1. APRIL: «Wir haben Donald Trump!»

Bringt der Aprilscherz frischen Wind in den Alltag oder ist er doch eher ein unnötig verordneter Humortag? Wir haben uns bei der Ostschweizer Prominenz umgehört, wie sie es in lustigen Tagen halten.

Jack Stoiker
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Waren sich für keinen noch so derben Scherz zu schade: Max und Moritz. (Bild: Sammlung Rauch/KEY)

Waren sich für keinen noch so derben Scherz zu schade: Max und Moritz. (Bild: Sammlung Rauch/KEY)

Einen verordneten Scherztag wie den 1. April brauchen wir nicht. Mein lustigster Tag im Jahr ist jeweils der Eurovision Song Contest, dicht gefolgt vom Halbfinal desselben Wettbewerbs, wo wir jeweils rausfliegen. Ob ich selbst schon mal auf einen Scherz reingefallen bin? Ich falle eigentlich immer rein. Ausser letztes Jahr, da war ich vorbereitet. Man sollte dieses heidnische Brauchtum abschaffen.

Jack Stoiker

Liedermacher

Es sollte noch viel mehr solche Scherztage geben, vielleicht jeden letzten Donnerstag im Monat. Ein bisschen Schadenfreude schadet nie. Mein lustigster Tag im Jahr ist jeweils an Weihnachten, weil ich am 24. Dezember auch noch Geburtstag habe. Dann laden wir jeweils Verwandte, Bekannte und Nachbarn ein und in einer grossen Runde erzählt dann jeder seinen neusten Witz. Selber bin ich am 1. April auch schon reingefallen. Als ich noch ein Bub war, hat die St. Galler Presse angekündigt, dass Peter Kraus – der österreichische Rock’n’Roller («Sugar Baby») – hier gastieren werde. Als ich mit ein paar Dutzend anderen Fans auf Perron 3 stand und er nicht kam, war ich dann schon ein bisschen enttäuscht.

Urs Kliby

Bauchredner

Wenn ich in die Welt hinausschaue, wäre ein verordneter Scherztag nicht das schlechteste. Er müsste vor allem für Politiker, die über sich selbst nicht lachen können, zur Pflicht werden. Reinlegen und reingelegt werden, gehört doch dazu. Vor Jahren wurde ich von zwei Kollegen alarmiert, in unserem Restaurant an der Olma fände eine Schlägerei statt. Ich bin quer durch die Messe gerannt, aber Fehlalarm. Die zwei «Freunde» wurden Wochen später von zwei Stadtpolizisten zur Befragung in den Polizeiposten gebracht – Tatvorwurf «Kameradenverarschung». Mit der Einladung zum gemeinsamen Nachtessen haben sie sich ihre Freiheit erkauft. Und die Stapo hat für einmal auch Humor bewiesen.

Walter Tobler

Gastro-Präsident

Ich halte ehrlich gesagt nicht viel von solchen verordneten Gedenktagen. Humor ist eine Haltung und verteilt sich auf das ganze Jahr. Witze sind vom Moment abhängig. Natürlich wurden in der Schule oder während des Studiums der eine oder andere Streich gespielt. Ich finde es aber wichtig, sich nicht auf Kosten anderer lustig zu machen.

Martin Schmidt

Evangelischer Kirchenpräsident

Als ich mit 20 Jahren nach Genf gekommen bin, sass ich einmal nach dem Training mit meinen Turnkollegen am runden Tisch. Da sagte einer zu mir: «Du, Hausi, morgen ist noch das Waadtländer Turnfest, du in deiner Form könntest da gewinnen. Du musst dich nicht anmelden, sondern einfach um 8 Uhr früh im Fussballstadion in Lausanne parat stehen.» Ich hätte da schon merken müssen, dass etwas nicht stimmt. Ich fuhr also mit dem Zug nach Lausanne und ging vom Bahnhof zu Fuss ? Stunden hinauf zum Stadion. Auch um halb 9 Uhr war noch kein Mensch da. Ich wartete und wartete, und irgendwann kam der Platzwart, der mir erklärte, es sei heute nicht Turnfest, sondern der 1. April. Von da an hat mich niemand mehr erwischt. Das war das letzte Mal, dass man mich am 1. April hereingelegt hat!

Hausi Leutenegger

Selfmademan

Aprilscherze? «Ich möchte lieber nicht», antworte ich wie Bartleby, der Schreiber, dessen Geschichte ich im April und im Mai noch dreimal in der Kellerbühne erzähle. Weder möchte ich hereingelegt werden, noch möchte ich andere hereinlegen. Im Zeitalter von Fake-News, welche die Menschen täglich zum Narren halten, hat der 1. April als Scherztag meiner Meinung nach eher ausgedient. Erhellenden Humor hingegen, wie ihn viele Künstler in der Kellerbühne entfalten, schätze ich sehr.

Matthias Peter

Leiter Kellerbühne

Der lustigste Tag ist bei uns zu Hause der Ostersonntag. Wir überbieten uns gegenseitig darin, Osterhasen möglichst kreativ zu verstecken. Gleichzeitig haben wir einen «Running Gag»: Der grösste Hase liegt immer «auffällig unauffällig» unter dem Badezimmerteppich versteckt. Dies in Anspielung an eine längst vergangene Osterhasensuche, an der ich einen Hasen unter dem Badezimmerteppich trotz grosser Wölbung übersah und voll drauftrampte.

Andrea Caroni

Ständerat

Wenn man bedenkt, dass der Tag der Kranken sich letztes Jahr als Scherztag entpuppt hat, muss ich sagen, nein, einen wirklichen Scherztag braucht es nicht unbedingt. Lassen wir doch einfach Bundesrat Schneider-Ammann mehr zu Wort kommen. Ich persönlich habe überwiegend lustige Tage, deshalb kann ich nicht vom lustigsten Tag im Jahr sprechen. Es bleibt einem im Moment einiges im Hals stecken, das gesagt oder getwittert wird. Da muss man sich fragen, ob es sich um einen Scherz handelt. Anzufügen ist: Wir haben Donald Trump, den Scherz des Jahrhunderts!

Thomas Götz

Kabarettist

Spass habe ich auch ohne 1. April. Meine beiden Brüder und ich treffen uns jährlich für zwei Tage und amüsieren uns herzlichst an unserer gemeinsamen Jugend. Reminiszenzen unserer Erziehung oder das genaue Beobachten und Imitieren von Mitmenschen lösen bei uns immer wieder schallendes Gelächter aus. Mit meiner Gabe als Dialektimitator habe ich es mal geschafft, mich bei einem Landwirt als Statistiker des Schweizerischen Hühnerzüchterverbands auszugeben. Ich brachte ihn sogar dazu, ein gut genährtes Huhn inklusive Futter zu sich in die Stube zu nehmen. Als ich nach einer halben Stunde dort eintraf, hatten er und sein Gefieder bereits auf mich gewartet.

Hanspeter Krüsi

Polizeisprecher

Notiert: Roman Hertler

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