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Interview

Helfen, wo die Not nahe ist: Marianne Kleiner über die Spendenaktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern»

Marianne Kleiner ist Beiratspräsidentin der Aktion Ostschweizer helfen Ostschweizern. Sie weiss, dass viele Menschen mit einem unglaublich schmalen Budget auszukommen haben.
Interview: Bruno Scheible, Christoph Sulser
Marianne Kleiner freut sich über jeden Betrag, der gespendet wird. (Bild: Ralph Ribi)

Marianne Kleiner freut sich über jeden Betrag, der gespendet wird. (Bild: Ralph Ribi)

Marianne Kleiner, Sie sind seit sieben Jahren Beiratspräsidentin der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO). Was ist Ihre Motivation, auch diesmal wieder dabei zu sein?

Marianne Kleiner: Ich freue mich jedes Jahr auf die Zeit, in welcher ich diese schöne Arbeit machen darf. Es ist eine sehr sinnvolle Aufgabe: OhO konzentriert sich auf die Ostschweiz. Wir helfen in unserer Region – dort, wo die Not nahe ist. Ich glaube, dass dies von den Spenderinnen und Spendern wie von den Empfängerinnen und Empfängern sehr gewünscht und geschätzt wird. Es gibt auch bei uns Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Ihnen können wir etwas Gutes tun. Das ist meine Motivation – und meine Freude.

Der Spendenbetrag ist bisher jedes Jahr gewachsen, und der Bekanntheitsgrad der Aktion, die 2005 erstmals durchgeführt wurde, steigt. Was sind die Gründe?

Vielen von uns wird zur Weihnachtszeit bewusst, wie gut es uns geht. Dabei entsteht der Wunsch, selber etwas zu geben und zu schenken, Menschen zu helfen, ihnen eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Gründe sind sicherlich auch der gute Ruf von OhO und das Vertrauen in den Beirat, wonach er genau hinschaut und Hilfegesuche sorgsam prüft und darüber entscheidet. Dank der Unterstützung durch das St. Galler Tagblatt, das den Grossteil der internen Kosten und des Verwaltungsaufwands übernimmt, ist sichergestellt, dass der allergrösste Teil der Spenden auch bei den Bedürftigen ankommt.

OhO hilft den Menschen dort, wo Unterstützung durch die öffentliche Hand nicht vorgesehen ist.

Genau. Die öffentliche Hand hat klare Vorgaben, was sie zahlen muss. Darauf achten wir sehr. OhO spricht keine Beiträge, die im Grunde genommen von der Sozialhilfe der Gemeinden übernommen werden müssten.

Wen unterstützt die Weihnachtsaktion? Können Sie Beispiele nennen?

In der Schweiz muss zwar niemand hungern oder frieren, aber viele Menschen haben mit einem unglaublich schmalen Budget auszukommen. Für Familien können Musikstunden für ein Kind ein grosses Problem sein. Der Betrag für ein Skilager kann ein Budget über den Haufen werfen. Für viele Familien sind vermeintlich einfache Dinge wie zum Beispiel Winterkleider, eine neue Brille oder eine Zahnarztrechnung ein zusätzlicher Kostenpunkt, den sie schwer alleine stemmen können. Es reicht nicht für den kleinsten «Gump».

Welche Gesuche berühren Sie besonders?

Es gibt davon viele. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen behinderten Mann, der fast völlig blind war. Mehr oder weniger konnte er aber noch selbstständig leben. Ihm schenkte OhO eine Waschmaschine für seine Wohnung, damit er sich den für ihn beschwerlichen Gang in die Waschküche ersparen kann. Berührend sind häufig auch Fälle von Menschen, die von der Gesellschaft unbeachtet sind, die kaum mehr Bezugspersonen haben und isoliert daheim leben. Geht der Fernseher kaputt, gibt es zur Aussenwelt keinen Bezug mehr. In einem solchen Fall haben wir für ein neues Fernsehgerät einen Beitrag geleistet.

Wenn Sie sich die Hilfegesuche anschauen: Was sind die Risikofaktoren für Armut in der Ostschweiz?

Eines der grössten Risiken sind Scheidungen. Wenn eine Familie zuvor noch recht gut leben konnte, kann es unter Umständen nach einer Scheidung für alle nicht mehr reichen. Dazu gehören auch die betroffenen Kinder; ein Beitrag, der etwa für eine Mitgliedschaft in einem Sportclub zu entrichten wäre, ist möglicherweise schon zu hoch. Ein weiterer Risikofaktor kann das Alter sein: Wenn man älteren, bedürftigen Menschen eine Freude machen, ihnen bei einer nötigen Anschaffung helfen kann, so ist das sehr schön.

Wer sind die Spender?

Die Bandbreite reicht von Personen, die selber wenig haben, und dennoch spenden, bis zu Firmen, die uns bedeutende Beträge zukommen lassen. So oder so, wir sind dankbar für jeden Betrag, der gespendet wird.

Es gibt insgesamt 15 Beiräte, die über die Verteilung der Spenden befinden. Wie werden diese bestimmt?

Wichtig ist, dass die Ostschweizer Regionen, die Kantone St. Gallen, Thurgau und beide Appenzell, vertreten sind. Ebenso schauen wir bei der Zusammensetzung auf einen Ausgleich zwischen Männern und Frauen, zwischen Jüngeren und Älteren. Zudem achten wir darauf, dass wir verschiedene Berufsgattungen haben. Alle Beiräte arbeiten ehrenamtlich.

Bis wann können Gesuche noch eingereicht werden?

Bis Ende November. Der Beirat gibt sich grosse Mühe, jeweils bis Weihnachten alle Gesuche zu bearbeiten, damit auch die Empfänger ein frohes Fest feiern können.

Marianne Kleiner

Seit 2012 ist Marianne Kleiner Beiratspräsidentin der Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern. Sie amtete von 1994–2003 als erste Frau in der Ausserrhoder Regierung (Finanzdirektorin), davon 1997–2000 als Frau Landammann. 2003–2011 vertrat sie Ausserrhoden im Nationalrat, acht Jahre war sie Vizepräsidentin der FDP Schweiz. Marianne Kleiner ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Sie lebt in Herisau.

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