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Jorge Sampaoli spürt Argentiniens Frust

Nach der Blamage gegen Kroatien und vor dem möglichen Vorrunden-Out liegen die Nerven bei den Argentiniern blank. Ins Kreuzfeuer gerät insbesondere Nationalcoach Jorge Sampaoli.
Sind die Tage von Argentiniens Nationaltrainer Jorge Sampaoli bald gezählt? (Bild: KEYSTONE/EPA EFE/ALBERTO ESTEVEZ)

Sind die Tage von Argentiniens Nationaltrainer Jorge Sampaoli bald gezählt? (Bild: KEYSTONE/EPA EFE/ALBERTO ESTEVEZ)

(sda)

Desaster, Blamage, Katastrophe - den argentinischen Beobachtern in Russland fehlte es nach dem letzten enttäuschenden Auftritt ihrer Nationalmannschaft nicht an den passenden Beschreibungen. Die Bilder dazu: Lionel Messi verloren auf dem Spielfeld, Enzo Perez auf den Knien oder Nationalcoach Jorge Sampaoli mit ausgestreckten Armen und traurigem Blick. Argentinien war nach dem 0:3 gegen Kroatien am Boden zerstört und suchte nach Erklärungen, wie der zweifache Weltmeister so tief hatte sinken können.

«Argentinien zweifelt an sich selber», hat Diego Maradona erkannt, der den Match in Nischni Nowgorod Fingernägel kauend auf der Tribüne verfolgte. Schon seit längerer Zeit fehlt es den Argentiniern an Sicherheit, an einem klaren Konzept. Die WM-Qualifikation schafften sie erst am letzten Spieltag, im Test gegen Spanien gingen sie in diesem Jahr 1:6 unter und gegen Kroatien reichte ein Gegentor, um sie komplett aus dem Konzept zu bringen. Nach dem peinlichen Lapsus von Goalie Willy Caballero fehlte es an allem, was eine Mannschaft ausmacht. «Wir waren emotional gebrochen und konnten keine Wende mehr erzwingen», analysierte Sampaoli.

Auf Einzelkritik verzichtete der Nationalcoach, er nahm zumindest vordergründig die Schuld auf sich: «Der einzige, der dafür verantwortlich ist, ist der Trainer.» In Argentinien werden ihn viele beim Wort nehmen. Schliesslich hat er entschieden, den 36-jährigen Caballero trotz nur fünf Länderspielen und drei Meisterschaftseinsätzen für Chelsea in dieser Saison zum Stammkeeper zu machen - mit der Begründung, dieser sei mit dem Fuss besser als der von vielen geforderte Franco Armani.

Schwerer wiegt aber, dass der 58-Jährige, der als chilenischer Nationaltrainer so erfolgreich war, für das Team seines Heimatlandes bislang keine Lösungen für die spielerischen Probleme gefunden hat. Seit er das Amt vor einem guten Jahr übernommen hat, setzte er in 13 Partien fast 50 Spieler ein und niemals zweimal in Folge die selbe Startformation. «Er weiss nicht, was er tut», warf Pedro Pasculli, Weltmeister von 1986, Sampaoli vor.

Alles, was der Nationalcoach unternimmt, ist auf Messi ausgerichtet. Wenn es dem Star nicht läuft, muss jemand an seiner Seite weichen. Zuletzt wurden im Vergleich zum ersten WM-Spiel gegen Island (1:1) Angel Di Maria, Marcos Rojo und Lucas Biglia aussortiert. Die Mutationen dürften weitergehen, wie Sampaoli andeutete: «Leo ist limitiert, weil das Team nicht so mit ihm spielt, wie es sollte.» Diese Aussage ist durchaus als Kritik an den Mitspielern von Messi zu verstehen, und so hat es auch Sergio Agüero aufgenommen. «Soll er doch sagen, was er will», erwiderte der Sturmpartner von Messi genervt.

Burruchaga für Sampaoli?

Auf Sampaoli warten bis zum Vorrunden-Abschluss am Dienstag gegen Nigeria unangenehme Tage. Bei den Fans hat er sich mit viel Pathos entschuldigt: «Ich möchte sie um Verzeihung bitten, vor allem die, die so viel auf sich genommen haben, um uns hier zu unterstützen. Ich habe das Beste getan, was ich konnte. Ich habe es aber einfach nicht geschafft, ihnen zu geben, was sie verdient gehabt hätten.» Ob das reicht, um die Anhänger und vor allem die Medien zu besänftigen, ist fraglich.

Die Angriffe aus der Heimat dürften in den kommenden Tagen weitergehen. Sampaoli erhielt schon mal einen Vorgeschmack darauf, was ihn noch erwartet. «Lassen sie uns über Schande und Blamage reden», forderte ein argentinischer Journalist in der Fragerunde mit dem Nationalcoach. Ein anderer hatte die Pressekonferenz mit der Feststellung eröffnet, dass Sampaoli nun von 40 Millionen Argentiniern dafür verantwortlich gemacht würde, Caballero aufgestellt zu haben.

Gerüchteweise soll auch die Mannschaft Sampaoli ins Visier genommen haben. Ein TV-Sender berichtete, Messi und Co. hätten beim Verband um die Absetzung des Coaches gebeten, der im Juni 2017 für 1,7 Millionen Franken vom FC Sevilla freigekauft worden war. Teammanager Jorge Burruchaga, der Siegtorschütze im Final von 1986 gegen Deutschland, solle übernehmen.

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