800mal Kurzarbeit wegen Frankenkurs

Im Kanton St. Gallen nimmt die Kurzarbeit weiter zu: Im März müssen 79 Firmen zu dieser Massnahme greifen, und 31 von ihnen begründen ihr Gesuch mit der Frankenstärke. Die Situation sei vergleichsweise nicht dramatisch, heisst es beim Amt für Wirtschaft.

Marcel Elsener
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ST. GALLEN. 79 Betriebe im Kanton St. Gallen haben Ende Februar für rund 1700 Mitarbeitende Kurzarbeit für den Monat März angemeldet, wie die jüngsten Zahlen der Arbeitsmarktstatistik zeigen (Ausgabe von gestern). Im Februar waren es 55 Betriebe mit 1400 Mitarbeitenden gewesen, im Januar 40 Betriebe.

Von den 79 Betrieben begründen 31 ihre Anmeldung für 800 Arbeitsplätze mit der Frankenstärke; vor einem Monat waren es noch 12 Betriebe und rund 350 Mitarbeitende gewesen. Der Bundesrat hatte Ende Januar diese Massnahme zur Verhinderung von Stellenabbau infolge Aufhebung des Euromindestkurses bewilligt; der Kanton St. Gallen gehört nebst den Kantonen Jura und Tessin (beide mit ebenfalls über 800 Betroffenen) und Zürich und Bern mit je fast 1200 Kurzarbeitenden zu den am meisten gebeutelten Kantonen.

Tatsächlich sind es weniger

Jedoch täuschen diese Zahlen: Laut Thomas Oegerli von der Fachstelle für Statistik dürften die tatsächlichen Zahlen um rund einen Drittel variieren. Diese liegen vor, wenn die Abrechnungen mit der Arbeitslosenversicherung gemacht sind – um jeweils drei Monate verzögert.

Von den eingetroffenen Gesuchen könnten manche wieder zurückgezogen oder vereinzelte nicht bewilligt werden, sagt Urs Baumann, stellvertretender Leiter der Arbeitslosenversicherung im Amt für Wirtschaft und Arbeit. Der Kanton überprüft die jeweiligen Begründungen; Kurzarbeit setzt zwingend Ausfälle von Arbeitsaufträgen voraus.

Und noch einmal heisst es Vorsicht mit Zahlen: Dass mancherorts im Februar bereits von 75 Betrieben die Rede war, begründet Oegerli mit einer anderen Zählweise. Weil statt für den Gesamtbetrieb auch für einzelne Betriebsabteilungen Gesuche eingereicht werden können, war die Zahl höher. «Normalerweise zählen wir jeden Betrieb nur einmal, auch wenn mehrere Gesuche eingehen», sagt Oegerli. Demnach gälten die erwähnten 55 Betriebe. Was sich aber nicht ändere, sei die Zahl der betroffenen Mitarbeitenden. Der aktuelle Stand beträgt wie gesagt 1700, laut Amt für Statistik rund 1000 mehr als Ende Dezember.

Verlängerte Arbeitszeit

Statt mit Kurzarbeit reagieren manche Firmen mit verlängerten Arbeitszeiten bei gleichem Lohn. Dem Kanton liegen keine Zahlen vor, wie viele Unternehmen diese «Sparmassnahme» eingeführt haben. Baumann hat von vereinzelten Anfragen gehört, aber ein Gesamtbild sei schwierig zu machen. Es handle sich wohl um Firmen mit Personalstop, die viel, ja zu viel Arbeit bewältigen müssten.

Für Fälle von Missbrauch gebe es «keine Hinweise», sagt Baumann. «Schwarze Schafe» könne er sich nicht vorstellen, geprüft werde aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen. Andererseits haben die Behörden keine Kenntnis von anderen Massnahmen wie etwa – es kommt vor – Lohnverzicht beim Kader. Selbstverständlich seien diese nicht meldepflichtig – ganz im Gegensatz zu Entlassungen.

Im Vergleich zu früheren Krisenjahren ist die Situation laut Baumann «nicht dramatisch und noch handelbar». Zwar stieg die Kurzarbeit seit Januar mit täglich zwei bis drei Gesuchen kontinuierlich an, doch rechnet er «eher nicht» mit einem weiteren Anstieg im gleichen Ausmass. Was auch für die Arbeitslosenzahlen gelte: «Der geringe Anstieg ist hauptsächlich saisonal bedingt.» Die Frage, ob die Frankenstärke wie befürchtet zu Stellenabbau führe, lasse sich «schlüssig erst gegen Sommer beantworten».

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