Dank OhO kann dieser FC St.Gallen-Fan an jedem Match seines Lieblingsclubs dabei sein

Der 23-jährige Michael Stengele erhält wegen einer angeborenen Lernschwäche eine IV-Rente. Geld für ein Saisonabo des FC St.Gallen bleibt keines übrig. Die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern hilft mit einem Zustupf aus.

Christa Kamm-Sager
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Einmal Fan – immer Fan: Michael Stengele vor seinem Lieblingsstadion dem Kybunpark.

Einmal Fan – immer Fan: Michael Stengele vor seinem Lieblingsstadion dem Kybunpark.

Hanspeter Schiess

Wenn Michael Stengele vom FC St.Gallen spricht, wird er lebendig, leuchten seine Augen, sprudelt es aus ihm heraus. Er ist glücklich über den tollen Lauf, den die Spieler seines Lieblingsclubs momentan haben. Nicht nur einmal betont er:

«Wenn man Fan ist eines Clubs, dann bleibt man das, ob es gut oder schlecht läuft.»

Seit er fünf Jahre alt ist, lebt er dieses Motto. Er fühle sich als Ostschweizer, sei hier daheim und dieser Club verbinde eine ganze Region.

Doch Geld für eine Saisonkarte bleibt dem jungen Mann keines. Die IV-Rente sieht solche unnötigen Ausgaben nicht vor. Umso mehr freut er sich über den Zustupf von OhO für das Stehplatz-Abo. So verpasst er weiterhin kein Spiel seines Lieblingsclubs.

Über vieles Gedanken gemacht

In der einfachen Küche der Altbauwohnung in der Wohngruppe der «Oase» in Gais sitzt der 23-Jährige am Küchentisch, ganz in Grün-weiss gekleidet, Dächlikappe, darunter schulterlanges, braunes Haar. Die Wohnung teilt er sich mit einem anderen Bewohner der «Oase». Von der Küche aus ist die Sicht frei auf den Säntis. Michael Stengele ist so ein Mensch, der auf den ersten Blick leicht verkannt und falsch eingeschätzt werden könnte. Erst, wenn man mit ihm spricht, ist unter seinem cool wirkenden Äusseren sein sensibles, kluges, mitfühlendes Wesen zu spüren.

Es ist einfach, mit dem jungen Mann ins Gespräch zu kommen, auf jede Frage folgt eine ausführliche Antwort, über vieles hat er sich schon Gedanken gemacht. So findet er, dass viel zu viel gebaut wird, die Natur, die Tiere, der Klimaschutz sind ihm wichtig. Er fotografiert gerne in der Natur, kennt fast jeden Winkel in der Ostschweiz und war schon in jedem Kanton der Schweiz in dessen Hauptort. «Um an meinen Arbeitsort zu pendeln habe ich von der Pro Infirmis ein GA finanziert bekommen», so Michael Stengele. «Das nütze ich auch in meiner Freizeit und fahre viel herum in der Schweiz.»

Er habe viele Bekannte und treffe sich auch mal in Zürich auf ein Bier mit einem Kollegen. «Meine Freundin ist auch Fan des FC St.Gallen und hat auch ein GA.» Das freue ihn sehr. «Aber ich hätte sie auch gern, wenn sie für einen anderen Club schwärmen würde.» Es sei eine Bereicherung im Leben, eine Freundin zu haben.

Kennt den Fahrplan auswendig

Bei seinen ÖV-Reisen muss er kaum mal einen Fahrplan konsultieren. «Die Abfahrtszeiten zwischen Chur bis Oerlikon kenne ich auswendig, und auch im Rest der Schweiz weiss ich viele Verbindungen ohne nachzuschauen.» Es scheint fast so, als ob ihm sein fotografisches Gedächtnis rund um die SBB, aber auch den FC St.Gallen, von dem er praktisch jedes Detail abgespeichert hat, selber ein Rätsel ist. Denn die Schule war für ihn kein Ort, an dem er sich sonderlich wohl fühlte, trotz dieser speziellen Fähigkeit. Es sei eine angeborene Lernschwäche, hiess es.

Nach der eher schwierigen Schulzeit in Gossau, folgte eine Lehre als Gebäudereiniger in der Valida in St.Gallen. Seit einigen Wochen arbeitet Michael Stengele in der Brockenstube Degersheim – und es gefällt ihm gut. «Ich habe mega liebe Arbeitskolleginnen und -kollegen», sagt er.

«Freundlichkeit ist etwas sehr Wichtiges im Leben, das ist einer meiner Grundsätze.»

Von diesen Grundsätzen hat der junge Mann noch viele weitere: «Leben und leben lassen» ist einer. «Das Leben geniessen.» «Fähig sein, sich eine eigene Meinung zu bilden.» «Das eigene Leben so leben, wie man es selber will», ein paar andere.

«Ich bin heute froh, dass ich lebe»

Diese positive Haltung dem Leben gegenüber ist für ihn nicht selbstverständlich. Er erlebte schon dunkle Zeiten. Doch wenn seine depressiven Phasen zur Sprache kommen, wird der gesprächige 23-Jährige plötzlich etwas wortkarger. Man muss nicht weiter fragen, das war eine schwere Zeit, die ihre Spuren hinterlassen hat. «Ich bin heute froh, dass ich lebe», sagt er nur.

Hinweis
Spenden können Sie unter: www.tagblatt.ch/ohospenden – St.Galler Kantonalbank IBAN: CH16 0078 1600 1582 4200 0

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