82 Milliarden, ungleich verteilt

ST. GALLEN. Im Kanton St.Gallen besitzen fünf Prozent der Steuerzahler über die Hälfte des Reinvermögens. Dies zeigt eine Studie im Auftrag von SP und Grünen. Die ungleiche Verteilung ist etwas weniger ausgeprägt als in der gesamten Schweiz.

Adrian Vögele
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Vermögen über einer Million Franken sollen höher besteuert werden: Dies fordern SP und Grüne. (Bild: Hanspeter Schiess)

Vermögen über einer Million Franken sollen höher besteuert werden: Dies fordern SP und Grüne. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Linke im Kanton St.Gallen will die reichsten Steuerzahler stärker zur Kasse bitten. Ihre Steuergerechtigkeits-Initiative fordert die Einführung einer Progression für steuerbare Vermögen ab einer Million Franken, abgestimmt wird am 14. Juni. Im Vorfeld haben SP und Grüne beim Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) in Bern eine Untersuchung zu Einkommen und Vermögen im Kanton St.Gallen in Auftrag gegeben. Diese basiert auf Daten der eidgenössischen Steuerverwaltung für die Jahre 1991 bis 2010. Die Vermögen seien «auch im Kanton St.Gallen sehr ungleich verteilt», heisst es in der Studie. 70 Prozent der Steuerzahler vereinen 10 Prozent des gesamten Vermögens auf sich (siehe Tabelle). 95,1 Prozent haben weniger als eine Million, 4,9 Prozent hingegen mehr als eine Million Franken Reinvermögen. Letztere verfügen über 53,11 Prozent des gesamten Vermögens. Das reichste Prozent der Steuerzahler – mit jeweils drei Millionen Franken und mehr – besitzt fast ein Drittel des Gesamtvermögens.

Ungleichheit nahm leicht zu

Die realen Vermögen nahmen seit 1991 um 94 Prozent zu, lagen aber im Jahr 2010 noch immer leicht unter dem schweizerischen Durchschnitt. «Die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung hat im Kanton St.Gallen in den betrachteten Jahren leicht zugenommen», schreiben die Autoren. Verglichen mit dem Kanton Zürich und der gesamten Schweiz ist die Ungleichheit der Vermögensverteilung jedoch etwas weniger stark ausgeprägt. Im Kanton Zürich etwa entfallen 10 Prozent des gesamten Vermögens auf sogar 80 Prozent der Steuerzahler.

In der Statistik nicht oder nur bedingt eingerechnet sind die Ansprüche aus der 2. und 3. Säule sowie Immobilien, Beteiligungen an Unternehmen und Vermögen im Ausland. Es sei zu vermuten, dass «bei Berücksichtigung aller Vermögenswerte die Ungleichverteilung eher geringer ausfallen würde», heisst es.

Lohnschere in den Gemeinden

Punkto Einkommen beleuchtet die Studie nebst der kantonalen Entwicklung (Ausgabe vom 2. April) auch die Situation in den Gemeinden. Mörschwil hat mit 84 606 Franken das höchste durchschnittliche steuerbare Einkommen im Kanton, gefolgt von Tübach (68 637 Franken) und Rapperswil-Jona (67 266 Franken). Die tiefsten durchschnittlichen Einkommen weisen Rorschach mit 40 784 Franken und Stein mit 34 545 Franken auf. Der kantonale Durchschnitt liegt bei 50 986 Franken.

Am grössten ist die Ungleichheit der Einkommen in Mörschwil und Rapperswil-Jona – aufgrund des hohen Anteils an Personen mit hohen Einkommen (über 75 000 Franken). Deutlich verschärft hat sich die Ungleichheit zudem beispielsweise in Waldkirch, Walenstadt und Rorschach.

Besonders klein ist die Ungleichheit in Mels und Vilters-Wangs. Das führen die Autoren unter anderem darauf zurück, dass in diesen Gemeinden viele Personen mit mittleren Einkommen wohnen und die steuerbaren Einkommen deutlich unter dem Kantonsdurchschnitt liegen.