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400'000 Franken für verwaisten Lehrstuhl an der HSG

Der Sponsoringvertrag für den Lehrstuhl des HSG-Professors, den die Universität wegen Spesenmissbrauchs angezeigt hat, liegt erstmals vor. Er zeigt: Die Lemann-Stiftung finanziert die Forschungsstelle auf Jahre hinaus mit jährlich 400'000 Franken.
Regula Weik, Odilia Hiller
Nach der Freistellung eines Rechtsprofessors wegen einer Strafanzeige muss die HSG improvisieren. (Bild: Urs Bucher)

Nach der Freistellung eines Rechtsprofessors wegen einer Strafanzeige muss die HSG improvisieren. (Bild: Urs Bucher)

«Wir freuen uns, dass die Universität St.Gallen mit der Lemann Foundation einen hervorragend vernetzten Partner für die schweizerisch-brasilianische Forschungsarbeit gefunden hat», sagte Rektor Thomas Bieger bei der Einrichtung des neuen Lehrstuhls für internationales Wirtschaftsrecht und Law and Economics. Er bereichere die Rechts- und Wirtschaftsausbildung an der HSG um weitere internationale Aspekte. Die Professur sei eine Investition in die langjährigen, historisch gewachsenen Beziehungen zu Lateinamerika. Der Lehrstuhl wurde auf das Frühjahrssemester 2014 eingerichtet. Sein Inhaber: Prof. Dr. iur. Dr. rer. pol. Peter Sester.

Wie ungebrochen die Freude der HSG am Lehrstuhl ist, ist schwer zu sagen. Klar ist: Die Beziehung zum Lehrstuhlinhaber zumindest hat sich deutlich abgekühlt. Der Universitätsrat hat Mitte Januar Strafanzeige gegen den Rechtsprofessor eingereicht und ihn per sofort sämtlicher Aufgaben entbunden (Aus­gabe vom 18. Januar). Sester wird vorgeworfen, übermässig Spesengelder bezogen zu haben. Die Rede ist von mutmasslich 100000 bis 120000 Franken, die er sich von 2014 bis 2018 unzulässigerweise auszahlen liess.

Vertragseinsicht unter Aufsicht

Die Spesenaffäre trägt der Universität seit Monaten negative Schlagzeilen ein. Die aktuelle Entwicklung führt nun dazu, dass sie einen Professor hat, der nicht lehrt, die HSG an sich aber sehr wohl Lehrverpflichtungen hat. Auf die Frage, wie die Universität die Vakanz von Sester im Frühlingssemester 2019 auffängt, antwortet Kuno Schedler, Prorektor Forschung & Faculty: Die Veranstaltungen würden auf die Kolleginnen und Kollegen aufgeteilt. Und längerfristig? Es ist nicht davon auszugehen, dass die Untersuchung gegen Sester in wenigen Wochen abgeschlossen ist. «Falls die Vakanz länger besteht, werden die Kurse im Herbstsemester 2019 durch Lehraufträge abgedeckt.»

Bereits früher gefragt ist die Sponsorin des Lehrstuhls, die Lemann Foundation. Die Stiftung des in Rapperswil-Jona wohnhaften brasilianisch-schweizerischen Milliardärs Jorge Paulo Lemann fördert Bildungsinitiativen in Brasilien, den USA und der Schweiz.

Sie hat die Finanzierung des Lehrstuhls für 16 Jahre zugesichert, also für die Dauer von zwei Amtsperioden einer Professur. Die nächste Jahrestranche der Stiftung wird am 1. Februar fällig, wie ein Blick in den Sponsoringvertrag zwischen der Lemann Foundation und der HSG zeigt. Der Vertrag enthält eine Vertraulichkeitsklausel. Und er stammt aus der Zeit, als der Kanton St.Gallen noch kein Öffentlichkeitsgesetz hatte. Die Universität musste daher die Stiftung darüber informieren, dass diese Zeitung Einblick in den Vertrag erhalten hat. Es bleibt denn auch beim Einblick – unter Aufsicht. Es wird weder eine Kopie des Vertrags ausgehändigt, noch dürfen die Vereinbarung oder Teile davon fotografiert werden.

Lehrstuhlinhaber rapportiert regelmässig der Stiftung

Aus dem Vertrag zwischen Stiftung und Universität geht hervor: Die Lemann Foundation finanziert den Lehrstuhl zu zwei Dritteln. Sie zahlt jährlich 400'000 Franken. 210'000 Franken pro Jahr leistet die HSG «für weitere Kosten». Die Universität hat zudem zugesagt, den Lehrstuhl nach Ablauf der Sponsorenzusage der Lemann Foundation mindestens acht Jahre weiter zu finanzieren. Der Lehrstuhlinhaber ist verpflichtet, der Stiftung regelmässig zu rapportieren.

Der Lemann Foundation und Rechtsprofessor Sester gemeinsam ist der starke Brasilienbezug. Die Frage drängt sich auf, ob der Lehrstuhl speziell für ihn eingerichtet worden war. Prorektor Schedler verneint: Die Professur sei damals ausgeschrieben worden. Sester habe das normale Berufungsverfahren für Professorinnen und Professoren durchlaufen. Gefördert werde der Lehrstuhl, nicht die Professur, betont der Prorektor. Die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre sei der HSG wichtig und Teil jedes Sponsoringvertrags.

«Solange die Strafuntersuchung läuft, müssen wir warten»

Kann der Sponsor aus dem Vertrag aussteigen, falls der Lehrstuhlinhaber bei ihm in Ungnade fällt oder, wie im Fall Sester, eine Strafuntersuchung gegen ihn eröffnet wird? Eine Ausstiegsklausel im engeren Sinn gibt es nicht. Im Vertrag heisst es dazu lediglich: Sollte ein Lehrstuhl nach sechs Jahren vakant und innert Jahresfrist kein passender Ersatz gefunden werden, könnten die Lemann Foundation und die Universität St.Gallen gemeinsam entscheiden, ob sie mit der Partnerschaft fortfahren – oder eben nicht.

Der Spielraum der Universität ist derzeit freilich gering. Schedler bestätigt, dass Sester wohl freigestellt sei, jedoch bis auf weiteres das volle Professorengehalt beziehe. «Solange die Strafuntersuchung läuft, müssen wir einfach warten.»

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