NIEDERHELFENSCHWIL: Polizei bringt Hanfbauer Produktionsanlage zurück

Nach der Razzia auf seinem Betrieb in Niederhelfenschwil hat Patrik Lichtensteiger die Gerätschaften für seine legale Industriehanf-Anlage zurückbekommen. Vom Vorgehen der Polizei ist er enttäuscht.

Ursula Ammann
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Zurückgebrachte Lampen und Belüftungskomponenten. Nur noch fünf der 37 Lampen sind intakt. (Bild: Ursula Ammann)

Zurückgebrachte Lampen und Belüftungskomponenten. Nur noch fünf der 37 Lampen sind intakt. (Bild: Ursula Ammann)

Ruhig und idyllisch ist es im Weiler Enkhüseren in Niederhelfenschwil. Kinder spielen im Schnee, Erwachsene halten auf der Strasse einen Schwatz. Man würde nicht vermuten, dass hier im September eine Razzia stattgefunden hat. Die Polizei hatte auf dem Obstbaubetrieb von Patrik Lichtensteiger eine Hanfanlage ausgehoben. Der Bauer produzierte Industriehanf für die Firma Medropharm, hatte seine Anlage jedoch nicht gemeldet.

Patrik Lichtensteiger mit einem Aktivkohlefilter vor der Scheune. (Bild: Ursula Ammann)

Patrik Lichtensteiger mit einem Aktivkohlefilter vor der Scheune. (Bild: Ursula Ammann)

Pflanzen und Gerätschaften wurden bei der Razzia beschlagnahmt. Dass es sich, wie dann Anfang Januar publik wurde, um legalen Industriehanf handelte und nicht um Drogenhanf, kam selbst für die Staatsanwaltschaft überraschend. Bei der vorhandenen Einrichtung mit Sichtschutz und eingebauten Aktivkohlefilter, müsse man in der Regel davon ausgehen, dass es sich um Drogenhanf handle, teilte Sprecher Roman Dobler damals mit.

Nur noch fünf intakte Lampen
Am Freitagmorgen um 10 Uhr haben nun zwei Beamte der Kantonspolizei die Bestandteile der Produktionsanlage zurück auf den Hof der Lichtensteigers gebracht. Darunter Aktivkohlefilter, Lüftungskomponenten und 37 Lampen. «Nur noch fünf dieser Lampen sind intakt», sagt Landwirt Patrik Lichtensteiger. Bei den anderen sind die Reflektoren verbogen. Das könne bei den Pflanzen zu Verbrennungen führen.

Aktivkohlefilter vor der Scheune. (Bild: Ursula Ammann)

Aktivkohlefilter vor der Scheune. (Bild: Ursula Ammann)


Bei der Razzia ist die Polizei nicht zimperlich mit den Gerätschaften umgesprungen – in der Annahme es handle sich um eine illegale Anlage. An jenem Tag im September wurde Patrik Lichtensteiger in Handschellen abgeführt und verbrachte einen Tag im Gefängnis. «Ich bin nicht wütend auf die Polizei, aber enttäuscht», sagt Patrik Lichtensteiger. Einerseits, weil die Beamten ihr Vorgehen mit einem Vorurteil begründet hätten. Nämlich jenem, dass es sich in Indooranlagen Drogenhanf befinde. Der Beamte, der bei der Aushebung im September dabei gewesen sei, habe sogar seine Grossmutter darauf gewettet. «Zudem sagte er, dass ich lüge und naiv sei», erzählt Lichtensteiger.

Für die Unterlagen, die er vorlegte, um darzulegen, dass er für die Firma Medropharm produziert, interessierte man sich nicht. «Bei einer besseren Prüfung vor Ort hätten wir uns alle viel Geld und Ärger ersparen können», sagt Patrik Lichtensteiger.

Drohungen mit Klinik und Kesb
Besonders betroffen ist er darüber, dass auch seine Familie in die Sache mit hereinbezogen wurde. «Man drohte mir, meine Frau in die Klinik einzuweisen und sagte mir, es werde wegen der Kinder eine Meldung bei der Kesb gemacht.» Als sich der Anwalt von Patrik Lichtensteiger bei der Kesb erkundigte, war dort keine Meldung eingegangen.

Durch die Aushebung der Hanfanlage ist Patrik Lichtensteiger nach eigenen Angaben ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden. Eine Ernte - sie fällt alle drei Monate an - hat einen Wert von 120'000 Franken. Durch die fehlende Produktionsgrundlage gab es auf dem Betrieb der Lichtensteigers bereits mehr als einen Ernteausfall. Ob er dafür Schadensersatz erhält, ist noch unklar. Die Polizei habe sich auf jeden Fall nicht so verhalten, als tue ihnen die Aktion Leid. «Im Gegenteil», sagt Patrik Lichtensteiger. Sie versuchen sich noch immer herauszureden.»

Der Niederhelfenschwiler Bauer möchte so schnell wie möglich wieder produzieren. Er wird nun Offerten einholen für die Reparatur der Gerätschaften. Bereits jetzt ist er dabei, einen neuen Raum für die Aufzucht der Hanfpflanzen einzurichten. Seine Anlage hat er in der Zwischenzeit angemeldet. Vom Hanfanbau sei er weiterhin überzeugt. «In der Medizin sind viele Menschen froh um diesen Rohstoff.»

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