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Mit Drehorgel, viel Herz und einem Lächeln

Im Einsatz für OhO: Trotz seines Handicaps sammelt Peter Hochreutener auch dieses Jahr mit Drehorgel und viel Herz für die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern.
Desirée Müller
Peter Hochreutener sammelt am Samstag, 8. Dezember, zwischen 10 und 15 Uhr vor der Landi Goldach für die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern. (Bild: Urs Bucher)

Peter Hochreutener sammelt am Samstag, 8. Dezember, zwischen 10 und 15 Uhr vor der Landi Goldach für die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern.
(Bild: Urs Bucher)

Der 70-jährige Goldacher sitzt in seinem Musikatelier und lässt den Blick gedankenversunken mit einem Lächeln im Gesicht über seine Instrumente schweifen. Trompeten, Tubas und Posaunen stehen ordentlich aneinandergereiht auf einem Holzregal. Peter Hochreuteners grauer Bart ist gepflegt, und er hat sich in Schale geworfen. «Früher waren es 150 Instrumente, heute sind es noch 35», erzählt der Musiker. In seiner Stimme schwingt aber keineswegs Trauer mit. «Es waren so wunderbare Jahre, in denen ich musizieren durfte. Ich zehre heute noch von den tollen Erlebnissen, die ich gemeinsam mit meinem Musikerkollegen erlebte.» Mit seiner rechten Hand bedient Peter Hochreutener geschickt seinen elektrischen Rollstuhl und fährt über eine Rampe in die Küche.

Ein Optimist durch und durch

Er zeigt stolz auf die Bilder, welche die rustikalen Holzwände der Küche schmücken. Die meisten zeigen seine Kinder. Drei Mädchen und einen ­Jungen in traditioneller Appenzeller Tracht. Allesamt haben sie das mu­sikalische Talent des Vaters geerbt. «Heute sind sie natürlich erwachsen. Aber wir sind uns immer noch stark verbunden», schätzt er. Peter Hochreutener rollt nahe an den Esstisch her­an und schnappt sich eine Waffel – selbstgebacken von Tochter Petra. «Sie ist ein Genie in der Küche», schwärmt er. Auch sonst kann Hochreutener immer auf seine Familie zählen. «Mit meiner Frau Helen habe ich einen Sechser mit Zusatzzahl gewonnen», erzählt er liebevoll.

Operationen, Bangen und Hoffen

Seit zehn Jahren kann der ehemalige Musiklehrer seine Beine nicht mehr bewegen. Die linke Hand lässt sich zwar noch anheben, doch motorisch kann er sie nicht steuern. Ein harter Schlag für einen passionierten Blasmusiker. Vor 31 Jahren bekam der Familienvater die Diagnose: Hirntumor. Seither wurde er 15-mal operiert. «Bis vor zehn Jahren konnte ich aber normal gehen, Trompete und Handorgel spielen», denkt er dankbar lächelnd zurück. «Es waren trotz all den Eingriffen, dem Bangen und Hoffen gute Jahre», erzählt er. «Peter hat auch so einiges angestellt», verrät er verschmitzt. Hochreutener spricht nie in der Ich-Form. Auch bietet er allen gleich das Du an. Egal, ob dem Gemeindepräsidenten oder einem Kindergärtner. Er erzählt im Flüsterton von seiner Reise nach Moskau. Die Schweizer Botschaft fragte ihn und einen Kollegen an, ob sie an einer internationalen Modeschau mit ihren Alphörnern auftreten würden. «Da war mir sofort klar: Ich muss auf dem Roten Platz spielen, was natürlich strengstens verboten ist.»

«Mein Lebensmotto: Kopf hoch, auch wenn der Hals schmutzig ist.»

Am Vorabend inspizierte er heimlich den Platz, und am nächsten Morgen hielt er sein Versprechen: Gemeinsam mit seinem Freund hielt er das wohl kürzeste Ständchen, das er je gespielt hatte. «Nicht einmal dreissig Sekunden ging es, bis die Wachen uns festnahmen. Fünf Stunden hielten sie uns auf der Polizeistation fest», erzählt er und lacht herzlich. Vom Schweizer Botschafter bekam er ­einen «Rüffel». Gefolgt von einem Schmunzeln und Schulterklopfen. «Er fügte in besorgtem Ton hinzu, dass ich in Sibirien hätte landen können.»

Mit der Trompete unterwegs

Etwas weniger gewagt war seine grosse Tournee durch Australien. Mit seiner damaligen Höfler Musig reiste «Trompeten-Peter» auf den fernen Kontinent und gab entlang der Westküste diverse Konzerte. «Schlafen durften wir bei ausgewanderten Schweizer Familien.» Bei manchem Zuschauer kamen Heimatgefühle auf, und es flossen Tränen. Dank der Musik bereiste Peter Hochreutener mit seiner Trompete im Gepäck die halbe Welt. «Wir wurden mehrmals für Kreuzfahrten gebucht. Unter anderem im Mittelmeer und der Karibik», erzählt er mit geschwellter Brust.

Freiwilligenarbeit statt Auftritte

Heute stehen keine Konzerte mehr an. Der Druck im Kopf beim Trompetespielen ist viel zu gross. Reisen wäre dazu zu beschwerlich. Peter Hochreutener lässt aber keineswegs seinen Kopf hängen. Er hat seine Berufung gefunden und engagiert sich ehrenamtlich. Und das fast jeden Tag. «Peter gibt Kindern und Jugendlichen, mit und ohne Handicap, kostenlos Musikunterricht.» Auch stellt er sich gerne Herausforderungen. «Aktuell lehre ich einen blinden jungen Mann das Alphornspielen. Es benötigte Zeit, bis ich mich auf die Situation eingestellt hatte. Auch forderte ich ihn anfangs auf, mir einfach mal zuzuschauen.» Sein Schüler nahm Hochreuteners Fauxpas aber mit Humor. Er sagte, dass blinde Menschen besser sehen können als alle anderen. Auch erhielt Peter Hochreutener einen Anruf von einem Unbekannten. Dieser hatte einen Velounfall und seither eine gelähmte Hand. «Er hatte anscheinend von mir gehört und wollte wissen, wie ich mit der Behinderung umgehe. So gab ich ihm Tipps für den Alltag.»

OhO: Den Rekord brechen

Am 8. Dezember findet sein jährliches Highlight statt: «Meine Sammelaktion für Ostschweizer helfen Ostschweizern». Auch bei eisigen Temperaturen möchte Peter Hochreutener erneut die Weihnachtsaktion unterstützen und Geld sammeln. Wie schon seit Jahren wird er seinen Leierkasten in Gang setzen und einen Tag lang die Drehorgel bedienen. Auch wenn es ihm nicht ganz einfach fällt. Um die Besucher zum Spenden zu motivieren, hat er sich eine Parole einfallen lassen: «OhO isch nöd für d Füchs. So wirf au du es Fränkli id Büchs». 2017 kamen so 3333 Franken zusammen. Sein Ziel für dieses Jahr: den Rekord brechen.

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