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Nach Drohung gegen Pensionskasse: 56-jähriger St.Galler Bademeister schuldig gesprochen

Weil er seine Pensionskasse massiv bedroht hatte, stand ein St.Galler am Donnerstag vor dem Kreisgericht. Es war nicht das erste Mal, dass der 56-Jährige wegen Drohungen mit dem Gesetz im Konflikt kam.
Rossella Blattmann
Das Gerichtshaus an der Neugasse in St.Gallen. Hier stand der 56-jährige Bademeister am Donnerstag vor Gericht, weil er seine Pensionskasse bedrohte. (Bild: Hannes Thalmann)

Das Gerichtshaus an der Neugasse in St.Gallen. Hier stand der 56-jährige Bademeister am Donnerstag vor Gericht, weil er seine Pensionskasse bedrohte. (Bild: Hannes Thalmann)

Kurze graue Haare, dunkelgrauer Anzug, gepflegte Erscheinung. Als der Mann zur Tür hereinkommt, wirkt er ganz ruhig. Doch die Vorwürfe gegen den 56-jährigen St.Galler haben es in sich. Am Donnerstagmorgen stand der Mann wegen mehrfach versuchter Nötigung vor dem Kreisgericht. Er soll vor einem Jahr seine Pensionskasse in Flawil massiv bedroht haben. So arg, dass diese am Nachmittag des darauffolgenden Tages die Geschäftsstelle schloss.

Er will einfach nicht zahlen

Der Grund: Die Pensionskasse habe dem arbeitslosen geschiedenen Bademeister und Vater von zwei erwachsenen Kindern die Barauszahlung seiner Freizügigkeitsleistungen verweigert. Daraufhin soll der 56-Jährige in einer E-Mail gedroht haben, dass er einen «anderen Weg» einschlagen werde, der «nicht so gemütlich» sei. Was er genau damit meinte, will die Richterin wissen. Er könne nichts dazu sagen, antwortet der Mann.

Der Beschuldigte steht am Donnerstag alleine vor Gericht. Einzig zwei bewaffnete Polizisten begleiten den Mann. Während der gesamten Befragung und auch während des Gegenantrags wird eines deutlich: Der Beschuldigte ist sich keiner Schuld bewusst. Auf die Fragen der Richterin geht er nicht ein und antwortet ausweichend. Fakten oder nachvollziehbare Gründe bleiben aus. «Die Pensionskasse klaut mein Geld», sagt er.

Drohungen gegen Krankenkasse

Der Mann musste sich bereits zuvor wegen Nötigung vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten. Laut «Blick» bezahlte er seine Krankenkassenprämien nicht und sprach massive Drohungen gegen das Krankenkassen-Personal aus. So schrieb er damals in einem Brief, dass er Amok laufen werde. «Eine Betreibung wirkt bei mir wie eine Zündschnur bei einer Rakete. Ich werde irgendwann explodieren», zitierte ihn die Zeitung.

Damals sprach das Gericht den Mann allerdings frei.

Schuld sind immer die anderen

Im November 2018 hatte die Polizei den Mann wegen der im Oktober ausgesprochenen Drohungen gegen die Pensionskasse vorläufig für fünf Tage festgenommen. «Das war Freiheitsentzug», sagt er und zitiert die Bundesverfassung.« Ich wurde einfach 92 Stunden lang weggeschlossen», enerviert er sich.

Es scheint, als seien für den 56-Jährigen alle anderen Schuld an seiner Misere ausser er selbst. Völlig zusammenhangslos wettert er am Schluss auf einmal gegen «Ausländer und Asylanten». Er als Schweizer werde vom Staat nur benachteiligt und ausgenutzt.

Weitere Drohungen

Nach einer Stunde beendet die Richterin die Verhandlung. Während sie sich zurückzieht um über das Strafmass zu befinden, wartet der von den beiden Polizisten flankierte Beschuldigte im Vorraum. Auch ausserhalb des Gerichtssaals zeigt sich der Mann uneinsichtig – er hebt immer wieder seine Stimme und spricht Drohungen aus. Er werde nun zur Polizei gehen. Er wolle die Pensionskasse und den Staatsanwalt anzeigen. Er wolle nicht nur gegen den «Blick» vorgehen. Er richtet sich gegen die anwesende Journalistin und sagt:

«Ich zeige jetzt alle Medien an, die über mich schreiben.»

Der Mann beruhigt sich erst, als die Richterin aus dem Gerichtssaal kommt und ihn zur Ruhe mahnt.

Sechsmonatige Geldstrafe und Busse

Nach 20 Minuten bittet die Richterin die Anwesenden wieder in den Saal. Sie befindet den 56-Jährigen für schuldig. Er wird zu einer sechsmonatige Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 50 Franken bei einer Probezeit von drei Jahren sowie zu einer Busse von 1000 Franken verurteilt. Die Verfahrenskosten von insgesamt über 7000 Franken muss der Beschuldigte selbst bezahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten und eine Busse von 2400 Franken verlangt.

Beschuldigter erhält Geräte zurück, keine DNA-Analyse

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen hatte auch die Vernichtung eines beschlagnahmten Tablets und Smartphones des Beschuldigten beantragt. Diese lehnt die Richterin ab, da die Gegenstände die allgemeine Sicherheit nicht gefährdeten. Eine DNA-Probe und die Erstellung des DNA-Profils lehnt das Gericht ebenfalls ab.

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