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Degersheimer Waffensammler verurteilt: Er hat einen «regelrechten Waffenschwarzhandel» betrieben

Er hortete 280 Waffen und bediente damit Kriminelle: Am Donnerstag wurde ein 63-jähriger Degersheimer dafür verurteilt.
Janina Gehrig
Ein Teil der von der Kantonspolizei St.Gallen sichergestellten Waffensammlung in Degersheim. (Bild: Kapo SG)

Ein Teil der von der Kantonspolizei St.Gallen sichergestellten Waffensammlung in Degersheim. (Bild: Kapo SG)

Die Rede war von Kühlschränken, «einer Kleinen», «einer von den Runden» oder etwa von einer «mit Schlange». 39 Telefongespräche hatten die österreichischen Behörden aufgezeichnet. Und sie lassen für die Staatsanwaltschaft St. Gallen keinen Zweifel daran, dass es sich dabei um Codewörter für Waffen handelte, die verkauft werden sollten: kleinkalibrige Waffen, «runde» Revolver und solche mit Schalldämpfern nämlich. 280 Stück davon sowie über 100000 Schuss Munition und Bargeld von über 1,3 Millionen Franken hatte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung in Degersheim im Dezember 2017 gefunden.

Pistolen, Revolver und Karabiner, aber auch verbotene Waffen wie Maschinenpistolen oder eine leere Handgranate. Gestern sass der 63-Jährige, dem das alles einmal gehörte, unter anderem wegen mehrfacher ­Gefährdung der öffentlichen ­Sicherheit sowie mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz, vor dem Kreisgericht Wil.

Am Flohmarkt kennen gelernt

Es war Ende 2016 an einem Flohmarkt in Werdenberg, als der Degersheimer einen in Österreich wohnhaften Türken kennen lernte. Im Juni 2017 verkaufte er diesem erstmals einen Kaninchentöter, ohne die nötigen Papiere dafür einzureichen. Danach kam es zwischen den beiden Männern zu mindestens 14 Treffen, bei denen fünf Waffen verkauft wurden. Die Pistolen gelangten damit an einen Mann, der laut Daniel Weniger, Vorsitzender des Kreisgerichts Wil, einen «regelrechten Waffenschwarzhandel» betrieben hatte, der sich im kriminellen Untergrund bewegte und dessen Wiederverkäufe mindestens in einem Fall in Zusammenhang mit einem versuchten Tötungsdelikt in Toulouse stehen. Dem Beschuldigten wurden während der Gerichtsverhandlung mehrere Telefongespräche vorgelesen oder vorgespielt.

Bei den Gesprächen wurden Codewörter verwendet. So war häufig von Kühlschränken die Rede.

Waren sie «voll», hatte der Beschuldigte wieder neue Waffen im Angebot, vermutete die Staatsanwaltschaft. So fragte ihn der Türke am 1. November 2017 am Telefon: «Servus, wie geht’s? Du, dieser kleine Kühlschrank, 700 geht?», worauf der ehemalige Heizungssanitär antwortete: «Euro? ... Gut, weil du’s bist.» An das Gespräch konnte sich der Mann gestern nicht mehr erinnern.

Gegenüber der Staatsanwaltschaft hatte er früher noch ausgesagt, beim Verkauf der «kleinen Deutschen» habe es sich nicht um eine kleinkalibrige Waffe, sondern um eine Prostituierte gehandelt, die ihm der Türke in die Schweiz bringen sollte. Das nahm im der Richter nicht ab. Aus den Gesprächen sei keine «typische Freierposition, wie wir sie kennen», ersichtlich. «Wenn Sie eine Prostituierte verlangen, warum wollen Sie denn den höheren Preis in Euro bezahlen?», fragte Weniger. Der Beschuldigte sei «nicht ein Amateur, der ein vom Grossvater geerbtes Pistöleli im Nachttischchen aufbewahrt habe», sondern vielmehr ein «gewiefter Waffenhändler».

Der Türke habe sich lediglich für Antiquitäten interessiert

Dagegen wehrte sich der beleibte Mann, der bereits 2014 wegen des Verkaufs einer Softgun vorbestraft worden war. Der Türke habe sich lediglich für Antiquitäten interessiert, etwa für alte Radios, Handys oder Uhren. Noch immer lebe er davon, seine Sammlungen an Briefmarken und Möbeln aufzulösen. Er wünsche sich, dass er sich als Pensionär «die Sonne auf den Rücken scheinen» lassen könne. «Es stimmt», räumte er ein, «dass ich einen Seich zusammengesammelt habe und dass ich ein Idiot war.» Er habe sein Leben lang Geld verdient und nach dem Tod seiner Frau 2007 drei «Gofen» aufgezogen.

Sein Rechtsanwalt, Eugen Koller, bestritt, dass sein Klient Waffen verkauft habe. Er forderte einen Freispruch bezüglich der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit sowie eine Busse von maximal 750 Franken. Sein Mandant sei «ein passionierter Waffensammler». Der Staatsanwaltschaft fehle es an Beweisen. Sie reihe lediglich Vermutungen an Vermutungen. Es seien zwar mehrere Treffen zwischen dem Türken und seinem Mandanten zu Stande gekommen. Aber:

«Kaffeetrinken ist in der Schweiz nicht strafbar.»

Das Kreisgericht Wil verurteilte den Beschuldigten schliesslich zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten bei einer Probezeit von drei Jahren sowie zu einer Busse von 8000 Franken.
Der Angeklagte habe in Kauf genommen, dass mit den Waffen Drohungen, Raub oder Tötungsdelikte begangen würden, «weil er Geschäfte machen wollte», sagte Weniger bei der Urteilsbegründung. Das Verschulden für die unsorgfältige Lagerung der Waffen liege sehr hoch. Ein Grossteil war unverschlossen und verstreut im ganzen Haus gefunden worden. Auf Tischen, in Schränken, meterweise an die Wände gestellt – für dessen drei Söhne sowie Besucher und potenzielle Einbrecher frei zugänglich. «Wir raten Ihnen, mit dem Kapitel Waffen nun abzuschliessen», sagte Weniger. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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