100 Franken mehr Lohn ab 2016

ST. GALLEN. Vor elf Jahren hat St. Gallen als erster Kanton einen Gesamtarbeitsvertrag für Tankstellenshops eingeführt. Jetzt soll er wieder verlängert werden – mit höheren Mindestlöhnen. Das Abkommen könnte aber bald überflüssig werden.

Sina Bühler
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Gleiche Bedingungen für alle: Für Angestellte in St. Galler Tankstellenshops steigt der Mindestlohn im kommenden Jahr auf 3670 Franken brutto im Monat. (Bild: ky/Christian Beutler)

Gleiche Bedingungen für alle: Für Angestellte in St. Galler Tankstellenshops steigt der Mindestlohn im kommenden Jahr auf 3670 Franken brutto im Monat. (Bild: ky/Christian Beutler)

Die Arbeit in einem Tankstellenshop ist nicht leicht: Die Arbeitszeiten sind lang, die Löhne tief. Was für die ganze Schweiz gültig ist, ist im Kanton St. Gallen etwas besser geschützt. Hier gibt es schon seit elf Jahren einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV), der unter anderem Mindestlöhne für Mitarbeiter von Tankstellenshops garantiert. Er ist auf dem Kantonsgebiet allgemeinverbindlich, das heisst, alle Tankstellenshops auf dem Kantonsgebiet haben sich daran zu halten.

Im Oktober wurde beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) ein Gesuch um Verlängerung und eine neue Mindestlohnvereinbarung eingereicht. Die Sozialpartner haben sich auf eine Lohnerhöhung um 100 Franken für alle Mitarbeitenden geeinigt. Für Angestellte ohne Berufslehre steigt der Mindestlohn im kommenden Jahr damit auf 3670 Franken brutto im Monat, beziehungsweise 20.15 Franken pro Stunde (inklusive Ferienentschädigung). Für gelernte Detailhandelsangestellte liegt der Lohn mindestens bei 3875 Franken brutto, beziehungsweise 21.30 Franken pro Stunde.

Keine Einsprache

Laut Roland Lippuner, Hauptabteilungsleiter Arbeitsbedingungen beim AWA, sind bis Ablauf der Frist am 30. Oktober keine Einsprachen gegen das Gesuch eingegangen. Deswegen werde die Regierung wohl noch in diesem Jahr die entsprechenden Beschlüsse fassen, meint dazu Regierungspräsident Benedikt Würth.

Nationaler GAV

Der 2004 abgeschlossene St. Galler GAV für die Tankstellenshops war der erste der Schweiz. Er war von den Sozialpartnern als flankierende Massnahme zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten vorgesehen. Kurze Zeit später folgten auch die Kantone Luzern und Freiburg. Die drei kantonalen Verträge könnten aber schon bald überflüssig sein: Die Sozialpartner verhandeln seit einem Jahr über einen nationalen GAV. «Die ganze Detailhandelsbranche ist unter Druck, aber in Tankstellenshops sind die Arbeitsbedingungen besonders prekär», sagt Natalie Imboden von der Gewerkschaft Unia. Das hänge nicht nur mit den langen Arbeitstagen zusammen, sondern auch damit, dass viele Shops im Franchising-System geführt werden, ohne verbindliche Mindeststandards.

Probleme mit den Pausen

Die Einhaltung eines GAV wird von einer paritätischen Kommission überprüft, in der sowohl Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer vertreten sind. «Wir sind bisher auf keine krassen Fälle von Lohndumping gestossen», sagt Heinz Herzog, der die Kommission leitet, die für die Tankstellenshops zuständig ist. Bei der Einhaltung der Pausen gibt es hingegen öfters Probleme: In kleinen Shops würden dem Personal die vertraglich zugesicherten Pausen nicht immer gewährt. «Wenn nur zwei Angestellte im Shop sind und es grossen Andrang gibt, kann es sein, dass jemand durcharbeiten muss», sagt Herzog. Auffällig seien vor allem die häufigen Pächterwechsel. Tankstellenshops, die es schon länger gebe, hielten die GAV-Bedingungen hingegen akribisch ein. «Sie sind überzeugt, dass es im Laden nur mit gutem Personal rund läuft – und sind bereit, das entsprechend zu entlöhnen.»