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282 Straftaten gegen Kinder im Kanton St.Gallen – die Hälfte betreffen sexuelle Handlungen oder Pornografie

2018 wurden im Kanton St.Gallen erstmals Kennzahlen zu Straftaten gegen Kinder zusammengetragen. So wurden in St.Gallen im vergangenen Jahr 282 Straftaten gegen Kinder angezeigt.
Tim Naef
Jährlich rücken Stadt- und Kantonspolizei mehr als 1000 Mal wegen häuslicher Gewalt aus. (Bild: Keystone)

Jährlich rücken Stadt- und Kantonspolizei mehr als 1000 Mal wegen häuslicher Gewalt aus. (Bild: Keystone)

Bisher existierten im Kanton St.Gallen Kennzahlen zum Kindesschutz nur sehr vereinzelt, schreibt die St.Galler Staatskanzlei in einer Medienmitteilung. Im Rahmen der kantonalen Strategie zum Kindesschutz seien nun erstmals bestehende Kennzahlen zusammengetragen und neue Kennzahlen erhoben worden.

Kinder als direkte Opfer von angezeigten Straftaten

So wurden im Jahr 2018 bei der Kantonspolizei 282 Straftaten mit Bezug zu Kindeswohlgefährdungen angezeigt. Ungefähr die Hälfte davon waren Straftaten gegen die sexuelle Integrität (140 Straftaten). Dies seien beispielsweise sexuelle Handlungen mit Kindern oder Pornografie, so die Staatskanzlei. Am zweithäufigsten waren Straftaten gegen Leib und Leben (84 Straftaten). Dazu würden etwa einfache Körperverletzungen gehören.

Drohungen und andere Straftaten gegen die Freiheit wurden 53 Mal angezeigt. Straftaten im Bereich Familie, wie beispielsweise die Verletzung der Fürsorgepflicht, wurden bei der Polizei nur selten angezeigt (5 Straftaten). «Diese Fälle werden jedoch häufig nicht angezeigt, sondern über die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) bearbeitet», heisst es im Communiqué.

Von den 282 Straftaten waren in 139 Fällen Kinder unter 15 Jahren und in 143 Fällen Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren betroffen. Die Auswertung zeigt, dass bei Kindern die Straftaten «Sexuelle Handlungen mit Kindern» oder «Pornografie» häufiger sind, bei Jugendlichen hingegen «einfache Körperverletzungen» oder «Drohungen».

Kinder als Mitbetroffene von häuslicher Gewalt

«Jährlich rücken Stadt- und Kantonspolizei mehr als 1000 Mal wegen häuslicher Gewalt, tätlichen Konflikten oder verbaler Streit-Eskalationen zu Paaren oder Familien aus», führt die Staatskanzlei aus. Insgesamt waren 658 Kinder und Jugendliche von solchen Polizeieinsätzen betroffen; 78 dieser Kinder bereits mehr als einmal in diesem Jahr.

Auch wenn sich die Gewalt nicht direkt gegen Kinder richten würde und auch wenn sie im Moment einer Eskalation nicht anwesend seien, so würden sie doch meist stark davon tangiert werden, heisst es in der Mitteilung. So seien sie psychischer Gewalt ausgesetzt, auch wenn sich die Kinder lediglich in einem Nebenraum die Gewalthandlungen mitanhören müssten oder die Auswirkungen der Gewalt, «wie Verletzungen oder Verzweiflung, an den Eltern wahrnehmen».

Elf Mal das Sorgerecht entzogen – Zahlen zur Kesb

2018 waren im Kanton St.Gallen 2698 Kinder von 3403 Kindesschutzmassnahmen betroffen. «In den meisten dieser Fälle wurde eine Beistandschaft errichtet, um die Eltern in der Erziehung zu unterstützen und die Interessen des Kindes zu wahren (2'450 Fälle bzw. 72 Prozent)», schreibt die Staatskanzlei weiter.

In 291 Fällen (9 Prozent) ist das Aufenthaltsbestimmungsrecht aufgehoben und das Kind in einer Institution oder Pflegefamilie untergebracht worden. In elf Fällen (0,3 Prozent), wurde die stärkste Massnahme, der Entzug der elterlichen Sorge, ergriffen.

UN ermahnte die Schweiz

«Die Vereinten Nationen fordern, dass es einfacher sein muss, die Situation von Kindern – insbesondere von gefährdeten Kindern – zu analysieren», heisst es im Communiqué. Im Rahmen der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention sei die Schweiz daher ermahnt worden, ihr Datenerhebungssystem zu verbessern.

Im Kanton St.Gallen habe die Kindesschutz-Konferenz für das Jahr 2018 deshalb erstmals Kennzahlen zusammengetragen, die quantitative Aussagen zum Kindesschutz ermöglichen würden. Längerfristig sollen die Kennzahlen auch Entwicklungen und Veränderungen aufzeigen.

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