17jährige Freundin erpresst

Ein 30jähriger türkischer Staatsangehöriger hat seine 17jährige Freundin dazu gebracht, bei ihrem Arbeitgeber Schmuck zu stehlen und ihn ihm zu geben. Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Die St. Galler Staatsanwaltschaft klagte einen türkischen Staatsangehörigen wegen mehrfacher Erpressung, gewerbsmässigem Diebstahl und Veruntreuung an. Sie beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren und eine Busse von 1200 Franken. Unter anderem wirft die Staatsanwaltschaft dem 30jährigen Mann vor, er habe seine Freundin dazu überredet, bei ihrem Arbeitgeber Schmuckstücke zu stehlen und sie ihm zu geben. Er veräusserte das Gold und bestritt mit dem Erlös seinen Lebensunterhalt. Die gestohlene Ware soll einen Wert von rund 30 000 bis 40 000 Franken gehabt haben.

Als sich die Freundin schliesslich weigerte, weiterhin Gold zu stehlen, setzte er sie unter Druck. Er drohte ihr, er werde ihre Diebstähle an ihren Arbeitgeber und ihre Familie verraten.

Mit Nacktfotos gedroht

Eine andere Freundin bat er um 300 Franken. Als sie ihm diese nicht geben wollte, drohte er ihr, Nacktfotos von ihr zu veröffentlichen. Zuvor hatte sie ihm zudem 2600 Franken für gemeinsame Ferien ausgehändigt. Später übergab sie ihm nochmals 700 Franken. In die Ferien fuhr er dann allerdings alleine und verbrachte die Tage mit einer anderen Frau. Die Freundin sah die 3300 Franken nie wieder.

Der Beschuldigte war an der Gerichtsverhandlung am Kreisgericht St. Gallen geständig. Wortreich erklärte er, dass er in Geldschwierigkeiten gewesen sei, da er nur sporadisch temporär gearbeitet habe. Zurzeit sei er mit einer neuen Frau zusammen, die ihm die Wohnung und seinen Lebensunterhalt bezahle. Sie sei daran, ein eigenes Geschäft aufzubauen, wo er später ebenfalls arbeiten könne.

Für sich selber gestohlen

Der Verteidiger forderte für seinen Mandanten einen Teilfreispruch und eine milde Bestrafung. Er sah eine bedingte Geldstrafe von höchstens 150 Tagessätzen à 30 Franken als angemessen. Die Frauen hätten grossmehrheitlich freiwillig gehandelt, erklärte er. Die Angestellte habe im Goldladen nicht nur für ihren Freund, sondern auch für sich selber gestohlen. Die andere Freundin habe gewusst, dass sie die gemeinsame Ferienreise bezahlen müsse, da der Beschuldigte knapp bei Kasse gewesen sei. Sie habe schlussendlich nicht mehr verreisen wollen und erst später das Geld zurückverlangt. Sein Mandant sei vollumfänglich geständig. Ihm sei bewusst, dass er sich den beiden Frauen gegenüber unlauter verhalten und gegen das Gesetz verstossen habe.

«Zuneigung ausgenutzt»

Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 330 Tagessätzen à 30 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren. Eine früher bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken, die er wegen Verkehrsregelverletzungen kassiert hatte, muss er bezahlen. Der Beschuldigte habe die Leichtgläubigkeit und Zuneigung seiner Freundinnen ausgenutzt, begründete die Einzelrichterin. Strafmildernd sei das Geständnis berücksichtigt worden.