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83,5 Kilogramm schwer: Beim Steinstossen an der «Schwendner Chölbi» waren starke Oberarme gefragt

Beim Steinstossen an der «Schwendner Chölbi» in Appenzell standen nicht nur die Muskelprotze im Zentrum der Aufmerksamkeit. Vor dem Qualifikationskampf der Athleten bewachte ein Knirps den über 80 Kilogramm schweren Unspunnenstein.
Lukas Pfiffner
83,5 Kilogramm in der Luft und Appenzeller Bewunderung für den Aargauer Urs Salzmann. (Bild: Lukas Pfiffner)

83,5 Kilogramm in der Luft und Appenzeller Bewunderung für den Aargauer Urs Salzmann. (Bild: Lukas Pfiffner)

Diesmal hat das Steinstossen an der «Schwendner Chölbi» eine besondere Anziehungskraft. Die Teilnahme am Eidgenössischen Jubiläums-Schwingfest 2020 in Appenzell lockt. Zwölf Athleten haben sich vor zwei Wochen am Eidgenössischen Schwinger- und Älplerfest in Zug qualifiziert, unter ihnen als Siebter der Schwellbrunner Bobpilot Beat Hefti – er hat den Unspunnenstein 3,52 m gestossen. Weitere zwölf Plätze lassen sich an der «Chölbi» in Appenzell und an einem Qualifikationsturnier im nächsten Frühling verdienen.

Fast so oft wie nachher die starken Männer beim Stossen wird zunächst jener Knirps fotografiert, der ausdauernd beim Unspunnenstein steht. Das 83,5 Kilogramm schwere Ungetüm reicht fast bis zur Brust. «Er schaut, dass der Stein nicht gestohlen wird», scherzt ein Zuschauer. Nicht schon wieder, könnte man in Erinnerung an die Aktion der jurassischen Béliers von 1984 ergänzen. Für den Wettkampf wird schon längst ein Duplikat verwendet.

Fähnchen und Rose für die «Setterebolle»-Bestweiten

Einen Helm trägt keiner, wenn er ihn hochstemmt. Grosse Bewunderung kommt den Athleten zu. Die Finalisten in Zug haben vor 54000 Zuschauern gestossen. Jetzt hält sich eine halbe Hundertschaft neben der Anlage auf dem Areal der «Appenzeller Alpenbitter» auf. Eine Sandgrube ist eingerichtet – mit professionellem Laser-Messgerät.

Die Appenzeller und die Schweizer Fähnchen, die in den Sand gesteckt sind, haben für den Unspunnen-Bewerb keine Bedeutung: Sie markieren bei 6,40 m respektive bei 5,24 m die nationalen und kantonalen Bestweiten mit dem «Setterebolle» (30 Kilogramm). Und eine Rose zeigt, wie weit der halb so schwere Frauenstein 2012 beim Rekord geworfen worden ist (5,80 m).

Nicht nur enorm starke Oberarme sind das Thema. Auch die Beine, die Schultern und der Rücken werden enorm gefordert. Unter dem schützenden Dach der Festwirtschaft wickelt einer Bänder um die Handgelenke und schnallt sich einen mächtigen Gurt um. «Die dienen der Stabilität», erklärt er, bevor er mit einem Tuch Hände und Stein von Tropfen und Sand befreit. Eine Drehbewegung wie beim Kugelstossen findet selbstredend nicht statt. Nur schon das Hochheben bedeutet hohe Konzentration und Anstrengung. Mit Getränkebidons markieren die Stösser ihre persönliche Anlaufstelle.

Es ist kein Video Assistant Referee im Einsatz

Wird der Abstossbalken an der Oberseite berührt, gilt der Stoss als ungültig. Ein VAR (Video Assistant Referee) ist bei den Steinstössern nicht im Einsatz. Ein Lehrbuch gebe es nicht, sagt der Speaker. «Es muss jeder selber herausfinden, wie er am weitesten kommt.» Manch einer guckt beim Stossen verbissen nach oben, andere kneifen die Augen zu. Und bevor Daniel Schmocker den Stein hochhebt, wird das Publikum über Lautsprecher gewarnt: «Erschrecken Sie nicht.» Der Berner Athlet ist in der Szene bekannt für den Schrei bei der Abgabe.

Für besonders gute Weiten ist das Wetter zu nass und zu kühl. In Zug hat Remo Schuler aus Rickenbach SZ mit 3,69 Metern gewonnen. Für den Rückweg steht ein «Rolli» zur Verfügung, mit dem sonst Harasse transportiert werden. 90 Minuten sind für die Spitzenathleten und ihren Qualifikationswettkampf reserviert. Vorher und nachher ist die Anlage frei benützbar. Dann wird nicht in Sportkleidung gestossen, sondern für einen Franken pro Stoss in Jeans und zum Plausch. Wie es sich für eine Chilbi gehört. Ein paar Meter daneben wird Karussell gefahren, tüchtig genagelt oder auf Flaschen geworfen. Und der Präsident des «Schwendner Chölbi»-Vereins hat kurz Zeit, am «Hau den Lukas» aktiv zu sein: Es ist Daniel Fässler, ehemaliger Innerrhoder Landammann und neu gewählter Ständerat.

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