2023 die ersten «Joint-Ärzte»

St. Galler Medizinstudenten, die nächsten Herbst in Zürich mit der Ausbildung beginnen, sollen sie 2020 auf Masterstufe in St. Gallen fortsetzen können. Die St. Galler Regierung favorisiert dieses Kooperationsmodell.

Regula Weik
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Besprechung von Ärzten am Spital Flawil. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone ( Flawil, 25. Juni 2009))

Besprechung von Ärzten am Spital Flawil. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone ( Flawil, 25. Juni 2009))

Der Aufmarsch der Honoratioren für die gestrige Medienkonferenz ist beeindruckend: Gesundheitschefin Heidi Hanselmann, Bildungschef Stefan Kölliker, HSG-Rektor Thomas Bieger, Kantonsspital-CEO Daniel Germann. Die Präsenz der vier bekräftigt: St. Gallen ist es mit dem Masterstudiengang in Medizin ernst. Die Idee, klinische Ausbildungsplätze in St. Gallen anzubieten, hat denn auch klare Konturen gewonnen. «Sie hat ein Fundament erhalten und ist kein Luftschloss mehr», sagt Gesundheitschefin Heidi Hanselmann. Die Regierung hat entschieden, auf welchem Weg sie den Medical Master in St. Gallen umsetzen will – nämlich in Kooperation mit der Universität Zürich und dem Universitätsspital Zürich. Studierende aus der Ostschweiz sollen dort das Bachelor-Grundstudium absolvieren und danach für ihren Master nach St. Gallen wechseln. Dieses Kooperationsmodell ist aus St. Galler Sicht der realistischste – zeitlich, finanziell und inhaltlich. Es werde ein spezielles «St. Galler Profil», einen besonderen Fokus auf ambulante und stationäre Grundversorgung aufweisen. «Wir wollen nicht einfach mehr Ärzte ausbilden. Wir wollen sie in jenen Disziplinen ausbilden, wo der Mangel im Kanton am grössten ist», sagt die Gesundheitschefin. Hinzufügen liesse sich: Auch das Interesse der St. Galler Medizinstudierenden ist gross. Eine Umfrage hat nämlich gezeigt: 37 Prozent wollen nach dem Studium in der Grundversorgung tätig sein; das sind deutlich mehr als in andern Regionen. Schweizweit favorisiert nur jeder zehnte Medizinstudent die Tätigkeit in der Grundversorgung. Auch weitere Umfrageergebnisse haben die Regierung in ihrem Ansinnen bestärkt. 90 Prozent der derzeitigen St. Galler Medizinstudierenden finden einen Masterstudiengang in ihrem Heimatkanton attraktiv. 55 Prozent würden einem Master in St. Gallen gegenüber ihrem aktuellen Studienort den Vorzug geben.

Signale aus Zürich sind positiv

Definitiv unter Dach und Fach ist der «Joint Medical Master St. Gallen» noch nicht; das definitive «Go» und die Unterschrift der Zürcher Regierung stehen noch aus. Doch die St. Galler sind zuversichtlich. Im Grundsatz habe es bislang «ein Okay aus Zürich» gegeben, sagt Heidi Hanselmann. Fürchtet sie nicht, dass der aktuelle Entscheid der St. Galler Regierung von den Zürcher Kollegen als Vorpreschen oder gar als Unter-Druck-Setzen ausgelegt werden könnte? «Wir äussern damit vielmehr den klaren Wunsch, mit Zürich zusammenarbeiten zu wollen», sagt die Gesundheitschefin. Im Sommer hatte der Zürcher Regierungsrat mitgeteilt, dass er ein Bildungsnetzwerk Humanmedizin schaffe, um mehr medizinische Studienplätze anbieten zu können. Diesem soll auch St. Gallen angehören. Der Grundstein für eine gemeinsame Zukunft in der Ausbildung von Medizinern sei damit gelegt, sagte damals die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner.

«Die Ampeln stehen auf grün», stellt auch der St. Galler Bildungschef Stefan Kölliker fest. Die Federführung für den Medical Master ist neu in seiner Hand. Dies weil zahlreiche noch erforderliche Beschlüsse auf nationaler Ebene in Bildungsgremien gefasst werden. Viel Zeit, potenzielle St. Galler Masterstudierende anzuwerben, bleibt nicht. Die ersten 30 bis 40 Studierenden der «Kohorte St. Gallen» sollen bereits nächsten Herbst in Zürich mit der Ausbildung beginnen. Klappt dies, werden sie 2020 ihr Studium in St. Gallen fortsetzen und es 2023 mit einem «Joint Medical Master» der Universitäten St. Gallen und Zürich abschliessen können.

Etwas weniger rasch als die Studierenden ist die St. Galler Bevölkerung gefragt. Erst 2018 kommt es zur Volksabstimmung über den neuen Masterstudiengang. Dies aus zwei Gründen: Zum einen muss das Universitätsgesetz angepasst werden, zum andern hat das neue Angebot finanzielle Konsequenzen. Bildungschef Kölliker mag sich nicht zu den Kosten des «Joint Medical Masters» äussern; es dürfte sich aber um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln. Es sei noch offen, wie teuer der Vollbetrieb ohne Bundesunterstützung zu stehen komme, sagt der Bildungschef.

Noch ist offen, wie viel Geld vom Bund kommt

Noch offen ist auch, wie stark sich der Bund am Aufbau des St. Galler Angebots beteiligen wird. Der Bundesrat hat Anfang Jahr eine Anschubfinanzierung von 100 Millionen Franken über die nächsten vier Jahre beschlossen – mit dem Ziel, die gegenwärtig knapp 1000 Studienplätze für Mediziner auf dannzumal 1300 schweizweit zu erhöhen.

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