39 Gesuche um Kurzarbeit

Damit die Frankenstärke nicht zu Entlassungen führt, hat der Bundesrat Ende Januar Kurzarbeit erlaubt. Verschiedene, eher kleinere Firmen im Kanton St. Gallen wollen diese Möglichkeit nutzen.

Sina Bühler
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Industriebetriebe mit hohem Exportanteil leiden unter der Frankenstärke – manche müssen mit Kurzarbeit reagieren. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Industriebetriebe mit hohem Exportanteil leiden unter der Frankenstärke – manche müssen mit Kurzarbeit reagieren. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

ST. GALLEN. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses ist der Franken stark. Unternehmen, die in der Schweiz produzieren, befürchten deshalb, bald weniger exportieren zu können. Die Gewerkschaften ihrerseits machen sich Sorgen, dass nun als erstes Arbeitsplätze gestrichen werden. Kurzarbeit kann in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Entlassungen vermeiden.

Am 27. Januar bewilligte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann die Einführung von Kurzarbeit aufgrund der Frankenstärke. Das ist ein ausserordentlicher Entscheid, denn normalerweise gelten Devisenschwankungen als unternehmerisches Risiko.

Gewerkschaften und Politiker aller Parteien reagierten erfreut auf den Entscheid. Bereits während der Finanzkrise 2009 und der Eurokrise 2011 hatten mit dieser Massnahme Entlassungen verhindert werden können.

Eher kleinere Firmen

Obwohl Schneider-Amman vor zwei Wochen noch vermutete, so schnell würde wohl keine Kurzarbeit beantragt, hat das St. Galler Amt für Wirtschaft AWA bereits einige Anfragen erhalten. Amtsleiter Peter Kuratli: «Seit Anfang Januar haben wir 39 Gesuche um Kurzarbeit erhalten. 18 davon geben als Ursache Devisen- oder Währungskurse an.»

Um welche Firmen es sich handelt, darf Kuratli nicht sagen. Es sind wohl eher kleinere Unternehmen, denn auch Thomas Wepf von der Gewerkschaft Unia sagt: «Nach unseren Informationen sind bisher keine grösseren Firmen dabei.»

Was bedeutet Kurzarbeit überhaupt? Erleiden Betriebe kurzfristig und vorübergehend einen Auftragseinbruch, können sie damit die Arbeitszeit reduzieren oder ganz einstellen, ohne dass sie deswegen Personal entlassen müssen. Für die Zeit, in der nicht gearbeitet wird, bezahlt die Firma auch keinen Lohn. Diesen übernimmt zu 80 Prozent die Arbeitslosenversicherung. Im Unterschied zum Taggeld wird die Entschädigung aber nicht den einzelnen Arbeitnehmenden, sondern den Firmen überwiesen.

Einverständnis nötig

Kurzarbeit ist für maximal zwölf Monate möglich, innerhalb einer Frist von zwei Jahren. Der Vorteil für Firmen dabei: Die Lohnkosten sinken, während die Angestellten weiterhin zur Verfügung stehen. Die Vorteile für Angestellte: Sie können ihre Stelle behalten, und die Entschädigung ist meist höher als das Arbeitslosentaggeld.

Ohne ihr Einverständnis können Angestellte aber nicht zu Kurzarbeit gezwungen werden, schliesslich bedeutet die Massnahme eine – wenn auch geringe – Lohneinbusse. Lernende sind davon ganz ausgenommen. Wem Kurzarbeit verordnet wird, der muss in der arbeitsfreien Zeit nicht im Betrieb anwesend sein. Er kann sich für diese Zeit sogar eine Nebenbeschäftigung suchen. Ist die Arbeit ganz eingestellt, ist er nach dem ersten Monat sogar verpflichtet, sich eine Nebenbeschäftigung zu suchen.

Kanton muss kontrollieren

Alle Anträge auf Kurzarbeit müssen vom Kanton nicht nur bewilligt, sondern auch genau kontrolliert werden. «Dazu gehört auch die Überprüfung der jeweiligen Begründung für den Antrag», sagt AWA-Leiter Peter Kuratli. Und solange die Auftragsbücher eines Unternehmens noch voll seien, sei Kurzarbeit nicht möglich, denn: «Kurzarbeit setzt einen Arbeitsausfall voraus.» Einen solchen können viele Unternehmen in der Industrie eben noch nicht beklagen, meint dazu auch Gewerkschafter Thomas Wepf. «Im Gegenteil, wir hören viel eher, dass die Arbeitszeit bei gleichem Lohn heraufgesetzt wird. Wir wissen von zwei Ostschweizer Firmen, die kurzfristig die Arbeitszeit im Schichtbetrieb um zwei Stunden pro Woche erhöht haben. Und zwar indem sie eine zusätzliche Schicht am Samstag eingeführt haben.» Diese faktische Lohnkürzung ist auch eine Sparmassnahme – eine, die im Gegensatz zur Kurzarbeit von den Angestellten alleine getragen werden muss.

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