45 Monate Gefängnis für Dealer

Das St. Galler Kantonsgericht hat einen Kokainhändler zu Recht zu einer Freiheitsstrafe von 45 Monaten verurteilt. Der Boss einer Bande hatte mit fast 1,3 Kilogramm gestrecktem Kokain gehandelt.

Urs-Peter Inderbitzin
Drucken
Teilen

ST. GALLEN. Der Kokaindealer war im Februar 2013 verhaftet worden. Zuvor hatte er im Raum Wil mit zwei Mittätern eine Drogenmenge von 1270 Gramm Kokaingemisch in den Verkehr gebracht. Ende Februar 2014 verurteilte das Kreisgericht Wil den Dealer wegen qualifizierten Drogenhandels, Körperverletzung und Führen eines Fahrzeugs in fahrunfähigem Zustand zu einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten. Davon hätte der Mann zehn Monate absitzen müssen. Der Rest ging auf Bewährung. Zudem erhielt der Mann eine bedingte Geldstrafe von 10 000 Franken sowie eine Busse von 1100 Franken.

Das Kantonsgericht St. Gallen bestätigte diese Verurteilung, erhöhte aber die Freiheitsstrafe auf 45 Monate – ein Strafmass, das keine bedingte Strafe mehr zulässt und den Kokainhändler deshalb für 45 Monate hinter Gitter bringt. Im Gegenzug reduzierte das Gericht die bedingte Geldstrafe auf 3000 Franken. An der Busse von 1100 Franken hielt das Kantonsgericht fest. Es legte in die Waagschale, dass der Mann als Kopf der Bande einzustufen und für den Kontakt zu den Drogenlieferanten in Frankreich und Deutschland verantwortlich war. Sein Verschulden erachtete das Kantonsgericht als beachtlich.

Bloss zehn Geschäfte

Dagegen erhob der Verurteilte Beschwerde ans Bundesgericht. Er wollte den Richtern in Lausanne weismachen, dass die Bestrafung unvertretbar hoch ausgefallen sei. Das Kokain sei von schlechter Qualität gewesen, er habe höchstens zehn Geschäfte getätigt und nur einen bescheidenen finanziellen Profit erzielt. Zudem habe er sich innerhalb der Kokainhandelskette auf einer tiefen Hierarchiestufe befunden. Er habe nicht gewerbsmässig gehandelt, stark unterdurchschnittlich vom Handel profitiert und das Leben eines Sozialhilfebezügers geführt.

Gewinn bis zu 44 450 Franken

Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Dealers abgewiesen. Nach Berechnungen des Kantonsgerichts hatte der Mann nämlich über deutlich mehr Geld verfügt, als er vom Sozialamt überwiesen erhalten hatte. So kaufte er für über 10 000 Franken Kokain und überwies rund 6400 Franken nach Albanien. Zudem bezahlte er einem Mittäter die Miete von 700 Franken pro Monat. Die Behörden hatten ausserdem errechnet, dass der Mann innerhalb von sechs Monaten Kokain von weit über 60 000 Franken umgesetzt und einen Gewinn zwischen 31 750 und 44 450 Franken erzielt hatte. Laut Bundesgericht hat das Kantonsgericht die «relevanten Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt und plausibel gewürdigt». Die Strafe von drei Jahren und neun Monaten für den bandenmässigen Handel von 1270 Gramm Kokain – auch wenn dieses stark gestreckt war – ist laut dem Urteil aus Lausanne angemessen.

Urteil 6B_662/2015

Aktuelle Nachrichten