137-Millionen-Projekt
«Überflüssiger Neubau»: SVP schiesst gegen die geplante Zentrumsbibliothek von Kanton und Stadt St.Gallen

Kaum ist das Siegerprojekt für die neue Bibliothek in St.Gallen bekannt, treten die Gegner auf den Plan. Die SVP sagt Nein zum Vorhaben: Einmal mehr würden Steuergelder in der Stadt investiert, die Landbevölkerung profitiere weniger davon.

Adrian Vögele
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Sieger im Architekturwettbewerb: der Entwurf des Berliner Architekturbüros von Volker Staab für die Zentrumsbibliothek in der Stadt St.Gallen.

Sieger im Architekturwettbewerb: der Entwurf des Berliner Architekturbüros von Volker Staab für die Zentrumsbibliothek in der Stadt St.Gallen.

Bild: PD

Die Katze ist aus dem Sack: Diese Woche haben Kanton und Stadt das Siegerprojekt für die neue Zentrumsbibliothek am Blumenmarkt in St.Gallen vorgestellt. Der Entwurf des Berliner Architekturbüros von Volker Staab hat das Rennen gemacht. Die Kosten für das Vorhaben werden auf rund 137 Millionen Franken geschätzt. Davon dürfte zwei Drittel der Kanton und einen Drittel die Stadt übernehmen, der Kostenteiler ist allerdings noch nicht festgelegt. Ohnehin ist der Weg bis zur neuen Bibliothek, die das heutige Provisorium in der St.Galler Hauptpost ablösen soll, noch weit. In zwei Jahren soll das Bauprojekt dem Kantonsrat und dem Stadtparlament vorgelegt werden, danach folgen die Volksabstimmungen.

Auftrag nach Berlin: Ein «fatales Signal» für die SVP

Umstritten ist der Bau aber schon jetzt. Die SVP lehnt ihn entschieden ab: Es sei «nicht vertretbar», 137 Millionen Franken in ein neues Bibliotheksgebäude zu investieren, schreibt die Partei in einer Medienmitteilung. Der Status quo sei ausreichend: «Bereits heute besteht mit der Bibliothek Hauptpost und den weiteren Standorten in der Stadt St.Gallen ein funktionierendes und sehr breites Angebot von Bibliotheken.» Die Digitalisierung sei zudem weit fortgeschritten, Bücher würden vermehrt online ausgeliehen.

Einmal mehr sieht die SVP die Landbevölkerung benachteiligt: Dies seien «Steuergelder, welche einmal mehr in der Stadt investiert werden und den Landregionen nur in vermindertem Masse zugutekommen». Ein Dorn im Auge ist der Partei auch, dass die Wahl auf ein Architekturbüro im Ausland fiel – «anstatt nach einer Coronakrise die inländische Wirtschaft zu berücksichtigen». Das sei «ein fatales Signal in schwierigen Zeiten».

FDP stimmt nicht in Kritik der Jungfreisinnigen ein

Ähnlich hatten sich zuvor bereits die Jungfreisinnigen geäussert. Die Kosten seien zu hoch, die Vergabe nach Berlin falsch, ausserdem werde das Uniongebäude heute mit Erfolg privatwirtschaftlich genutzt. Wenn schon, dann sei eine Sanierung der heutigen Bibliothek Hauptpost in Betracht ziehen - für einen deutlich tieferen Preis.

Die Mutterpartei der Jungfreisinnigen stimmt allerdings nicht in diese Kritik ein. Für eine Stellungnahme sei es viel zu früh, sagt Christoph Graf, Geschäftsführer der FDP Kanton St.Gallen. Die politische Diskussion über das Bibliotheksprojekt habe noch nicht begonnen, weder in der Stadt- noch der Kantonalpartei.