60 Nobelpreisträger treffen 650 Nachwuchsforscher

Innert zehn Jahren hat der St. Galler Wolfgang Schürer das Nobelpreisträger-Treffen in Lindau wieder zum Erfolg geführt. Am Sonntag beginnt die 60. Tagung der besten Forscher von heute und morgen.

Erich Niederer
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Chemie-Nobelpreisträger Sir Harold Kroto, Grossbritannien, in Lindau im Gespräch mit Studenten. (Bild: Caro/Riedmiller)

Chemie-Nobelpreisträger Sir Harold Kroto, Grossbritannien, in Lindau im Gespräch mit Studenten. (Bild: Caro/Riedmiller)

Als 1951 Graf Lennart Bernadotte von der Insel Mainau und zwei Lindauer Ärzte zum ersten Nobelpreisträgertreffen nach Lindau einluden, kamen sieben Preisträger und vorwiegend deutsche Mediziner und Studierende. Die Wissenschaft war, so die Überzeugung der Initianten, eine Möglichkeit, Grenzen zu überwinden und Deutschland aus der Isolation der Nachkriegszeit zu verhelfen.

Schon bald stand das Bestreben, einen Wissenschaftsdialog zwischen Laureaten und dem forschenden Nachwuchs zu fördern, im Zentrum.

Während Jahrzehnten trafen sich alljährlich 20 bis 30 Nobelpreisträger am Bodensee, abwechselnd aus den Fachbereichen Medizin, Chemie und Physik. In den Neunzigerjahren kam das «Familientreffen am Bodensee», wie die Tagung lange wohlwollend bezeichnet worden war, in die Krise: Es waren hauptsächlich ältere, kaum mehr aktive Preisträger

und oft wenig qualifizierte, vornehmlich deutsche Studenten, die sich mehr auf die Ferien am Bodensee denn auf eine Herausforderung freuten.

Tagung wieder Sinn geben

Das Treffen war zu einer «Tagung ohne Sinn, Geld und Zukunft» geworden, wie damals eine renommierte Zeitung schrieb. In dieser Zeit bekam Wolfgang Schürer, der an der Universität St.

Gallen Anfang der Siebzigerjahre das Internationale Management Symposium ISC ins Leben gerufen, jahrelang organisiert und gefördert hatte, vom deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog die Anfrage und Aufforderung, die Nobelpreisträgertagung wieder auf Vordermann zu bringen. Schürer, ausserordentlicher Professor an der Georgetown University und Gastprofessor an der Universität St.

Gallen sowie Unternehmer, engagierte sich in Lindau, setzte ein kompetentes Team zusammen und nahm im letzten Jahrzehnt eine Reihe von einschneidenden strukturellen und inhaltlichen Veränderungen vor.

Hohes Stiftungsvermögen

Um die finanzielle Zukunft der Nobelpreisträgertagung zu sichern, gründeten 50 Nobelpreisträger mit der Familie Bernadotte im Jahr 2000 eine entsprechende Stiftung.

Schürer und sein Team vermochten in der Folge die öffentliche Hand sowie Unternehmen und Stiftungen für ein finanzielles Engagement zu bewegen. Innert zehn Jahren stieg das Stiftungskapital von anfänglich 50 000 D-Mark auf fast 23 Mio. Euro.

Dank der Erträge aus dem Stiftungsvermögen beziehungsweise regelmässigen Zuschüssen und Spenden ist die Stiftung heute in der Lage, die Tagungskosten massgeblich zu tragen.

Unter Schürers Federführung wurde konsequent die Internationalisierung der Tagung gefördert und ein rigoroses Auswahlverfahren mit inzwischen 200 akademischen Partnern auf der ganzen Welt eingeführt. Im Rhythmus von fünf Jahren kommen jetzt alle drei Fachbereiche zu interdisziplinären Tagungen zusammen. Seit 2004 findet auf Anregung von Schürer ein separates Treffen mit wirtschaftswissenschaftlichen Nobelpreisträgern statt.

Innerhalb der Internationalen Bodenseekonferenz war es der St. Galler Peter Wieser, der als Kommissionspräsident bewirkte, dass seit 2003 jährlich um die 100 000 Franken geleistet werden, die zweckgebunden für die weltweite Internet-Übertragung der Nobelpreisträger-Tagung eingesetzt werden.

Der liechtensteinische Regierungschef Otmar Hasler unterschrieb 2008 eine Stiftungszusage von 1,5 Mio. Franken, die vom Landtag und zahlreichen liechtensteinischen Unternehmungen geleistet wurde.

Damit werde «die Positionierung Liechtensteins als Wissenschafts- und Forschungsstandort» verdeutlicht.

EU-Präsident Barroso (hier mit dem St. Galler Wolfgang Schürer) wurde 2009 in den Ehrensenat der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee aufgenommen. (Bild: pd)

EU-Präsident Barroso (hier mit dem St. Galler Wolfgang Schürer) wurde 2009 in den Ehrensenat der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee aufgenommen. (Bild: pd)

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