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30 statt 9 Kubikmeter pro Sekunde: Der Bodensee verdunstet stärker als im Durchschnitt

Nicht nur der Sämtisersee hat viel Wasser verloren. Auch der Bodensee ist vom trockenen und warmen Wetter betroffen: Der Pegelstand ist um einen Meter gesunken, das Wasser verdunstet stärker als üblich.
Tim Frei
Ein von Algen umgebener Steg zeigt sich bei geringem Wasserstand im Bodensee in Steinach. (Bild: Keystone)

Ein von Algen umgebener Steg zeigt sich bei geringem Wasserstand im Bodensee in Steinach. (Bild: Keystone)

Sie werden immer grösser: Die Kies- und Erdflächen, welche am Grund des Sämtisersees sichtbar werden. Der See im Kanton Appenzell Innerrhoden ist aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der hohen Temperaturen kaum mehr als solcher zu erkennen. «Komplett ausgetrocknet ist er nicht. Es gibt nach wie vor eine geringe Restfläche des stehenden Gewässers», sagt Franziska Wyss, Leiterin Amt für Umwelt beim Kanton Appenzell Innerrhoden. Wie gross diese Fläche aktuell und welche Wassermenge verdunstet ist, kann Wyss nicht sagen: «Die Pegelstände der Alpsteinseen werden nicht kontinuierlich gemessen.»

Der Sämtisersee ist fast ausgetrocknet. (Bild: Migg Hehl/PD)

Der Sämtisersee ist fast ausgetrocknet. (Bild: Migg Hehl/PD)

Ein neues Phänomen ist der fast ausgetrocknete Sämtisersee nicht. «Das kommt alle paar Jahre mal vor. Im Hitzesommer 2003 war er ebenfalls stark reduziert», so Wyss. Trinkwasser wird aus dem See nicht bezogen: «Er wird zwar für Viehtränken verwendet, nicht aber für Trinkwasser.» Nicht nur bei kleinen Seen macht sich das aktuelle Wetter und damit ebenfalls die Verdunstung bemerkbar – sondern auch bei grossen, wie dem Bodensee mit einem Volumen von 48 Kubikkilometern, ist dieser Effekt nicht zu vernachlässigen.

Von 4,25 auf 3,25 Meter in rund zwei Monaten

Der Pegelstand des Bodensees ist von Mitte Juni bis Anfang August um einen Meter gesunken – von rund 4,25 auf 3,25 Meter. Dies zeigen Messungen der Hochwasservorhersagezentrale des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg.

«Der Wasserstand des Sees ist abhängig vom Zu- und Abfluss», sagt Maria Quignon, Sprecherin des Zweckverbandes Bodensee-Wasserversorgung.

Ein Teil davon sei die Verdunstung. In den vergangenen 20 Jahren verdunsteten durchschnittlich neun Kubikmeter pro Sekunde am Bodensee (siehe Infografik). Zum Vergleich: 360 Kubikmeter fliessen pro Sekunde in den See, 363 fliessen ab. Zudem werden sechs von Wasserwerken entnommen, 18 stossen mit dem Niederschlag in das stehende Gewässer. Mit neun Kubikmetern pro Sekunde spiele die Verdunstung im Normalfall «keine grosse Rolle», so Quignon weiter. Bei Trockenheitsphasen und hohen Temperaturen wie in diesem Sommer wirkt sich die Verdunstung aber stark aus, erklärt Rolf Weingarter. Der Hydrologie-Professor vom Geografischen Institut der Universität Bern sagt:

«Je höher die Netto-Strahlung ist - und damit auch die Temperatur -, desto mehr Wasser verdunstet. Niederschlag und bewölktes Wetter würden das Phänomen abschwächen – die Verdunstung geht dann stark zurück.»

Der Wind wirke dagegen verstärkend: «Er transportiert die feuchte Luft ab, sodass die Luft weiterhin Wasser aufnehmen kann. Damit kann immer mehr Wasser verdunsten.»

Derzeit rechnet Weingartner mit einem Verdunstungswert von 30 Kubikmetern Wasser pro Sekunde am Bodensee: «An einem solchen Sommertag wie heute verdunsten von der Seeoberfläche circa fünf Millimeter Wasser (0,005 Kubikmeter pro Quadratmeter und Tag)», sagte der Hydrologe gestern. Bei einer Seefläche von 536 Quadratkilometern (Ober- und Untersee) ergebe dies einen Verdunstungswert von 2,68 Millionen Kubikmetern pro Tag, was 30 Kubikmeter pro Sekunde entspreche.

Wasser für 5,5 Millionen schnell wieder im See

Der Bodensee hat eine nicht zu unterschätzende Rolle: Rund 5,5 Millionen Menschen – darunter auch solche aus den Kantonen St.Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden – beziehen Trinkwasser aus ihm. Dies entspricht einer Gesamtmenge von circa 170 Millionen Kubikmeter pro Jahr respektive rund 466000 Kubikmeter pro Tag.

Letztere Menge fliesst in einer halben Stunde in den See zurück, berichtete die Schweizerische Nachrichtenagentur vergangene Woche. Marco Baumann, Leiter Wasserbau und Hydrometrie beim Kanton Thurgau bestätigt: «Diese Menge fliesst in der Tat in 30 Minuten dem Bodensee zu – alleine durch den Rhein.»

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