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17 neue Zellen im Saxerriet

Pöschwies oder Saxerriet? Der Entscheid, ob ein Täter seine Strafe in einer geschlossenen oder einer offenen Anstalt verbüsst, ist nicht immer einfach. Die neue Geschlossene Übergangsabteilung im Saxerriet erleichtert die Triage.
Jeanette Herzog
Eine Zelle samt Lavabo und WC misst zwölf Quadratmeter. (Bilder: Urs Bucher)

Eine Zelle samt Lavabo und WC misst zwölf Quadratmeter. (Bilder: Urs Bucher)

SALEZ. Ein Mann sitzt in Untersuchungshaft, weil er eines Tötungsdelikts verdächtigt wird. Schliesslich gesteht er und tritt noch vor seiner Verurteilung den Strafvollzug an. «Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch wenig über eine Person», sagt Joe Keel, Leiter Amt für Strafvollzug des Kantons St. Gallen. «Nicht jeder Täter ist hochgefährlich.» Es müsse abgeklärt werden, ob der offene Strafvollzug für den Mann geeignet wäre.

Hier kommt die neue Geschlossene Übergangsabteilung (GÜA) in der Strafanstalt Saxerriet ins Spiel. «Während der Mann in der GÜA einsitzt, lernen wir ihn kennen, um ihn besser einschätzen zu können», sagt Keel. Ein wichtiger Indikator sei die Tat selber: Ist der Mann ein Raubmörder, gehört er in eine geschlossene Anstalt. Hat der Mann aber aus einer explosiven Beziehungskonstellation heraus im Affekt getötet, bestehen allenfalls «Öffnungsperspektiven». Entscheidend seien zudem sein Beziehungsnetz, allfällige frühere Taten, sein Verhalten in Gruppen oder am Arbeitsplatz. Nach mindestens vier bis höchstens sechs Monaten in der GÜA fällt der Entscheid: Der Mann wird in eine geschlossene Anstalt verlegt oder kommt in den Normalvollzug im Saxerriet.

Kulturschock für Straftäter

«Übergänge sind immer sensible Wegmarken in den Biographien von Menschen», sagte Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt Saxerriet, an der gestrigen Medienkonferenz. Das gelte besonders für Straftäter im geschlossenen Strafvollzug. «Kommt ein Insasse nach sieben Jahren in der Pöschwies ins Saxerriet, erlebt er einen Kulturschock.» Zudem gebe es manchmal seitens der Behörden Zweifel, ob ein Täter mit den zusätzlichen Anforderungen und den neuen Freiräumen im offenen Vollzug tatsächlich umgehen könne, ergänzt Regierungsrat Fredy Fässler. Es bestehe deshalb die Gefahr, dass Täter nicht oder nur noch für kurze Zeit vor der Entlassung in den offenen Vollzug eingewiesen werden.

Die Konsequenz: Es bleibt zu wenig Zeit, um mit dem Täter an der Verbesserung seiner sozialen und beruflichen Kompetenzen zu arbeiten. Die neue Geschlossene Übergangsabteilung sei deshalb eine Stärkung des offenen Vollzuges. Der Regierungsrat weist aber auch darauf hin, dass die GÜA kein Hochsicherheitstrakt sei. «Wir versuchen zwar Fluchten zu verhindern, der Sicherheitsstandard wurde aber bewusst nicht auf das Niveau einer geschlossenen Vollzugseinrichtung angehoben.» In die GÜA würden Personen eingewiesen, bei denen weder von einer erhöhten Fluchtgefahr noch von einer Gefahr für die Öffentlichkeit auszugehen sei.

Flucht massiv erschwert

Trotzdem sind in Trakt fünf, in dem die GÜA untergebracht ist, im Gegensatz zur offenen Abteilung die Sicherheitsfenster vergittert. Sollte es doch einem Insassen gelingen, das Gitter zu durchbrechen, löst eine sogenannte Induktionsschlaufe Alarm aus, sobald er sich vom Gebäude entfernt. Erst im Juni war einem Insassen die Flucht aus einer provisorischen Disziplinarzelle geglückt. Er hatte das Gitter vor dem Fenster mit Hilfe eines Lakens und einer Latte zur Seite gebogen. Einen knappen Monat später konnte er in Chur wieder gefasst werden. Mit der Fertigstellung der GÜA erhalten auch die Disziplinarzellen wieder ihren festen Platz in Trakt fünf. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass einem Insassen die Flucht aus der GÜA gelingt», sagt Joe Keel. 2,8 Millionen Franken hat der Kanton in den Umbau des Gebäudes investiert. Dabei wurde auch Wert darauf gelegt, dass die Insassen der GÜA gute Sicht auf den Innenhof und die Trakte des offenen Vollzugs haben. «So haben sie ihr Ziel stets vor Augen», sagt Martin Vinzens.

Sechs Zellen sind bereits belegt

Sechs der 17 Zellen in der neuen Abteilung sind bereits belegt. Da das Gefängnis St. Gallen im Herbst saniert werden muss, sitzen bis Anfang 2013 vermehrt auch Täter ihre Kurzstrafen dort ab. Für die Insassen beginnt der Tag in der GÜA um 7.15 Uhr; sie arbeiten, nehmen an Therapien und Gesprächen teil. Sie verlassen das Haus in der Regel nicht, dafür dürfen sie eine Stunde auf der vergitterten Terrasse frische Luft schnappen. Bereits um 19.15 Uhr erfolgt der Zelleneinschluss. Gestern war der Tagesablauf jedoch gestört. Während die Medienleute den Trakt besichtigten, warteten die Insassen in ihren Zellen.

Auf vergitterten Terrassen dürfen die Insassen spazieren – sonst nicht. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Auf vergitterten Terrassen dürfen die Insassen spazieren – sonst nicht. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

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