WETTBEWERB: Ganz schön untervertreten

Die «Schweizer Illustrierte» sucht das schönste Dorf der Schweiz. Nur drei Ostschweizer Orte stehen zur Auswahl. Jurymitglied Nik Hartmann hat sich bei der Nominierung auf sein Bauchgefühl verlassen.

Sabrina Bächi
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Weisstannen liegt idyllisch zwischen den Bergen. (Bild: Urs Bucher)

Weisstannen liegt idyllisch zwischen den Bergen. (Bild: Urs Bucher)

Sabrina Bächi

sabrina.baechi@tagblatt.ch

Idyllisch, abgelegen, beschaulich – die Schweiz ist voller schöner Dörfer. Die Zeitschrift «Schweizer Illus­trierte» sucht per Publikumsvoting das prächtigste unter ihnen, um es zum «schönsten Dorf der Schweiz 2017» zu küren. Idyllische Dörfer hat auch die Ostschweiz zu bieten. Sicherlich stechen einige etwas mehr aus der Masse als andere. Manche haben wunderschöne Fachwerkhäuser, andere bestechen mit einem Schloss oder einer atemberaubenden Aussicht auf den Bodensee, den Alpstein oder eine bunte Streuobstwiese.

Touristenorte haben oft die Nase vorne

Ein Blick auf die diesjährige Auswahl zeigt jedoch: Die Ostschweiz ist stark untervertreten. Für die Kantone Thurgau, St. Gallen und beide Appenzell gehen nur drei Dörfer ins Rennen: Weisstannen aus dem Kanton St. Gallen, Schwellbrunn aus Appenzell Ausserrhoden und Gottlieben am Seerhein im Thurgau.

«Es ist uns auch aufgefallen, dass die Ostschweiz untervertreten ist», sagt Stefan Regez, Co-Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten». Seit dem 28. April kann man auf der Wettbewerbs-Homepage für ein Dorf abstimmen. Auf der dort dargestellten Schweizer Karte mit allen 50 nominierten Dörfern zeigt sich ein sehr einseitiges Bild: Die Kantone Bern, Graubünden und Wallis sind die Hauptakteure in diesem Spiel. «Die Erfahrung zeigt, dass beim Publikumsvoting meist Dörfer gewählt werden, die touristisch bekannt sind», sagt Regez. Zum dritten Mal lanciert die Zeitschrift den Wettbewerb bereits. 2015 gewann das Bündner Dorf Soglio, letztes Jahr war das Tessiner Dorf Morcote der Sieger. Dieses Jahr vertraute die Zeitschrift bei der Vorauswahl der ­ 50 Dörfer auf eine prominent besetzte Jury: der Deutschschweizer Moderator Nik Hartmann, die Bündner Moderatorin Annina Campell, die Westschweizer Moderatorin Mélanie Freymond und der Tessiner Sänger Sebalter. Jede Sprachregion stellt somit ein Jurymitglied. Je nach Grösse des Gebiets darf das Jurymitglied eine gewisse Anzahl Dörfer nominieren. «Diese müssen nicht zwingend im eigenen Sprachgebiet liegen», erklärt Stefan Regez. Bis am 23. Mai läuft das Publikumsvoting noch, danach kommen die beliebtesten zwölf Dörfer in den Final. Nach dem zweiten Voting steht am 8. September das «schönste Dorf der Schweiz 2017» fest.

Aus dem Bauch heraus nominiert

Nik Hartmann hatte den aufwendigsten Job. Er musste 24 Vorschläge bringen, denn er war als Jurymitglied für die Deutschschweiz ­zuständig. «Die Auswahl der Dörfer ist keine wissenschaftliche Arbeit», sagt Hartmann, «ich habe mich vielmehr auf mein Bauchgefühl verlassen». Ein fes­tes Kriterium gibt es jedoch: Das Dorf darf nicht mehr als 3000 Einwohner haben.

«Ich muss die Ostschweiz besser kennen lernen»

Davon abgesehen werde darauf geachtet, dass im Final jede Sprachregion vertreten sei, versichert Stefan Regez: «Es geht um einen nationalen Wettbewerb, bei dem es keine Sprachgrenzen geben soll.» Zudem wolle die Zeitschrift die Dörfer positiv ins Scheinwerferlicht rücken, denn «die Dörfer bilden das Rückgrat unserer Gesellschaft, werden aber oft vergessen». Eine Hommage an die Dorfbevölkerung, die im Kleinen Grosses bewirkt, soll der Wettbewerb sein, sagt Regez. Auch Nik Hartmann vertritt diese Meinung. «Ich persönlich bewundere Dörfer, die als Mikrokosmos durch ihre Bewohner ein intaktes Dorfleben an den Tag legen – solcher Überlebenswille bedeutet Schönheit.»

Warum findet Hartmann diesen «Überlebenswillen» und diese Schönheit in der Ostschweiz nicht? Die naheliegende Antwort: Der Moderator kennt die Ostschweiz zu wenig und wusste schlicht nicht, was es zu nominieren gäbe. Tatsächlich räumt er ein: «Ich muss die Ostschweiz besser kennen lernen. Vielleicht ist das der Beginn einer grossen Freundschaft.»

Trotz der wenigen Ostschweizer Kandidaten zeigen sich die drei Nominierten freudig überrascht. Von ihrem Glück haben sie erst durch eine Mitteilung der Zeitschrift erfahren. Dass sie das Potenzial zum schönsten Dorf der Schweiz 2017 haben, glauben alle drei gleichermassen.

Gottlieben besticht mit seiner Lage am Seerhein. (Bild: Nana do Carmo)

Gottlieben besticht mit seiner Lage am Seerhein. (Bild: Nana do Carmo)

Schwellbrunn bietet Aussicht auf den Alpstein. (Bild: Martina Basista)

Schwellbrunn bietet Aussicht auf den Alpstein. (Bild: Martina Basista)