea Läderach. (Bild: Donato Caspari)

«Mit einer solchen Kiste muss man natürlich Geld verdienen»: Die Frauenfelder Open-Air-Veranstalterin Andrea Läderach. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Sie ist mit Open Airs gross geworden. Mit zarten 16 erlebte Andrea Läderach ihr erstes «St. Galler». Das war 1983 in ihrer Sturm-und-Drang-Phase, als sie Frauenfeld irgendwie nicht mehr so cool fand und einfach weg wollte. Mittlerweile ist die 47-Jährige wieder im Reinen mit der Thurgauer Kantonshauptstadt, wo sie geboren und aufgewachsen ist. «Ich bin zufrieden mit Frauenfeld», sagt Andrea Läderach, die seit elf Jahren das Open Air Frauenfeld mitveranstaltet. Als eine von sechs Aktionären der First Event AG zeichnet sie in der Festivalorganisation für Gastronomie und Finanzen verantwortlich.

Damals am «Out In The Green»

Die Frauenfelderin erinnert sich gerne an das «Out In The Green» zurück. Schon beim ersten Festival, 1987, war sie als Besucherin dabei. Ein paar Jahre später nahm sie ihre Tochter zum ersten Mal auf die Grosse Allmend mit. «Wir sassen auf einer Wolldecke, hörten der Kelly Family und Pur zu. Damals war alles noch ganz anders.» Doch Andrea Läderach lebt nicht in der Vergangenheit. Im Gegenteil: Sie ist eine Macherin durch und durch. Den Fuss in die Tür setzte sie 1999 als Buchhalterin des damaligen Open-Air-Caterers. «Damals war es chaotisch», sagt sie – und wusste gleich, dass das auch besser geht.

Erfolg gibt ihnen recht

Und es wurde besser, als sie 2003 die First Event AG mitbegründete und das erste Open Air Frauenfeld veranstaltete. Heute besteht die Veranstalterfirma nebst Läderach aus Jörg Müller, André Rindlisbacher, Sandro Keller, René Götz und Wolfgang Sahli. «Der Erfolg spricht für uns», sagt Andrea Läderach. 2003 habe man mit dem Gedanken gespielt, die Marke «Out In The Green» vom früheren OpenAir-Macher Ermano Conti zu kaufen. «Zum Glück haben wir es nicht gemacht», sagt Läderach im Rückblick. Denn heutzutage kenne jeder amerikanische Hip-Hop-Star das Open Air Frauenfeld – auch wenn die Leute meinten, Frauenfeld liege in Schweden. Ob Schweiz oder Schweden: «Wir hatten schon die grössten Acts der Urban Music hier. Das macht es für unseren Booker Andy Locher etwas einfacher.» Denn es gilt: Wer etwas auf sich hält, muss schon einmal in Frauenfeld aufgetreten sein.

«Wir haben einiges ausprobiert», sagt Läderach. In den ersten Jahren des neuen Open Airs Frauenfeld spielten Rockbands, später gab es Worldmusic oder auch Reggae. Der Tenor unter den über 100 000 Facebook-Liker des Open Airs sei aber immer derselbe: «Wir wollen in Frauenfeld Hip-Hop hören.»

30 Minuten für Outkast

Wenn es für Andrea Läderach nur mehr um Musik ginge, würde man sie wohl kaum noch antreffen auf der Grossen Allmend. «Ab und zu kann ich mir bei einem Headliner 30 Minuten zusammenstehlen.» Die gelernte Treuhänderin hofft, dass es heuer bei Outkast für ein Hineinhören reicht. «Und sonst dröhnt der Sound sowieso bis ins Festivalbüro.» Bei Läderach bestimmen nicht die Bässe den Festivalrhythmus, sondern die Arbeit. «Mit einer solchen Kiste muss man natürlich Geld verdienen.» Eine Angestellte ihres Treuhandbüros und sie arbeiten das ganze Jahr hindurch etwa zu 50 Prozent fürs Open Air. Während des Festivals gilt: 20 Stunden arbeiten, 4 Stunden Schlaf. «Mit zunehmendem Alter macht es das nicht einfacher.» Andrea Läderach lächelt und geht wieder an die Arbeit.

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