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Doppeladler-Debatte schweisst Team noch mehr zusammen

Die Untersuchung gegen Xhaka, Shaqiri und Lichtsteiner hält die Schweiz in Atem. Dann: Ende gut, alles gut. Keine Sperren für das Trio - und das Team schöpft aus der Geschichte sogar weiter Kraft.
Verteidiger Michael Lang berichtet über die Stimmung im Schweizer Team (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

Verteidiger Michael Lang berichtet über die Stimmung im Schweizer Team (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

(sda)

Hunderttausende taten ihre Meinung zum Schweizer Doppeladler-Jubel in den sozialen Medien kund. Die Zeitungen waren seit Samstag voll davon. Die Schweizer Spitzen-Fussballfunktionäre hatten ihre Sicht geschildert. Doch wie sahen es die Hauptbeteiligten? Die Spieler? Das Team? Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner durften nicht sprechen. Doch wie die Situation im inneren Zirkel der SFV-Auswahl erlebte wurde, konnten auch andere beurteilen. Einer wie Michael Lang zum Beispiel.

Seit Jahren ist der 27-jährige Ostschweizer im Nationalteam dabei. Zwar hinter Lichtsteiner stets nur die Nummer 2 auf der rechten Position in der Abwehr, aber mit einem feinen Gespür für die internen Vorgänge ausgestattet. Noch bevor das erlösende Urteil von der FIFA am Montagabend gefällt war, sagte der Spieler des FC Basel: «Wir haben einen tollen Team-Spirit. Dieser ist unser Pluspunkt. Was jetzt passiert, lässt uns noch näher zusammenrücken.»

Dass sich Captain Lichtsteiner beim Sieg im zweiten WM-Spiel gegen Serbien mit seinen albanisch-stämmigen Kollegen solidarisiert hat, selbst mit den Händen den Doppeladler formte und hinterher gegenüber den Medien klar Stellung bezog für Xhaka und Shaqiri, widerspiegelt den Geist dieser Mannschaft. «Wenn etwas passiert, wenn einer von uns attackiert wird, dann stärkt das die Gruppe. Wir lassen keinen alleine und wir lassen nicht zu, dass ein Einzelner von uns den Leuten zum Frass vorgeworfen wird.» Und dann sagte Lang auch noch, was die Mannschaft im Moment der Ungewissheit gefühlt habe: «Wir gegen die Welt.»

Ohnehin hört man aus dem Kreis der Spieler auffallend oft dieses Wort: «Wir». Es steht für die Entwicklung der Mannschaft in den letzten drei Jahren. Im März 2015 hatte ausgerechnet Lichtsteiner eine Debatte über «richtige Schweizer» und Identifikationsfiguren angestossen. Die Diskussion lief aus dem Ruder und führte dazu, dass in den Monaten vor der EM 2016 rund um das Nationalteam nicht mehr über Fussball gesprochen wurde, sondern über einen «Balkangraben» und über ein Nationalteam, das in verschiedene Gruppen zerfallen sei. In sprachliche, soziale und ethnische. Die SFV-Auswahl lief Gefahr, statt für Integration plötzlich für Ausgrenzung zu stehen.

Lang leugnete dies nicht, denn er sagte in Togliatti: «Dieses Mal war der Teamgeist von Anfang an gut. Das war vor zwei Jahren vor dem Camp in Lugano anders.» In vielen Gesprächen kittete Nationalcoach Vladimir Petkovic damals die Risse. Später sagte er auch: «Wir hätten den EM-Achtelfinal gegen Polen gewinnen können, wenn wir nicht zu viel Energie in Dinge abseits des Platzes hätten investieren müssen.»

In den letzten drei Tagen wurde der Zusammenhalt in Russland auf eine neue Probe gestellt. Doch die Mannschaft hielt die Reihen auch in dieser unangenehmen Situation geschlossen. Dass dies nicht bloss ein oberflächliches Signal nach aussen war, hatte sie in Russland in den ersten 180 WM-Minuten schon auf dem Platz bewiesen.

Zweimal ist sie nach einem Pausen-Rückstand zurückgekommen. Etwas glückhaft beim 1:1 gegen den fünffachen Weltmeister und grossen WM-Favoriten Brasilien. Beeindruckend beim 2:1-Sieg gegen Serbien in einer aufgeladenen Atmosphäre. Für die Spieler waren diese Resultate wichtig - und nicht die Jubel-Gesten. Diese öffneten einzig Nebenschauplätze, auf welchen sich diejenigen bewegten, die in der Schweizer Integrationsfrage im Frühjahr 2015 stehen geblieben sind.

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