FANGEWALT IM STADION: Bundesanwaltschaft klagt Pyrowerfer an

Die Bundesanwaltschaft klagt einen 23-jährigen FCSG-Anhänger an, der im Februar 2016 während eines Super League-Spiels des FC Luzern gegen den FC St.Gallen im Stadion mehrere Spreng– und Rauchkörper gezündet hat.

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Wegen der Rauchpetarde musste die Partie unterbrochen werden. (Bild: Philipp Schmidli/Luzernerzeitung)

Wegen der Rauchpetarde musste die Partie unterbrochen werden. (Bild: Philipp Schmidli/Luzernerzeitung)

Es ist das erste Mal, dass die Bundesanwaltschaft eine Anklage wegen Gewalt in Sportstadien einreicht, wie sie am Freitag mitteilte. Die Vorwürfe lauten auf mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht, schwere Körperverletzung, mehrfache Sachbeschädigung begangen aus Anlass einer öffentlichen Zusammenrottung sowie mehrfache Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz.

Aufs Spielfeld geworfen

Dem St.Galler Anhänger war es gelungen, am 21. Februar pyrotechnische Gegenstände ins Luzerner Stadion zu schmuggeln. Bilder von Überwachungskameras zeigten, dass er die Spreng- und Rauchkörper auf das Spielfeld geworfen hatte. Dabei habe er in Kauf genommen, dass Personen zu Schaden kommen und Schäden an der Einrichtung und am Rasen entstehen, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit.

Dies ist auch tatsächlich auch eingetroffen: Eine Person aus dem benachbarten Sektor sei bei dieser Aktion "nachhaltig verletzt" worden, heisst es im Schreiben weiter. Zudem sei während der Strafuntersuchung entdeckt worden, dass der Beschuldigte unerlaubt im Besitz einer grösseren Menge ähnlicher pyrotechnischer Gegenstände gewesen war.

Mehrere 100 Kilogramm Pyro

Im März vergangenen Jahres hatte die Luzerner Staatsanwaltschaft bereits über den Fall informiert. Der Geschädigte, ein damals 48-jähriger Mann, hatte durch die Knallpetarden einen Hörverlust erlitten und musste sich einer Operation unterziehen. Als Täter identifizierte die Polizei einen damals 22-jährigen Mann aus Appenzell Ausserrhoden und nahm ihn an seinem Wohnort fest. Bei der Hausdurchsuchung stellte die Polizei "mehrere hundert Kilogramm pyrotechnisches Material" sicher und leitete eine Untersuchung ein, der Petardenwerfer gestand die Tat.

Die Bundesanwaltschaft erklärt ihre Zuständigkeit für das Strafverfahren mit der Art der Sprengkörper und dem Vorsatz, das explosive Material an einem Ort zu verwenden, an dem eine konkrete Gefährdung für Menschen und Gegenstände in Kauf genommen werden muss.

Der Beschuldigte wird sich vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten müssen. Bis zu einem Urteil gilt für ihn die Unschuldsvermutung. (sda/lex/sg)