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In Deutschland wird nun alles hinterfragt - auch der Trainer

Am Tag nach dem frühen WM-Aus reist der gefallene Weltmeister Deutschland aus Russland ab. Auch wegen der Art des Scheiterns drängt sich ein Umbruch auf. Joachim Löws Position steht zur Debatte.
Die deutschen Zeitungen sparen nicht mit Kritik an der DFB-Elf (Bild: KEYSTONE/AP/MIRIAM KAROUT)

Die deutschen Zeitungen sparen nicht mit Kritik an der DFB-Elf (Bild: KEYSTONE/AP/MIRIAM KAROUT)

(sda)

Ein letztes Mal nächtigte das deutsche Nationalteam vor der Heimreise am Donnerstag in seiner WM-Unterkunft von Watutinki. Wenig überraschend war es eine kurze, unruhige Nacht. Selbst die Unterkunft, die sonderbare Sportschule, machten die heimischen Beobachter nun als einen der Gründe für das erstmalige Scheitern der DFB-Elf in der Gruppenphase einer WM aus. Die für die gehobenen Ansprüche der Fussball-Millionäre recht schlichte Einrichtung habe sich nicht als der geeignete Ort erwiesen, um das Team neu zu kitten, befanden die Experten vom ZDF. Der «Osdorowitelni Komplex Watutinki» mag gesundheitsfördernd sein, so verspricht es der Name, doch den ramponierten Teamgeist vermochte er nicht zu heilen.

Natürlich gab es wesentlichere Faktoren für den historischen Absturz. Vieles kam in den letzten Monaten zusammen: Die Bayern-Fraktion rückte schlecht gelaunt ins WM-Camp ein und fand im Kreis des Nationalteams nicht aus dem Stimmungstief. Den Weltmeistern von 2014 fehlte der letzte Biss, und mit den Rücktritten von Philipp Lahm, Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose war nach Brasilien ein zentrales Gerüst weggebrochen. Die Affäre um die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan störte das Binnenklima und setzte insbesondere Ilkay Gündogan spürbar zu, aus München sorgten Aussagen über Jérôme Boatengs Zukunft für Irritationen. Das alles gipfelte in einem ungewohnt lahmen, zusammenhangs- und ideenlosen Spiel.

Ein Scheitern mit Ansage

Rückblickend und angesichts der seit dem Jahreswechsel konstant durchzogenen Leistungen mit nur zwei mühevollen Siegen aus neun Spielen war es ein Scheitern mit Ansage. In diese Richtung deuteten auch die Aussagen der Spieler und zielten die deutschen Zeitungen am Tag nach der «Schande von Kasan» (Die Welt), dem 0:2 gegen Südkorea. «Das letzte gute Spiel zeigten wir im Herbst 2017», brachte es Mats Hummels auf den Punkt.

Die «Süddeutsche Zeitung» kommentierte: «Es wird in den nächsten Tagen viel um die Aufarbeitung dieses Spiels gehen, die letztlich eine pointierte Zusammenfassung der Deutschen bei diesem Turnier war. Sie spielten behäbig, sie waren nicht überraschend, sie waren berechenbar.» Pässe in die Schnittstellen blieben im ganzen Turnier fast gänzlich aus, die Offensivspieler boten auch kaum Momente dafür an. «Höchststrafe für ein Team, das keines war», schrieb die französische Sportzeitung «L'Equipe».

Ein grösserer Umbruch scheint nach der Entwicklung in den letzten Monaten unausweichlich. Für die «Berliner Morgenpost» bedeutete Kasan das «Ende einer Ära». Eine Regionalzeitung aus Passau formulierte ihre Eindrücke so: «Die Entwicklungskurve vieler Spieler hat ihren Zenit überschritten. Die WM-Qualifikation gegen B- oder C-Gegner hat das Bild verfälscht.» Für den zuletzt fehleranfälligen und oft körperlich angeschlagenen Sami Khedira (31) und für Mario Gomez (32) dürfte künftig kein Platz mehr sein im Nationalteam. Sogar für Boateng und Mesut Özil (beide 29) könnte es eng werden, wenn sie nicht noch einmal zu alter Stärke zurückfinden.

Löw-Entscheid in den nächsten Tagen

Von der Kritik blieb auch Joachim Löw nicht verschont. Dem Bundestrainer wird vorgehalten, zu sehr an verdienten Spielern festgehalten zu haben. «Er hat zu viele Warnzeichen ignoriert», befand die «Berliner Morgenpost». Die «Berliner Zeitung» schrieb von unangenehmen Debatten, die auf das Team zukämen, und meinte: «Klar, dass die Diskussion auch Joachim Löw erreichen wird.» Auch dass Löw auf die Qualitäten von Leroy Sané verzichtete, macht ihn angesichts der bloss zwei WM-Treffer angreifbar.

Löw liess seine Zukunft im Moment der Enttäuschung offen. Vor dem Turnier hatte er seinen Vertrag noch bis 2022 verlängert. Nun beschäftigt er sich nach zwölf Jahren mit Rücktrittsgedanken, der Verband analysiert die Situation. «Es braucht tiefgreifende Massnahmen, es braucht klare Veränderungen, und das müssen wir jetzt besprechen, wie wir das tun», erklärte Löw nach der Rückkehr aus Russland. Teammanager Oliver Bierhoff meinte: «Wir werden täglich in Kontakt sein. Gegen Ende der nächsten Woche werden wir zusammenkommen und dann weiterdiskutieren.»

In 70 Tagen beginnt für die deutsche Mannschaft mit dem Auftakt in die neue Nations League der nächste Zyklus, bis dahin gibt es viel zu sortieren. Die Trainerpersonalie ist aktuell die zentralste offene Frage, aber bei weitem nicht die einzige. Ungeachtet dessen bleiben die Perspektiven rosig. Der Fundus an Ausnahmekönnern, aus dem Löw oder der künftige Trainer auswählen kann, bleibt riesig.

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