Dieser Sehbehinderte hat von OhO neue Kleider erhalten – doch ein Wunsch bleibt: «Am liebsten würde ich mal etwas unternehmen»

U.B. aus Wittenbach ist seit Geburt stark sehbehindert. Die bescheidene IV-Rente reicht für das Nötigste, neue Kleider liegen nicht drin. Dank Ostschweizer helfen Ostschweizern hat sich der Mann eine neue Garderobe zulegen können.

Christa Kamm-Sager
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Oft bleibt U.B. nur der verschwommene Blick aus dem Fenster.

Oft bleibt U.B. nur der verschwommene Blick aus dem Fenster.

Michel Canonica

In einem frischen, mintgrünen T-Shirt und einer gut sitzenden Hose hat es sich U.B. am Küchentisch bequem gemacht und trinkt sein Feierabendbier. Noch vor Kurzem bestand seine Garderobe nur aus abgetragenen, löchrigen oder nicht mehr passenden Kleidern. Stolz zupft der 59-Jährige am Leibchen. «Ja, das habe ich auch neu gekauft. Ich glaube im C&A. Meine Bezugsperson ist mitgekommen.»

Von der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern hat er einen Zustupf an eine neue, dringend benötigte Garderobe erhalten. So wichtig sind ihm neue Kleider zwar nicht und doch spürt das Gegenüber, dass diese äussere Hülle auch einen Einfluss hat auf sein Wohlbefinden. Das hat auch etwas mit Würde zu tun.

Ins Kinderheim nach Wittenbach

U.B. sieht seit Geburt sehr schlecht. Wenn er die Zeitung ganz nahe an seine Augen hält, kann er eine etwas grösser gedruckte Schrift knapp lesen. In der Schule in Schönengrund, Mitte der Sechzigerjahre, war für den Bub mit den schlechten Augen kein Platz und keine Geduld in der Regelklasse. Die anderen Buben plagten ihn. «Sie mochten es nicht, dass ich den Mädchen gefallen habe», sagt U.B. und freut sich heute noch darüber, dass er bei den Mädchen gut ankam.

Er entwickelte sich zu einem «Spitzbub», musste ins Kinderheim nach Wittenbach, dann in die Sonderschule nach Herisau. Das «Plagen» zieht sich weiter durch seine Kinder- und Jugendjahre. Auch im Blindenheim in St.Gallen, wo er mit 14 Jahren eine Anlehre als Hilfsmechaniker beginnen konnte, war es schwer. «Andere Lehrlinge haben mich zusammengehauen.» Es folgten weitere Stationen: Auf einem Bauernhof und in einer Polstermöbelfabrik, wo es ihm gut gefallen hat.

Seit mehr als 25 Jahren arbeitet der IV-Rentner wieder in der heutigen Obvita, jetzt in der Industrie-Abteilung, wo er unter anderem Schrauben abfüllt. Seit einem Schlaganfall vor 12 Jahren steht er noch zu 50 Prozent im Einsatz.

Jeden Abend daheim

Wenn sich U.B. in seiner kleinen Blockwohnung in Wittenbach an frühere Zeiten erinnert, wird sein Herz etwas schwer. Da trösten ihn auch die vielen Plüschbären und -katzen auf dem Sofa in der Stube nicht drüber hinweg. Aber auch die Gegenwart macht ihn nicht viel fröhlicher.

«Mein grösster Wunsch? Ich würde gerne meinen Stiefbruder und seine Familie finden. Er wohnt irgendwo in Österreich. Dorthin würde ich gerne mal reisen.»

Neben seiner Schwester sei das noch die einzige Familie, die ihm geblieben sei.

Und mal wieder etwas unternehmen, das wäre ein anderer Wunsch. «Ich bin jeden Abend daheim, und auch am Wochenende machen wir nicht viel. Das Geld ist zu knapp für Ausflüge.» Seine Freundin, die mit ihm zusammenlebt und noch schlechter sieht als er und an Epilepsie leidet, möchte lieber daheim bleiben. «Aber wir haben es gut, haben noch nie miteinander gestritten.» Er koche gerne und seine Freundin wasche dann ab. In der Wohnung könne er sich zum Glück gut orientieren und finde sich trotz seiner Sehschwäche gut zurecht.

Früher sei er auch mal mit dem Zug ins Wallis oder ins Bündnerland gefahren. «Dort ist die Luft so gut.» Auch für nächstes Jahr wird er von seiner zuständigen Betreuungsperson wieder eine SBB-Tageskarte erhalten, damit er mal verreisen kann. Nur, weiss er noch nicht, wer mitkommen wird.

Hinweis
Spenden können Sie unter: www.tagblatt.ch/ohospenden, St.Galler Kantonalbank IBAN: CH16 0078 1600 1582 4200 0

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