Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

190 Jahre «Appenzeller Zeitung»: vom Kampfblatt zum reinen Lokalteil

Die «Appenzeller Zeitung» ist vor 190 Jahren zum ersten Mal erschienen. Jahrzehnte war sie Teil der Familiengeschichte Schläpfer. In jüngster Zeit beschränkt man sich als Kopfblatt aufs Lokale. Ein Rückblick auf knapp zwei Jahrhunderte.
Hanspeter Strebel
Bis heute ist die «Appenzeller Zeitung» am Sandort Standbühl im Zentrum von Herisau in grossen Lettern angeschrieben – grösser als an dem seit 1980 gültigen Standort an der Kasernenstrasse. (Bild: Roger Fuchs)

Bis heute ist die «Appenzeller Zeitung» am Sandort Standbühl im Zentrum von Herisau in grossen Lettern angeschrieben – grösser als an dem seit 1980 gültigen Standort an der Kasernenstrasse. (Bild: Roger Fuchs)

Obwohl die «Appenzeller Zeitung» mittlerweile ein stattliches Alter auf dem Buckel hat und zu den ältesten Blättern der Ostschweiz überhaupt gehört, so hat sie doch ihre Vorläufer. Vor ihrer Gründung war der heute noch existierende Appenzeller Kalender praktisch die einzige Informations- und Unterhaltungsquelle in gedruckter Form. Doch den vielen gebildeten Männern zu Beginn des 19. Jahrhunderts war dies verständlicherweise zu wenig und so erschien 1825 erstmals das Appenzellische Monatsblatt. Treibende Kraft war der Trogner Arzt Johannes Meyer (1799-1833), der auch eine eigene Druckerei betrieb, wobei vor allem Flugschriften das politische Medium der Zeit waren.

Dieser Johannes Meyer steht denn auch an der Wiege der «Appenzeller Zeitung», die am fünften Heumonat (Juli) des Jahres 1828 mit einem «einleitenden Überblick des gegenwärtigen Standpunkts der Politik und Kultur» auf der Titelseite das Licht der Welt erblickte. Auch das Geschehen im Ausland wurde damals in wenig diplomatischem Ton analysiert, was Meyer eine Rüge vom Landammann eintrug, der mahnte, er wolle nicht, dass die (anfänglich nur samstags erscheinende) Zeitung «ein Stapelplatz für alle liberalen Aufsätze werde, die man anderwärts nicht drucken darf».

«Frechstes Blatt der Schweiz»

Hanspeter Strebel, Historiker, 1998 bis 2003 Chefredaktor der «Appenzeller Zeitung»

Hanspeter Strebel, Historiker, 1998 bis 2003 Chefredaktor der «Appenzeller Zeitung»

Doch die «Appenzeller Zeitung» öffnete, trotz der obrigkeitlichen Mahnungen, ihre Spalten jedem, der für Freiheit und Gleichheit streiten wollte. Die bekanntesten Radikalen der Schweiz gehörten zu den Mitarbeitern. Damit wurde die Zeitung schweizweit bekannt und galt bald einmal als «frechstes Blatt des Landes». Auch ein Verbot im Kanton Bern 1830 trug gewaltig zur Popularität bei, ebenso wie die masslose Einmischung in die Basler Trennungswirren. Historiker Walter Schläpfer, Autor einer Ausserrhoder Pressegeschichte, attestiert den Blattmachern um Meyer «bei allen Derbheiten eine absolute patriotische Hingabe» mit dem Ziel der Wiedererweckung des nationalen Selbstvertrauens.

Wirtschaftlich konnte das Blatt nicht mit seinem schweizerischen Renommee mithalten. Die Zahl der Abonnenten stieg nie über 1000 und die Leserzahl blieb im eigenen Kanton gering. 1835 ging das Druckereigeschäft in Trogen an den erst zwanzigjährigen Michael Schläpfer über, der 1852 von Trogen nach Herisau umzog.

Der Name Schläpfer sollte in der Folge bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die «Appenzeller Zeitungsgeschichte» prägen, die so praktisch zur Familienhistorie wurde.

Fünf Generationen Schläpfer

Zehn Jahre redigierte Michael Schläpfer das Blatt persönlich und behielt die kämpferische Ausrichtung bei. Schon zu Lebzeiten hatte er bestimmt, dass ein Familienkonsortium die Firma samt der Zeitungsherausgabe weiterführen sollte. Michaels Enkel Albert war es in der dritten Generation vergönnt, das Unternehmen während vierzig Jahren bis 1955 zu leiten. Für die Redaktion heuerte er Personen ausserhalb des Familienkreises an. Mit der Verpflichtung von Auslandredaktor Alfred Kundert und dem legendären Inlandredaktor Alfred Bolliger, der das Blatt 45 Jahre prägen sollte, begann eine neue Ära. Man blieb ein faktisches Parteiblatt des Freisinns, das weiter gegen die Konservativen kämpfte, zusätzlich nun auch noch gegen die aufkommende Sozialdemokratie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Alberts Sohn Otto Schläpfer das Unternehmen und verdoppelte die Auflage beinahe auf 14 000 Exemplare. Dem Lokalstoff wurde nun viel mehr Bedeutung beigemessen. Ab 1969 hatte die «Appenzeller Zeitung» gegen starke Konkurrenz zu bestehen, indem das «St. Galler Tagblatt» ein Kopfblatt mit appenzellischem Lokalteil und einer mehrköpfigen Redaktion in Teufen eröffnete. In der Familiengeschichte war die fünfte Generation mit Peter Schläpfer an der Reihe, der die Firma in eine Aktiengesellschaft überführte. Die Redaktion wurde ausgebaut und eigene Aussenposten im Mittel- und Vorderland geschaffen. 1980 zügelten Verlag und Zeitung vom Sandbühl im Herisauer Dorfkern in das Medienhaus an der Kasernenstrasse, wo die Redaktion heute noch domiziliert ist.

Auch der technischen Entwicklung galt es zu folgen. Der Film- löste den Bleisatz ab. Auf der neuen Offsetrotation wurde nun auch der «Flawiler Volksfreund» mit seinen Kopfblättern gedruckt. Schrittweise wurde die Zusammenarbeit unter den Ostschweizer Lokalzeitungen intensiviert, und die «Appenzeller Zeitung» übernahm für diese 1993 die Redaktion und Produktion der Mantelseiten und ab 1996 eine gemeinsame Seite «Ostschweiz». Das Blatt war inzwischen von einer Partei- zu einer Podiumszeitung geworden, die sich bemühte allen politischen Gruppierungen die Spalten zu öffnen.

Eigenständigkeit verloren

Ein folgenschweres pressepolitisches Ereignis war 1997/98 der Untergang der «Ostschweiz» in St.Gallen und die Aufkündigung der Zusammenarbeit unter den kleineren Lokalblättern. Im Gegenzug wurde das «Appenzeller Tagblatt» in Teufen eingestellt. Für die «Appenzeller Zeitung» war nun die absolute Eigenständigkeit nicht mehr zu halten. Peter Schläpfer sah sich gezwungen einen Kooperationsvertrag mit dem Verlag des «St.Galler Tagblatt» zu schliessen. In Herisau beschränkt man sich heute auf die Herstellung eines Lokalteils zum St.Galler Mutterblatt. Schweren Herzens verkaufte Peter Schläpfer schliesslich die Verlagsrechte an den früheren Erzkonkurrenten, der wenig später die Druckerei abstiess, während der frühere Geschäftsführer Marcel Steiner den zu einiger Blüte gekommenen Buchverlag auslöste und nach Schwellbrunn zügelte.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.