Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Krach um Sonderschüler: 20 Kinder dürfen nicht an die Sprachheilschule

60 Kinder aus den Regionen Wil und Rorschach wurden an die Sprachheilschule St.Gallen angemeldet. 20 davon kommen auf eine Warteliste. Rorschachs Schulratspräsident ist empört über das Vorgehen des Bildungsdepartements.
Roman Hertler
An der Sprachheilschule gäbe es noch genügend Plätze. (Bild: Hanspeter Schiess)

An der Sprachheilschule gäbe es noch genügend Plätze. (Bild: Hanspeter Schiess)

Guido Etterlin kann seinen Ärger über das St.Galler Bildungsdepartement kaum verbergen. «Es ist schlichtweg inakzeptabel», sagt der SP-Kantonsrat und Rorschacher Stadtrat und Schulratspräsident. Von den schulpsychologischen Diensten Wattwil und Rorschach – notabene kantonale Institutionen – wurden fürs kommende Schuljahr rund 60 Kinder regelkonform der Sprachheilschule St.Gallen zugewiesen. Das Bildungsdepartement hat nun ­offenbar entschieden, dass rund 20 Schülerinnen und Schüler auf eine Warteliste kommen. «Und das, obwohl eigentlich genügend Plätze vorhanden wären», ärgert sich Etterlin. «Der Kanton will ­offenbar auf Kosten von Kindern mit Sprachbehinderung sparen.»

Der Unterricht in der Sprachheilschule kostet im Kanton St.Gallen 43000 Franken pro Kind und Jahr. Davon bezahlen die Schulträger, sprich die Schulgemeinden, 36000 Franken, der Kanton demnach etwa 7000 Franken. Mit der Platzierung der 20 Kinder auf der Warteliste ergibt sich für den Kanton eine Einsparung von rund 140000 Franken für 2018.

Sprachheilbeschulung nur, wenn wirklich nötig

Etterlin hat sich im Mai mit einer einfachen Anfrage zum Thema an die Regierung gewandt. Nun liegt die Antwort der Regierung vor. Darin heisst es, die Zahl der Anmeldungen an die Sprachheilschulen für das kommende Schuljahr sei stark gestiegen. Dieser Anstieg sei auf einige Gemeinden in den Regionen Wil und Rorschach zurückzuführen. In anderen Regionen seien die Anmeldungen stabil geblieben oder gar zurückgegangen. Insbesondere die Stadt St. Gallen habe grosse Anstrengungen unternommen, Kinder mit Sprach- und anderen Behinderungen in die Regelklassen der Quartierschulhäuser zu integrieren. So ist dies auch im neuen Sonderpädagogik-Konzept (SOK) vorgesehen, das 2015 vom Bildungsdepartement erlassen wurde. Die Regierung will den Vorwurf der Sparmassnahme nicht gelten lassen.
Auf das kommende Schuljahr hin seien die Sprachschulplätze
im bisher unterdurchschnittlich versorgten Rheintal ausgebaut worden. Dabei sei die «Überversorgung für einzelne Regionen, darunter die Region St.Gallen, noch nicht reduziert» worden.

«Das Ganze ist doch hanebüchen», sagt Etterlin dazu. «Mit den Wartelisten wird das Problem nicht gelöst, sondern höchsten aufgeschoben und aufgestaut, wenn nicht gar verschlimmert.» Unter Fachleuten sei anerkannt, dass Kinder mit Sprachbehinderungen möglichst früh sonderbeschult werden müssen, damit die Probleme nicht verschärft werden. Gleichzeitig liege es aber nicht zuletzt im Interesse der Kinder und deren Eltern, dass die Kinder wenn irgend möglich die Regelklasse in ihrer Wohngemeinde besuchen. Entsprechend zeige sich in der Praxis, dass die Schulpsychologischen Dienste zwar möglichst auf eine Sprachheilbeschulung verzichten. Wenn es aber nötig ist, dann müsse die Sonderschulung möglichst früh erfolgen.

In ihrer Antwort schreibt die Regierung weiter, langjährige und interkantonale Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Sonderschulung insgesamt 2,5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler vorbehalten sei. «Schulträger, die sich deutlich über diesem Richtwert bewegen, sind eingeladen, die Zuweisungspraxis zu überprüfen.» Die Region Rorschach weist eine Sonderschulquote von 2,8 Prozent auf, in der Region Wil sind es 2,9 Prozent.

«Hier haben wir es doch nicht mit einfachen buchhalterischen Werten zu tun, die man beliebig herumjonglieren kann. Hier geht es um Kinder», sagt Etterlin. «Die Regierung macht es sich zu einfach, wenn sie sagt, die Gemeinden müssten halt mehr in der Frühförderung machen.» Kinder, die an die Sprachheilschule angemeldet werden, seien schon davor in logopädischer Frühförderung gewesen. Bei der Sonderschulquote gebe es ausserdem immer wieder statistische Ausreisser, sagt Etterlin. Zudem habe eine Gruppe von Lehrpersonen den Bildungs­direktor schon vor einiger Zeit auf zunehmende Probleme in Zentrumsschulen hingewiesen. Es gebe immer mehr Kinder, die vom durchschnittlichen Entwicklungsstand ihrer Altersgenossen abfielen. Das habe mannigfaltige Gründe – etwa bildungsfernes oder fremdsprachiges familiäres Umfeld, Digitalisierung, Überforderung der Eltern.

Auch Oberstufenangebot unter der Lupe

Als Reaktion äusserte sich Bildungsdirektor Stefan Kölliker im Schulamtsblatt. Kölliker appellierte an die elterliche Erziehungspflicht und erinnerte die Schulen daran, dass sie gegenüber unkooperativer Eltern Verwarnungen und gar Bussen aussprechen kann. «Als ob Bussen helfen würden, wenn Eltern überfordert sind», so Etterlin. «Die Probleme werden damit in keiner Weise gelöst.»

Schon 2014 gab es Schlagzeilen über Sparmassnahmen an der Sprachheilschule St.Gallen. Damals wurde angekündigt, dass das Oberstufenangebot gestrichen werden soll, was politisch von links bis rechts Kritik auslöste. Klassen wurden schliesslich keine abgebaut. Hinter vorgehaltener Hand ist nun erneut – auch auf Druck der Finanzkommission hin – von Sparmassnahmen die Rede.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.