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Kolumne

14 brennende Zugwaggons in Etzwilen – fünf Jahre will niemand die Rechnung fürs Löschen übernehmen – jetzt ist sie bezahlt, aber niemand weiss von wem

Im Herbst 2013 standen am stillgelegten Güterbahnhof der SBB in Etzwilen 14 ausrangierte Eisenbahnwaggons in Flammen. Fünf Jahre musste die Feuerwehr Stein am Rhein auf ihr Geld warten. Jetzt ist die Rechnung für die Löscharbeiten bezahlt. Doch von wem?
Ida Sandl
14 ausrangierte SBB-Waggons sind in Etzwilen ausgebrannt. (Bild: Reto Martin, 12 September 2013)

14 ausrangierte SBB-Waggons sind in Etzwilen ausgebrannt. (Bild: Reto Martin, 12 September 2013)

Einem ganz normalen Menschen – also jemand, der manchmal ein bisschen mehr ausgibt, als er sollte und hätte – einem solchen Menschen passiert so etwas leider nie: Eine offene Rechnung ist plötzlich bezahlt und keiner weiss von wem. Und diejenigen, die es wissen müssten, sagen lieber nichts. Ist eigentlich auch egal, denkt man: Bezahlt ist bezahlt.

Ida Sandl.

Ida Sandl.

So ist es der Feuerwehr Stein am Rhein ergangen. Die ist im Herbst 2013 zum Löschen in den Thurgau ausgerückt. Das tut sie immer, wenn die Nachbarn sie rufen. Und das ist gut so. Denn Stein am Rhein ist nicht nur ein schmuckes Städtchen, sondern hat eine Tipptopp-Feuerwehr.

Im Herbst 2013 loderte es gewaltig in Etzwilen, das zu Wagenhausen gehört. 14 ausrangierte Eisenbahnwaggons standen am stillgelegten Güterbahnhof der SBB in Flammen. 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Von den Waggons blieben nur verkohlte Gerippe übrig. Mehrere hunderttausend Franken Schaden. Die Übeltäter das fand die Polizei schnell heraus, waren zwei 17-jährige Männer, die beim Rauchen unvorsichtig waren.

Für ihren Einsatz stellte die Feuerwehr Stein am Rhein eine Rechnung von etwa 36'000 Franken. Die ist seit letztem Herbst, also fünf Jahre später, bezahlt. Doch von wem? Und warum hat es so lange gedauert? «Die Rechnung ist lange liegen geblieben», sagt Ernst Bühler, der Stadtschreiber von Stein am Rhein. Die Thurgauer hätten sich nicht zuständig gefühlt. Es sei nämlich so, dass Stein am Rhein zwar Stützpunkt-Feuerwehr für Eschenz und Wagenhausen ist, dafür aber nicht entschädigt werde. Das solle sich in diesem Jahr noch ändern. Das Löschen der Waggons sei aber so aufwendig gewesen, dass man beschlossen habe, doch eine Rechnung zu stellen.

Man habe es bei den SBB versucht, schliesslich gehören der Bahn sowohl das Gelände als auch die Waggons. Da fand man jedoch kein Gehör. «Es hat sich um einen Fall von Brandstiftung gehandelt und die Täter konnten ermittelt werden», sagt SBB-Sprecherin Katharina Balande. Deshalb habe man sich mit einer Beschwerde dagegen gewehrt. Der Schaffhauser Regierungsrat habe den Rekurs gutgeheissen. Für die SBB sei die Angelegenheit damit erledigt gewesen.

Die Stadt Stein am Rhein lässt sich nicht beirren und schickt die Rechnung an die Gemeinde Wagenhausen als Auftraggeberin. Aber auch Wagenhausen habe nicht bezahlt, betont Gemeindepräsident Harry Müller. Sie leiteten die Post weiter an die Gebäudeversicherung und hier verliert sich die Spur. Bühler ist überzeugt, die Gebäudeversicherung habe das Geld bezahlt. Doch die Versicherung schweigt beharrlich. Durch das Schweigen hindurch hört man aber, dass sie die Ausstände auch nicht beglichen habe. Wer dann? Achselzucken. Bezahlt ist bezahlt. Fertig.

Da fragt sich unsereins doch: Warum passiert mir so etwas nie? Sollte ich vielleicht der Gebäudeversicherung meine offenen Rechnungen schicken?

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