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Der beschwerliche Werdegang von Hervé Renard

Marokko steht nach der Auftaktniederlage gegen den Iran heute gegen Portugal schon mit dem Rücken zur Wand. Da trifft es sich gut, dass der Nationaltrainer Hervé Renard so einiges über Exploits weiss.
Hervé Renard begann seine Trainerlaufbahn in der sechsthöchsten Liga (Bild: KEYSTONE/EPA/GEORGI LICOVSKI)

Hervé Renard begann seine Trainerlaufbahn in der sechsthöchsten Liga (Bild: KEYSTONE/EPA/GEORGI LICOVSKI)

(sda)

Es war ein ernüchternder Start in die WM für Hervé Renard. Seine Marokkaner erspielten sich Chance um Chance und verloren durch ein Eigentor in der Nachspielzeit gegen den Iran noch mit 0:1. Der 49-Jährige verfolgte das Geschehen am Seitenrand zunächst gelassen und dann mit zunehmender Nervosität, wild gestikulierend. Seine Auswechslungen misslangen: Mit Amine Harit nahm er seinen besten Offensivspieler kurz vor Schluss aus dem Spiel, um das torlose Remis zu halten, und mit Aziz Bouhaddouz brachte er jenen Stürmer, der ins eigene Tor traf.

Ist Renard der Hauptverantwortliche für die Niederlage gegen den Iran? Es war eine der kritischen Fragen, die in Marokko gestellt wurden. Im Fussball dreht der Wind rasch, und auf dem afrikanischen Kontinent ist der Weg vom Helden zum Versager wohl noch etwas kürzer als anderswo. Das weiss Renard selber am besten, doch der Franzose sagt auch: «Auf diesem Kontinent streiten die Leute ständig - aber für das Nationalteam stehen alle zusammen. Sie können dich auf schreckliche Weise kritisieren, aber sie sind Fans in jedem Match.»

In Marokko haben sie 20 Jahre auf die Rückkehr ihrer Nationalmannschaft in den Kreis der WM-Teilnehmer gewartet. Im Sommer 1998 in Frankreich verpasste die von Mustapha Hadji angeführte Equipe den Achtelfinal darum ganz knapp, weil Brasilien im letzten Gruppenspiel überraschend Norwegen unterlag. Danach wurde es gar still um die «Löwen vom Atlas». Ein verlorener Final im Afrika-Cup 2004 war das einzig Nennenswerte, das die Marokkaner erreichten - bis der Fuchs dem kranken Löwen zur Hilfe eilte, wie eine marokkanische Zeitung treffend schrieb.

«Es hilft mir zu relativieren»

Der Fuchs, der Renard, hätte sich 1998 nicht erträumen lassen, irgendwann einem so exklusiven Trainerzirkel anzugehören. Er hatte gerade seine Spielerkarriere mit einem einzigen Ligue-1-Einsatz beendet und als Trainer in der sechsthöchsten Liga begonnen. Mit seiner Frau führte er im Süden Frankreichs eine Firma für Gebäudereinigung. «Ich brachte die Abfallsäcke raus und machte die öffentlichen Räume in der Stadt sauber», erinnerte sich Renard gegenüber dem Fachmagazin «So Foot» an sein achtjähriges, anstrengendes Doppelleben.

Er werde diese Zeit nie vergessen. «Es hilft mir zu relativieren», sagt Renard heute. Eine Begegnung mit Claude Le Roy, dem Globetrotter unter den französischen Trainern, gab seiner Karriere den entscheidenden Schub. Nach einem Interview mit der Sportzeitung «L'Equipe» hatte Le Roy «60 bis 80 Bewerbungen» bekommen, erinnert sich der heute 70-jährige Nationalcoach von Togo. 48 Stunden nach der ersten Begegnung zwischen den beiden nahm Le Roy Renard 2001 als Assistent mit nach China, zu einem dortigen Zweitligisten.

Aussergewöhnlicher Motivator

Dass der Weg von Renard lang und beschwerlich war, würde man nicht vermuten, wenn man ihn sieht. Wenn er mit hinter dem Rücken verschränkten Armen am Rand des Fussballfeldes steht, strahlt er eine Selbstsicherheit aus, die an Arroganz grenzt. In seinem eng anliegenden weissen Hemd erinnert der braungebrannte Coach mit den blonden Haaren an einen «Sunnyboy», dem das Glück nur so zufliegt. Er kann aber vor allem das Glück erzwingen, andere motivieren, über sich hinaus zu wachsen, für Exploits rüsten, wie Spieler betonen, die von ihm trainiert wurden.

Sambia führte Renard 2012 sensationell zum Titel beim Afrika-Cup, den er zwei Jahre später auch noch mit der Elfenbeinküste gewann. Mit Sochaux schaffte er nach einer grossartigen Rückrunde 2014 in der Ligue 1 aus vermeintlich aussichtsloser Position fast noch den Klassenerhalt. Marokko sollte man also noch nicht abschreiben. «Es kann so viel geschehen», sagte Renard vielsagend - und blickte dabei wohl innerlich genauso zurück wie voraus auf das zweite WM-Spiel gegen Portugal.

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