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Interview mit Beiratspräsidentin

Marianne Kleiner ist Beiratspräsidentin der Aktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» – eine Tätigkeit, der sie mit grosser Freude nachgeht.
Christoph Sulser/ desirée Müller
Ob klein oder gross, Marianne Kleiner ist für jede Spende dankbar. (Bild: Mareycke Frehner)

Ob klein oder gross, Marianne Kleiner ist für jede Spende dankbar. (Bild: Mareycke Frehner)

Mandarinen, Spanische Nüssli und Schokoladen-Samichläuse, Geschenk-Tipps. Ein Augenschein in den hiesigen Supermärken zeigt es deutlich – die Adventszeit und Weihnachten stehen vor der Tür. Nach der für viele eher hektischen Adventszeit kann man an den Weihnachtstagen einen Gang zurückschalten, Zeit mit seinen Liebsten verbringen, Speis und Trank geniessen und sich über das eine oder andere Präsent freuen. Ebenfalls zu Weihnachten merken viele Leute, wie gut man es doch habe, sagt Marianne Kleiner. Die ehemalige Frau Landammann von Appenzell Ausserrhoden und ehemalige Nationalrätin ist ehrenamtliche Beiratspräsidentin der Spendenaktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» (OhO). Der Verein hilft Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.

Marianne Kleiner, der Spendenbetrag für OhO wächst jedes Jahr und der Bekanntheitsgrad der Aktion steigt. Was sind die Gründe?

Marianne Kleiner: OhO hat einen sehr guten Ruf. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind die internen Kosten und der Verwaltungsaufwand gering, was bedeutet, dass der allergrösste Teil der Spenden auch bei den Bedürftigen ankommt. Zweitens besteht ein genereller Trend, dass man wieder lieber vor Ort spendet. Der wichtigste Grund ist wohl, dass vielen von uns zur Weihnachtszeit bewusst wird, wie gut es ihnen geht; dabei entsteht der Wunsch, Menschen, die in Notlagen sind oder generell weniger auf der Sonnenseite des Lebens stehen, zu helfen, von einer Last zu befreien oder eine Weihnachtsfreude zu bereiten.

Wer sind die Spender?

Die Bandbreite reicht von Personen, die selber wenig haben, und dennoch spenden, bis zu Firmen, die uns bedeutende Beträge zukommen lassen. So oder so, wir sind dankbar für jeden Betrag, der gespendet wird.

Armut ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema. Wie stellen Sie sicher, dass sich Bedürftige dennoch bei Ihnen melden?

Viele Gesuche werden über soziale Beratungsstellen an uns weitergeleitet. Es handelt sich dabei um Gesuche für Personen, die sich in einer schwierigen oder gar Notlage befinden, darunter sind Menschen, die normal einer Arbeit nachgehen, sogenannte Working Poors, aber auch AHV-Bezüger, Sozialhilfe oder IV Empfangende – Menschen, die mit einem unglaublich schmalen Budget auskommen müssen. Vermeintlich einfache Dinge, wie zum Beispiel eine neue Brille, Winterkleider, Musikunterricht, eine Zahnarztrechnung oder der Betrag fürs Skilager sind für viele Familien ein zusätzlicher Kostenpunkt, den sie schwer alleine stemmen können. Auf der anderen Seite gibt es auch Personen, die für sich selber, oder wo Verwandte oder Nachbarn ein Gesuch einreichen, wobei wir in diesen Fällen recht streng sind.

Wie meinen Sie das?

Die Antragssteller müssen zusätzlich zu ihrem Gesuch einen Auszug ihrer Steuererklärung und weitere Referenzen einreichen. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Spenden bedarfsgerecht eingesetzt werden.

Es gibt insgesamt 15 Beiräte, die ehrenamtlich arbeiten und über die Verteilung der Spenden befinden. Wie werden diese bestimmt?

Wichtig ist, dass die Ostschweizer Regionen ausgewogen vertreten sind und ebenso das Verhältnis zwischen Mann und Frau, jung und alt gegeben ist. Zudem schauen wir darauf, dass wir verschiedene Berufsgattungen haben. Zum Beispiel gibt es einen pensionierten Zahnarzt, der mit grosser Hingabe als Beirat amtet. Wir bekommen jedes Mal viele Gesuche, in denen es um Zahnbehandlung geht. Müssten wir all diese Gesuche als Laien beurteilen, wäre dies doch eher schwierig.

Ist die Arbeit auch manchmal belastend?

Teilweise erschüttert es einen schon, wenn man die Gesuche liest, gerade wenn durch Krankheiten oder Todesfälle Welten zusammenbrechen.

Gibt es einen Fall, der Ihnen besonders nahe ging?

Ja, das war am Anfang meiner Tätigkeit. Es ging um ein unverheiratetes, noch junges Paar. Der Mann hatte ein Haus geerbt, das er und seine Freundin renovieren wollten. Beide kündeten ihre Stelle und wollten für ein Jahr alle Energie und ihre ganzen Ersparnisse in die Renovation des Hauses stecken. Plötzlich starb der Mann völlig unerwartet. Seine Freundin hatte sich nicht abgesichert. Sie erhielt nichts vom Erbe und musste auch das frisch renovierte Haus verlassen. Sie hatte ihren Freund verloren, hatte keine Stelle mehr, kein Geld und kein Dach über dem Kopf.

Was gibt Ihnen die Arbeit als Beirat zurück?

Es ist unglaublich schön, den Menschen zu helfen, sozusagen Christkind spielen zu dürfen. Wir geben uns grosse Mühe, jeweils bis Weihnachten alle Gesuche zu bearbeiten. In der Schweiz muss zwar niemand hungern oder frieren, aber bei Vielen ist das Budget extrem eng und diese sehnen sich einen Zustupf herbei. Ich bin zudem überzeugt, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens etwas Gemeinnütziges tun sollte.

Wenn die Arbeit dann getan ist, wie feiern Sie Weihnachten?

An Heiligabend feiern wir im kleinen Kreis – ohne Geschenke. Am Weihnachtsabend kommt dann die ganze Grossfamilie zusammen, die ganzen Familien meiner Schwestern bis zu den Kindern und Enkelkindern. Das ist eine Tradition, die wir von meiner Mutter übernommen haben. Zum

Essen gibt’s Fleischkäse, Bürli und Salat – und viele bringen einen Kuchen mit; also ganz einfach… – aber herrlich, alle mindestens einmal im Jahr zu sehen!

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