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Eine Brille gegen Kummer und Schmerzen

Das Schicksal meinte es nicht nur gut mit Sofije Zogi. Bei einem unglücklichen Arbeitsunfall verletzte sie sich ihre rechte Hand, was in einer seltenen Krankheit gipfelte. Nebst vielen Schmerzmitteln schluckt sie täglich Antidepressiva. Nun erhält sie Hilfe von OhO.
Samuel Koch
Wegen ihrer Krankheit muss Sofije Zogi einhändig Kartoffeln schälen. Ihre Tochter Egzona hilft ihr dabei. (Bild: Andrea Stalder)

Wegen ihrer Krankheit muss Sofije Zogi einhändig Kartoffeln schälen. Ihre Tochter Egzona hilft ihr dabei. (Bild: Andrea Stalder)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Fast immer bleibt sie stark, beim Gespräch an ihrem Küchentisch. «Ich habe nichts zu verstecken», meint Sofije Zogi und erzählt ihre Leidensgeschichte. Nur einmal, als sie mit Hilfe ihrer Tochter Egzona einhändig Kartoffeln schält, bröckelt die sonst so stark wirkende Fassade, und sie bricht in Tränen aus. Ihre Tochter tröstet sie, baut sie auf, denn seit Jahren hält die Familie Zogi zusammen. «Es war nicht immer einfach», sagen sie.

Hätte Sofije Zogi einen Wunsch frei, die 47-Jährige würde vollständig genesen wollen, damit sie wieder arbeiten kann. «Es schmerzt, wenn ich mich mit früher vergleiche.» Früher arbeitete die gebürtige Kosovarin, wie ihr Mann noch heute, Vollzeit. Nachdem die junge Familie 1990 nach Steckborn kam, und ihre drei Kinder langsam ihre Selbstständigkeit erlernten, arbeitete Sofije Zogi 15 Jahre im Alters- und Pflegeheim Steckborn. Weil sie nach der langen Zeit eine Veränderung wollte, bewarb sie sich für eine besser bezahlte Stelle in Schaffhausen. «Dort hatte ich aber kaum mehr Kundenkontakt, der mir fehlte», sagt Zogi. Sie wechselte wieder den Arbeitgeber. Neue Arbeit, neues Glück. Sie war zufrieden.

Erinnert sich an Unfalltag, als wäre er gestern gewesen

Dann der verhängnisvolle Tag im Jahr 2015, als noch ihre Probezeit lief. Mit einer Arbeitskollegin putzte Zogi auf einer Leiter stehend grosse Klappfenster. «Ich habe in meinem Leben schon tausende Fenster geputzt», erzählt sie. Dann plötzlich hält das Magnet des schweren Fensters nicht mehr und kommt ihr entgegen. Zogi erzählt die Situation, als wäre es gestern gewesen. Ein Schlag, und sie fiel von der Leiter. Immerhin habe sie sich den Kopf nicht angeschlagen, «es hätte schlimmer kommen können», meint sie heute. Weil sie fürchtete, ihren Job zu verlieren, tat sie nichts dergleichen, arbeitete weiter und verheimlichte, dass es in ihrer rechten Hand vor Schmerzen pochte. Als ihre Chefin nach dem Rechten schaut, bemerkt sie, dass etwas nicht stimmt. Spitalbesuch, Röntgen. Diagnose: zersplitterter Mittelhandknochen an der rechten Hand. Schiene. Arbeitsunfähigkeit.

Aber auch nach drei Wochen zu Hause lassen die Schmerzen nicht nach, vielmehr wurden sie noch grösser. «Dreimal musste ich in den Notfall, weil ich es fast nicht mehr aushielt», sagt sie. Bei einer weiteren Untersuchung vermutete der Chefarzt erstmals die seltene Krankheit Morbus Sudeck, eine aus noch unbekannten Gründen schmerzhafte Erkrankung von Gliedmassen, die meist durch Brüche oder Prellungen entsteht. Selbst eine Operation und ein, innen an die Wirbelsäule installierter Rückenmarkstimulator, verbesserten die Lage nicht. Das Einnehmen von Medikamenten verkommt zum Alltag.

Aus Scham bleibt sie lieber zu Hause

Seither hat Zogi nicht mehr gearbeitet, an manchen Tagen mag sie nicht einmal schmerzfrei sitzen. Bis auf den Daumen spürt sie ihre Finger kaum, aus Scham bleibt sie lieber zu Hause. «Wenn es kalt ist, sieht meine Hand aus wie diejenige einer Leiche», sagt sie. Seit einem kürzlichen Besuch in der Uniklinik Zürich hat Zogi Gewissheit: «Die Ärzte sagten, es werde nie mehr so sein wie früher.» Umso mehr hat sie seither zu leiden. Auch psychisch, weshalb sie täglich Antidepressiva schluckt und einmal wöchentlich nebst Physio- und Ergotherapien auch psychische Hilfe in Anspruch nimmt.

Nebst ihren Leiden läuft seither ein Kampf um die Kosten. Über eine Rechtsschutzversicherung erstritt sich die Familie mittlerweile eine finanzielle Beteiligung der Krankenkassen und Unfallversicherung. Das Budget der Familie ist ohnehin knapp. Erst kürzlich, als Sofije Zogi starke Zahnschmerzen hatte, liess sie beim Zahnarzt nur «das Nötigste flicken». Den Rest behandelte ein Zahnarzt in ihrer Heimat, «um einiges günstiger». Als eine von wenigen Beschäftigungen bleibt Zogi noch das Lesen. Und weil es um ihre Augen auch nicht mehr zum Besten steht, kaufte sie sich im Laden eine Lesebrille für drei Franken. «Mehr konnte ich mir nicht leisten.» Als ihr psychiatrischer Facharzt davon erfährt, informiert er sich über das Hilfsprojekt «Ostschweizer helfen Ostschweizern» und stellt im Namen von Sofije Zogi einen Antrag für 520 Franken, damit sie sich eine gute Brille kaufen kann.

Kurz vor den Festtagen flatterte die positive Nachricht aus St. Gallen in den Briefkasten der Familie Zogi. «Sie haben mir die Brille bezahlt», sagt Sofije Zogi überglücklich. Sie sei den Spendern von OhO sehr dankbar. Darum schöpft sie neuen Mut, auch wenn sie relativiert: «Vorausplanen können wir nicht.» Die Familie Zogi lebt von Tag zu Tag.

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