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34 Pferde vernachlässigt

Das St. Galler Veterinäramt hat 22 verelendete Pferde einer Halterin auf einem Hof in Andwil beschlagnahmen lassen. Doch nicht genug: Ein Bischofszeller hat 12 Pferde in Obhut, die ebenfalls der gleichen Halterin gehören.
Den beschlagnahmten Pferden geht's nach behördlicher Pflege und Fütterung inzwischen wieder gut. (Bild: TVO)

Den beschlagnahmten Pferden geht's nach behördlicher Pflege und Fütterung inzwischen wieder gut. (Bild: TVO)

Eine Ostschweizer Tierhalterin ist mit ihren Pferden off ensichtlich überfordert – und stellt sich der Verantwortung nicht. Gemäss Recherchen von TVO gehören der Frau jene 22 verwahrlosten Pferde, die das St. Galler Veterinäramt vor einigen Wochen auf einem Hof in Andwil beschlagnahmen musste. Sowie weitere 12 Pferde in der Gertau bei Bischofszell, wie der Fernsehsender gestern berichtete. Dort kümmert sich Werner Attinger auf seiner Pferdepension um die Vierbeiner, die ihm in «schlechtem Zustand» übergeben worden seien.

Den Pferden geht's besser

«Den Pferden geht's immer besser, aber mir immer schlechter», sagte Attinger lakonisch gegenüber TVO. Weil er in seiner Pferdepension gut zu den Tieren schaut, ist diese Situation im Gegensatz zur Tragödie einige Kilometer davon entfernt in Andwil kein Fall für den Tierschutz. Die St. Galler Behörden haben allerdings eine Anzeige empfohlen, was Attinger bereits gemacht hat: Nachdem er zwei Monate nichts mehr von der Halterin gehört habe, sei ihm angesichts der «untragbaren Situation» nichts anderes übrig geblieben. Der Pferdepension-Betreiber hofft nun, dass die Frau die Papiere für eine Verwertung ihrer Tiere – etwa mittels einer Auktion – unterzeichne.

Besser geht's mittlerweile auch jenen Pferden, die auf einem Hof in Andwil fast zu Grunde gingen. Nach mehreren Hinweisen und Klagen schritt dort das St. Galler Veterinäramt ein und traf auf ungeheuerliche Zustände: Die Pferde hatten kein Futter, viel zu wenig Platz und standen in einem Stall voller Exkremente. «Wir mussten handeln», sagte der St. Galler Tierschutzbeauftragte Franz Blöchlinger. Auch die Behörden hätten den Kontakt zur Halterin vergeblich gesucht. Nun haben sie der Frau in der ganzen Schweiz ein Tierhalteverbot angedroht und auch die österreichischen Behörden informiert – weil die Halterin mittels Anzeigen in Zeitschriften bereits grenzüberschreitend nach neuen Stallungen suche.

«Verkaufen oder Schlachten»

Laut Blöchlinger hat die Frau noch zehn Tage Zeit, um sich um ihre beschlagnahmten Pferde zu kümmern. Ansonsten würden die Vierbeiner von Staats wegen verkauft oder geschlachtet. Man habe das «Trauerspiel» beenden und andere Hofbesitzer schützen müssen, meint Janette Mettler, die bis vor kurzem auf dem Hof in Andwil gearbeitet hat und die Pferdehalterin persönlich kennt. Wie anderen Leuten sei die Frau auch ihr noch Geldbeträge schuldig, sagt die frühere Hof-Mitarbeiterin. Auf eine Kontaktaufnahme der TV-Journalistin hat die Halterin nicht reagiert.

Unter dem Titel «Wenn falsche Tierliebe in die Misere führt» berichtet auch die Fachzeitung «Pferdewoche» über den Ostschweizer Fall. Demnach ist die Halterin schon seit längerer Zeit in der Bredouille; sie sei in einem Hof im Thurgau mit ihren Pferden – Hengste, Stuten, Fohlen verschiedener Rassen – auf die Strasse gestellt worden, nachdem sie die Miete ein Jahr nicht bezahlt habe.

Bereits mehrfach verschoben

Dann habe die Frau, so die «Pferdewoche», die Vierbeiner auf ihre 25jährige Nichte überschrieben und in mehreren Pensionsställen und auf Bauernhöfen untergebracht, etwa in Herisau oder Brunnadern (wo eine Betreibung hängig sei). Schliesslich seien die Pferde erneut verschoben worden. Im Artikel wird der St. Galler Tierarzt und Leiter des kantonalen Veterinäramtes, Albert Fritsche, zitiert: «Im Moment sind die Pferde durch uns gut versorgt, und die rechtlichen Fristen laufen. Es geht in Richtung <keine Pferdehaltung mehr> – vorbehaltlich allen rechtlichen Entscheiden.»

Dabei glaubt niemand, dass die Frau ihre Tiere in böswilliger Absicht leiden lässt. Vielmehr dürfte ihr die Tierliebe über den Kopf gewachsen sein. Oder wie Fritsches Kollege Blöchlinger meint: «Die Tierhalterin hat die Arbeit unterschätzt und ist überfordert. Vielleicht ist sie sogar froh, wenn sie die Tiere nicht mehr hat.» (mel)

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