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Masernverdacht im Rheintal: 21 Tage daheim – aus Angst vor der Krankheit

Kinder aus dem Rheintal könnten sich in Liechtenstein mit Masern angesteckt haben.
Das Kantonsarztamt hat Schutzmassnahmen eingeleitet. Diese haben vor kurzem schon einmal ihre Wirkung gezeigt.
Katharina Brenner
Schön bunt, aber gefährlich: Das hochansteckende Masern-Virus kann zu schweren Komplikationen und sogar zum Tod führen. (Bild: Getty)

Schön bunt, aber gefährlich: Das hochansteckende Masern-Virus kann zu schweren Komplikationen und sogar zum Tod führen. (Bild: Getty)

Im Fürstentum ist ein Masernfall aufgetreten. Während sich eine Gruppe von Kindern aus der Ukraine im Kinderheim in Schaan aufhielt, erkrankte eines von ihnen. Inzwischen ist es wieder gesund und die Gruppe nach Hause gefahren.

Ennet der Grenze hat der Fall jedoch ein Nachspiel. Im Hallenbad Triesen habe es «Kontaktmöglichkeiten» gegeben, bei denen man sich hätte anstecken können, schreibt das Liechtensteiner Amt für Gesundheit. Abklärungen zum Impfstatus von rund 100 Kontaktpersonen hätten ergeben, dass «einige wenige» keine Impfung oder durchgemachte Masernerkrankung nachweisen konnten.

Das Kantonsarztamt hat Familien kontaktiert

Danuta Reinholz, Kantonsärztin St.Gallen (Bild: PD)

Danuta Reinholz, Kantonsärztin St.Gallen (Bild: PD)

«Darunter sind zwei Kinder aus dem Rheintal, die nicht geimpft waren», sagt Kantonsärztin Danuta Reinholz. Ihr Amt hat die betroffenen Familien kontaktiert. Die beiden Kinder dürfen während 21 Tagen keine Schule oder Kindertagesstätte besuchen. So lange dauert die Inkubationszeit bei Masern – die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Infektionskrankheit.

Diese Massnahme hat sich gemäss Reinholz sehr gut bewährt. Erst Anfang Jahr hat sie Erfahrung damit gemacht: Mit fünf Fällen von Masern, vier in Widnau und Altstätten, einer in Grabs. Betroffen waren aber keine Kinder, sondern 20- bis 40-Jährige. Die Kantonsärztin findet das nicht verwunderlich. Die Masern seien zwar eine Kinderkrankheit, aber «ungeimpfte, nichtimmune Erwachsene» können sich genauso anstecken. Gerade die 20- bis 40-Jährigen seien als Kinder häufig nur einmal geimpft worden, damals hätten die Impfempfehlungen anders gelautet.

Nachholimpfung ist in jedem Alter möglich

Heute empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zwei Dosen: Die erste im Alter von 12 Monaten, die zweite zwischen 15 und 24 Monaten. Eine Nachholimpfung ist in jedem Alter möglich. Reinholz empfiehlt jedem, einen Blick ins Impfbüchlein zu werfen. Die St.Galler Kantonsärztin betont, wie gravierend eine Masernerkrankung verlaufen kann.

«Von den fünf erkrankten Personen mussten zwei mit einer Lungenentzündung ins Spital.»

Eine von ihnen hatte sich in Asien mit Masern infiziert und zurück in der Ostschweiz andere.

Höheres Risiko in Schulen und bei Hochzeiten

Analog zum Fall in Liechtenstein führte das Kantonsarztamt Abklärungen bei Personen durch, die mit den Infizierten Kontakt hatten. Schulen, Büros, das Zuhause oder Hochzeiten seien typische Orte für Ansteckungen, so Reinholz.

«Pro Fall kommen rasch 50 Personen zusammen, die wir fragen müssen, ob sie geimpft oder immun sind. Masernfälle sind unheimlich Ressourcen raubend.»

Die fünf Fälle Anfang Jahr nennt Reinholz einen «kleinen Ausbruch». Im März gibt es bisher keine Fälle. Die anderen Ostschweizer Kantone sind dieses Jahr bisher masernfrei. In Innerrhoden hat es in den letzten sieben Jahren, in Ausserrhoden in den letzten fünf Jahren keinen einzigen Fall gegeben; im Thurgau seit drei Jahren keinen mehr. St.Gallen zählte im Jahr 2018 drei Fälle.

Madagaskar hat die meisten Masernfälle

Die aktuellsten Zahlen des BAG zur Durchimpfungsrate von 2-Jährigen stammen aus dem Zeitraum 2014 bis 2016. In Ausserrhoden und im Thurgau lag sie bei 85 bis 89 Prozent, in den Kantonen St.Gallen und Innerrhoden bei 80 bis 84 Prozent.

Reinholz verweist auf den Impfschutz mit Blick auf die Ferienzeit, da Masern in vielen Ländern ein Problem seien. Die Weltgesundheitsorganisation sammelt die gemeldeten Masernfälle weltweit. Aus Daten der zweiten Jahreshälfte 2018 hat sie eine Liste erstellt. Madagaskar steht mit knapp 60'000 Masernfällen an erster Stelle. An zweiter steht mit gut 40'000 Fällen die Ukraine.

Masern: die Krankheit, die Zahlen, die Impfung

Masern tauchen dieses Jahr nicht nur vermehrt im Kanton St.Gallen auf, sondern auch in anderen Teilen der Schweiz.

Die Krankheit

Masern sind eine virale Infektionskrankheit, ausgelöst durch das hochansteckende Masern-Virus. Es wird über Tröpfcheninfektion übertragen, etwa durch Husten oder Niesen. Patrick Mathys, stellvertretender Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, sagt: «Masern sind alles andere als eine harmlose Krankheit.» In Industrieländern leide jede zehnte an Masern erkrankte Person unter Komplikationen wie Lungen- oder Hirnhautentzündung. «Eine von 3000 Personen stirbt an Masern. Auch in der Schweiz gibt es Maserntote.»

Die Zahlen

Im Vergleich zu 2018 ist in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres die Zahl der Masernerkrankungen in der Schweiz in die Höhe geschnellt. Im Kanton Bern sind seit Anfang Jahr 37 Personen an Masern erkrankt. Allein an einer Rudolf-Steiner-Schule in Biel steckten sich im Februar zwölf Schüler mit dem Virus an.

Die Impfung

«In der Schweiz ist es seit 1970 möglich, sich gegen Masern impfen zu lassen», sagt Mathys. Die Durchimpfungsrate liegt mit zwei Dosen bei den 16-Jährigen bei 94 Prozent. Ziel sei, dass 95 Prozent der Bevölkerung mit zwei Dosen gegen Masern geimpft sind. «Ab diesem Wert werden Masernausbrüche unwahrscheinlich und damit sind auch Personen geschützt, die sich nicht impfen können, wie zum Beispiel Krebspatienten, die eine Chemotherapie machen müssen.»

Die Impfgegner

Ein Gericht in Basel-Landschaft hat einer Mutter Recht gegeben, welche die gemeinsamen Kinder im Gegensatz zum Ex-Mann nicht impfen lassen wollte. Mathys sagt: «Eltern haben durchaus das Recht, ihre Kinder nicht zu impfen. Sie müssen aber damit rechnen, dass die Kinder von der Schule ausgeschlossen werden können. Die Gspänli haben genau so das Recht, nicht angesteckt zu werden.» (bro)

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